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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Das Mittelalter.

Z. 201. 202.

und die ungewohnte Abgabe des Zehnten an die Kirche einen nochmaligenAufstand herbei, der die Wegführung von 10000 sächsischen Familien und dieAnlegung fränkischer Niederlassungen in ihrem Lande zur Folge hatte. Vonder Zeit an war der Widerstand der Sachsen gebrochen; sie traten gleich denstammverwandten Friesen in das Verhältnis der Abhängigkeit zu den Fran-ken. Nach einer geschichtlichen Überlieferung setzte endlich der FrredensvertragE. von Salz oder Selz an der fränkischen Saale dem langen Kriege ein Ziel undrichtete eine gemeinsame Rechtsordnung für die ostfränkischen Völker auf,eine Angabe, die jedoch die neuere Forschung als Irrtum zurückgewiesen hat.—Zur Bekämpfung der slavischen Völker ostwärts der Elbe gründete Karldie Mark Brandenburg.

Z. 201. Noch ehe der Sachsenkrieg ganz zu Ende war, versuchte Thassilo,Herzog von Bayern, mit Hilfe der ostwärts wohnenden Avaren, sich vonder fränkischen Oberlehnsherrlichkeit unabhängig zu machen und sein Reich in?S8. königlicher Machtvollkommenheit zu besitzen. Er wurde überwunden und büßte,von einem Fürstentag wegen Hochverrats verurteilt, seinen Treubruch durchewige Haft hinter den Mauern eines Klosters am Rhein. Dasselbe Schicksalhatte auch seine langobardische Gemahlin, die ihn zum Abfall gereizt. BayernWurde dem Frankenreiche einverleibt; dann unternahm der Kömg einen Feld -zug gegen die wilden Avaren in Pannonien, warf sie über den Wienerwaldzurück und fügte das ihnen entrissene Land von der Enns bis zur Raab als7»«. östliche Mark (Oesterreich) seinem Reiche bei. — Als Karl der Große alleLänder vom Ebro und den Apenninen bis zur Eider und vom atlantischenMeer bis zur Raab und Elbe unter seine Herrschaft gebracht, begab er sich ander Scheide des Jahrhunderts nach Rom, um Papst Leo III., der vor den Miß-handlungen einer feindlichen Gegenpartei bei dem Frankenkönig im fernenPaderborn Schutz gesucht, auf den apostolischen Stuhl zurückzuftihren. DaWurde er am Weihnachtsfeste von demKrrchenfürsten, den er in feierlicher Ge-richtssitzung von den gegen ihn erhobenen Beschuldigungen frei gesprochen undDcmnr-r irr seiner Ehre hergestellt hatte, in der Peterskirche zum römischen Kaiser ge-krönt. Dadurch gedachte man die abendländische Christenheit zu einem kirch-lich-staatlichen Ganzen, zu einem „Gottesreiche auf Erden" zu verbinden, wo-von der Papst das geistliche, der Kaiser das weltliche Oberhaupt sein und als„die beiden Schwerter" selbständig und unabhängig, aber in gegenseitigerAnerkennung und friedlicher Wechselbeziehung neben einander bestehen fällten.Von der Zeit an ging die schon längst vorhandene Spannung zwischen derabendländischen (römisch-katholischen) und morgenländischen (grie-chisch-katholischen) Kirche in völlige Trennung über.

Z. 202. Die innere Regierung Karls des Großen war nicht minder fol-genreich als die äußere. Er verbesserte Rechtspflege und Verwaltung, in-dem er die alten Stamm- oder Volksherzoge beseitigte, das ganze Reich inGaue teilte und zur Leitung des Gerichtswesens Grafen und Sendboten,zur Verwaltung der Krongüter und Erhebung der Einkünfte Kammerboteneinsetzte. Gesetze und Verordnungen, Kapitularien genannt, wurden vondem Kaiser unter Beirat der geistlichen und weltlichen Großen beschlossen undauf Volksversammlungen (Maifeldern), woran alle Freien teilnahmen, be-stätigt. — Er beförderte den Anbau des Landes und die Bildung desVolks; Landbau und Viehzucht fanden Aufmunterung. Dörfer und Meiereienerhoben sich, öde Heiden wurden m Ackerland umgeschäffen. — Er legte Klo-terschulen und Domstifter an, ließ die Werke allrömischer Litteratur ab-treiben und veranstaltete eine Sammlung alter germanischer Helden-lieder. Gelehrte, wie der britische Mönch Almin und der Geschichtschreiber