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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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175
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8- 246. 247.

Mittelalterliche Zustände.

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ausübten, erregte den Groll des Volkes in solchem Grade, daß es den Ketzerrichtererschlug und der Glanbensversolgung, deren Andenken sich noch bis zur Stunde mdemKetzerbach" bei Marburg erhalten hat, ein Ende machte. Die Bettel-Ordenwaren die mächtigste Stütze des Papsttums, von dem sie daher auch Mit den grüßtenVorrechten begabt und der Gerichtsbarkeit der Landesbischöse entzogen wurden. DreMinoriten besaßen das Herz des Volks, an dessen Leiden und Freuden sie teil-Nahmen, und wirkten daher hauptsächlich als Seelsorger; die Dominikanerwidmeten sich den Wissenschaften, füllten allmählich die Lehrstühle aus den Umher-Diäten und zählten die größten Kirchenlehrer unter ihren Mitgliedern.

H. 246. 3) Dem Nährstande gehörten die Land - und Städtebewohner an,nie den Geschäften des Friedens oblagen. Anfangs begriff man, wenigstens inDeutschland, unter dem Nährstand ausschließlich den Bauernstand, der, größten-teils unfrei, am öffentlichen Leben keinen Teil hatte. (In den Ländern, die früherBestandteile des römischen Reichs waren, haben die Römerstädte sich erhalten undfortentwickelt.) Als aber durch die Bemühung der sächsischen und hohenstau-fischen Kaiser die Zahl der Städte zunahm und sich viele Landbewohner in den-selben ansiedelten, spaltete sich der dritte Stand in Bürger und Bauern underwarb sich allerlei Rechte und Freiheiten. Die deutschen Städte zerfielen in Reichs-städte, die unmittelbar unter dem Kaiser standen und bei den Reichstagen ver-treten waren, und in Landstädte, die zudem Gebiete eines Landesfürften oderBischofs gehörten. Jene waren sowohl die ältesten als die reichsten und mächtigsten,und in ihnen bildete sich das mittelalterliche Städtew esen vorzugsweise aus. Mitder Zeit erhielten die Stadtgemeinden durch Schenkungen, Kauf oder Vertrag (Hand-festen) gewisse Hoheitsrechte, z. B. städtische Gerichtsbarkeit, Münzrecht, Markt-,Zoll-, Stapelrecht u. dergl. Die Einwohner der deutschen Reichsstädte, besonders imSüden, bestanden ursprünglich, wie im alten Rom, aus freien Patriziergeschlech-tern und aus zinspflichtigen Gewerbs- und Ackersleuten, die als Hinter-sassen oder Schutzbürger keinen Anteil an den bürgerlichen Rechten besaßen. Auslernn wurden die städtischen Beamten und Ratsherren gewählt. Mit der Zeit be-kämpften die untern Bürger die Herrschaft der Patrizierfamilien. Zu dem Zwecktrat der Handwerkerstand in Zünfte und Innungen zusammen, wodurch einGemeingeist geweckt und eine Erstarkung des untern Bürgerstandes bewirkt wurde.Bald erlangten die Handwerkerzünfte, deren Kraft in den derben Fäusten derGesellen" bestand, solche Macht, daß sie sich nicht nur allenthalben bürgerlicheRechte und Anteil an der städtischen Verwaltung erkämpften, sondern daß in sehrvielen Städten das aristokratische Geschlechterregiment durch eine demokratischeZunstregierung verdrängt wurde. Die Zünfte zogen unter der Leitung ihrerZunftmeister mit eigenen Fahnen ins Feld und schützten die Freiheit nach außen,wre sie dieselbe im innern zu erringen und zu behaupten gewußt. Mit dem Wohl-stand und der äußern Macht kehrte auch gesellige Heiterkeit und Lebenslust, gehobendurch Zunfttänze, Maispiele, Schützenfeste und Kurzweil aller Art, in die Städte em.

8-247. Die Litteratur des Mittelalters war dreifacher Art: 1) Krrch-lrche und religiöse Schriften, worunter die bedeutendsten von den Scholasti-kern und Mystikern versaßt wurden. Unter Scholastikern versteht man die-sigen philosophischen und theologischen Schriftsteller, welche die christliche Kirchen-tehre mit allen ihren Glaubenssätzen (Dogmen) zum Gegenstand ihres Denkens

ForschenS machten. Dazu bedienten sie sich der von Aristoteles ausgestelltenAukgesttze, erfanden eine Menge Formeln und Schulansdrücke (Terminologieen)und gerieten zuletzt aus spitzfindige Grübeleien, inhaltleere Erklärungen und Be-weisführungen. Die Scholastiker schufen Werke, bei denen man nicht weiß, soll manwehr den Scharfsinn bewundern, der sich im Spalten der Begriffe, im Bilden undVerbinden der Urteile und Schlüsse kund giebt, oder mehr den Fleiß, die Gelehr-

ter.

Städte.

wsfe».

Schoka.

ftiker.