8 - 203 .
145
Die Karolinger.
Einhard (Eginhard) aus dem Odenwalde, erstellten sich seiner Gunst und lln-terstützung in hohem Grade. Er begünstigte die Geistlichkeit und Kirche.Der Klerus erlangte durch ihn den Zehnten und reiche Schenkungen und Ver-mächtnisse; die römische Kirchenmusik, wozu Papst Gregor der Große(t 604) den Grund gelegt, wurde im Frankenreiche eingeführt, Glaubens-boten (Missionare) zogen in die Länder der Heiden, um das Evangelium zuverkünden. Kirchen und Klostergebäude wurden errichtet. An allen Orten seinesWeiten Reiches hatte Karl königliche Pfalzen; doch waren Aachen, wo sichwährend der letzten Regierungsjahre ausschließend das Hoslager befand, undJngelheim am Rhein seine Lieblingssitze. Auch die Stadt Frankfurt ver-dankte ihren Ursprung einer Burg des Frankenkönigs. In der Marienkirche zuAachen, die Karl durch Einhard im altrömischen Baustil hatte aufführen lasten,wurde die Leiche des großen Kaisers beigesetzt. Bei seinen Zeitgenossen stand errn solcher Verehrung, daß sogar der Khalife Harun ar Raschid (§. 195) ihmaus dem fernen Oriente kostbare Geschenke zuschickte. Wie Alexander der Große,wurde auch Kaiser Karl, dessen schöner, majestätischer Wuchs und kräftigerKörperbau den Adel der Seele beurkundete, der Mittelpunkt der Sage undDichtung im ganzen christlichen Abendland, eine monumentale Kaisergestalt.
81 ».
8. Auflösung des Frankenreichs.
H. 203. Karls des Großen Sohn, Ludwig der Fromme, war mehrfür die Stille einer Klosterzelle als für die Herrschaft über eine kriegerischeNation geeignet. Eine voreilige Teilung seiner Staaten unter seine drei Söhne ° "Lothar, Pipin und Ludwig bereitete ihm viel Herzeleid und dem Reichegroße Verwirrung. Denn als er später auf Betreiben seiner ehrsüchtigenGemahlin Judith von Bayern und ihres Günstlings, des Markgrafen Bern-hard von Barcellona, zu Gunsten seines vierten in zweiter Ehe erzeugtenHohnes Karl (des Kahlen) eine Änderung vornahm, erhoben die älterenSohne die Waffen gegen den Vater. Ludwig, auf dem „Lügenfelde" beiStraßburg von seinen Dienstmannen treulos verlassen und an seine Söhne ver-raten, wurde von Lothar zur Kirchenbuße und Thronentsagung gezwungenund auf einige Zeit in ein Kloster eingeschlossen. Zwar bewirkte sein SohnLudwig die Wiedereinsetzung des Vaters; als aber der schwache Kaiser, nachVlpins Tod, in einer neuen Teilung Ludwig „den Deutschen" zu Gunsteninner Brüder Lothar und Karl verkürzte, erhob jener die Waffen gegen den^iater. Dies brach dem alten Kaiser das Herz. Kummervoll beschloß er seineTage auf einer Rheininsel bei Jngelheim. Nun kehrten die hadernden Brüderww Schwerter Wider einander. Ein blutiger Bürgerkrieg entvölkerte dasAnch, st daß zuletzt nach der dreitägigen Schlacht von Fontenailles (oder^vutenoy) in Burgundien die fränkischen Edelleute und Bischöfe die Brüdernachdrücklich zur Versöhnung und Übereinkunft mahnten und dadurch denTnlungsvertrag von Verdun herbeiführten. Durch diesen erhielt LotharItalien, Burgundien und den Teil von Austrasien, der in der Folge denManien Lotharingen oder Lothringen empfing, nebst der Kaiserwürde;
Karl der Kahle LVestfranken (Frankreich) und Ludwig der Deutsche dieLander auf der rechten Seite des Rheins nebst Speyer, Worms und Mainz.
4wn der Zeit an schloffen sich die Stämme im Osten mehr und mehr zu einerzusammen, die man nach ihrer „volkstümlichen" Sprache als „Deutsche"Gegensatz zu der romanischen Bevölkerung im Westen und Süden be-zeichnete. So wurde der Vergleich von Verdun die „Geburtsstunde" für dasund französische Volk. Die Einheit des Frankenreichs war damit auf-Pwst. Fortan verfolgten die Völker germanischer und romanischer Zunge'yren Entwicklungsgang auf getrennten Bahnen.
Weber. kl. Weltgeschichte.
88 «.
8S8.
81 ».
811 .
81 «.
10