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Das Mittelalter.
198. 19S.
L. Das Mittelalter.
I. Das Zeitalter der Karolinger.
1. Pipiu -er Kleine (752—768) und Karl -er Große (768-814).
Z.198. Die austrasischen Herzöge Pipin von Heristal und Karl Mär-te ll (ZZ. 184, 194) hatten sich durch ihre Kriegsthaten das Vertrauen derNation, durch ihren Eifer um die Verbreitung des Christentums die Gunst derGeistlichkeit erworben. Durch beides wurde die Erhebung Pistills auf denfränkischen Thron herbeigeführt. Denn als der Großhofmeister (Majordomus)Pipin, Karl Martells Sohn, den letztenMerovinger in einKlostereinschloß undsich von einer Reichsversammlung zum König ausrufen ließ, bestätigte der Papstdie Wahl, um in dem fränkischenHerrscher eine Stütze zu finden gegen die Lango-barden in Oberitalien und die biloerstürmenden Kaiser von Byzanz, unter derenHerrschaft Rom stand. Zur Vergeltung für die Königsweihe, die sich Pipin zu-erst von den Bischöfen des Reichs erteilen ließ, und die dann Papst StephanÜI.selbst in feierlicher Weise an dem „König von Gottes Gnaden" in der Kathe-drale von St. Denys wiederholte, erwarb dieser dem römischen Stuhle Unab-hängigkeit von den byzantinischen Kaisern und versprach dem Papst auf einer per-sönlichen Zusammenkunft den Küstenstrich am adriatischen Meere südwärts vonRav enna. Durch diese angebliche „Pipinische Schenkung", die später in der„Urkunde vonKiersy" aufgezeichnet und in dem päpstlichen Archive aufbewahrtward, wurde der Grund zur weltlichen Macht des Papstes gelegt. Dochgelangte das Pontifikat erst später zum dauernden Besitz des sogenannten Pa-trimonium Petri. — Damals lebte Bonifacius (eigentlich Winfried), einerjener thätigen Glaubensboten (Missionare) aus England, die unter demSchutze der ersten Karolinger die Lehre von dem gekreuzigten Heiland den rauhenBewohnern Deutschlands verkündeten. Er predigte das Evangelium in H essen,wo er die Abtei Fulda stiftete, bei den Thüringern, Franken undBayern, gründete allenthalben Bistümer und Lehranstalten und bewies sol-chen Eifer, daß er den Namen eines „Apostels der Deutschen" erlangte.
M. Zum Erzbischof von Mainz ernannt, zog er noch in seinen späten Tagenzu den heidnischen Friesen, wo er eines gewaltsamen Todes starb. Von derfeindlichen Schar während einer kirchlichen Handlung überfallen, ließ er sichnebst seinen Begleitern ohne Widerstand erschlagen, das Evangelienbuch mitden Händen über seinem Haupte haltend. Alle von Bonifacius angelegtenBistümer und Anstalten wurden mit dem römischen Stuhl in die engste Ver-bindung gesetzt, und da auch die karolingischen Herrscher dieses Streben förder-ten, so wurde schon um das Jahr 800 im ganzen Frankenreiche der Papst alsOberhaupt der Kirche angesehen. Nun gingen die älteren unabhängigenStiftungen allmählich in der römischen Umversalkirche auf.
Z. 199. Sechzehn Jahre regierte Pipin, in der Folge „der Kleine" oder„der Kurze" genannt, kräftig und ruhmvoll über das fränkische Reich, das weitin Süd- und Mitteldeutschland hineinreichte, und teilte es bei seinem Todeunter seine zwei Söhne Karl und Karlmann. Als letzterer schon nach dreiJahren starb, wurde durch Beschluß der Reichsstände Karl der Große Allein-herrscher der Franken. Karlmanns Witwe und Söhne flohen über dieAlpen und fanden Aufnahme und Schutz bei demLangobardenfürsten in Pavia,welcher dem Frankenkönig wegen Verstoßung seiner Gattin, einer lombardi-schen Königstochter, zürnte. — Karl führte viele Kriege und beförderte christ-liche Bildung und bürgerliche Ordnung. Um die Grenzen seines Reichs zuschützen und zugleich das Christentum zu verbreiten, bekriegte er 31 Jahre langden Sachscnbund, der aus mehreren heidnischen Völkern an der Weser undElbe bestand. Diese Völker lebten ohne Städte in freien Gemeinden unter