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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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185
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8. 2S1.

Versall deS Ritterwesens und Entartung der Kirche.

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i»sa.

Wurden von nun an, wie einst in Griechenland, Miettruppen gebraucht, derenunternehmende Führer (Condottieri) nicht selten das Schicksal der Staatenw ihrer Hand hatten und sich Herrschaften erwarben. Auch in Deutsch-land waren Karls Bemühungen hauptsächlich auf Befriedigung seiner Hab-sucht und Ländcrgier gerichtet. Er verkaufte den Reichsstädten Freiheiten undRechte; er verlieh Adelsbriefe für Geld; er brachte Brandenburg undfurdere Länder an sein Haus. Am wohlthätigsten war seine Wirksamkeit inBöhmen, das durch ihn zu hoher Blüte gelangte. Künstler und Handwerkerwurden aus Deutschland und Italien herbeigerufen, Dörfer und Städte ge-gründet (Karlsbad), Ackerbau und Gewerbsteiß befördert, Straßen und Brückenungelegt, Heiden und Wälder urbar gemacht. In Prag errichtete Karl mitBewilligung des Papstes und unter Mitwirkung des Dichters Petrarca18- 249) die erste deutsche Universität , die bald 5000 bis 7000 StudirendeZählte. Von Karl IV. rührt das unter dem Namen der goldenen Bulle be-kannte Reichsgrundgesetz her, welches die Wahl der Könige ausschließlich denNeben Kurfürsten zuwies, die königliche Wahl-und KrönungsordnungWetzte und die Rangverhältnisse der Fürsten bestimmte. Die kurfürstlicheBrürde, welche den ersten Rang nach dem Kaiser verlieh, trugen die drei Erz-Uchöfe am Rhein, Mainz, Trier, Köln, sodann der Pfalzgraf beiRhein und die Beherrscher von Sachsen, Brandenburg undBöhmen.r 8. 261. Das kaiserliche Ansehen war sehr gesunken und in ganz Deutsch-land herrschte Gesetzlosigkeit und Verwirrung. Die Verordnungen über Land-medensbruch wurden wenig beachtet; das Faustrecht, das allein Geltung fand,forderte zur Selbsthilfe auf, und damit diese um so nachdrücklicher sei, wurdenBündnisse geschlossen. Dieser Zustand der Verwirrung steigerte sich unterKarls IV. Sohn und Nachfolger Wenzel (Wenceslaus), einem Fürsten, derAnfang bemüht war, den Schwachen vor der Gewaltthat der Starken mit i«»»-ättecktem Sinne zu schützen, aber bald der Macht der eigenen Leidenschaften '

Und den schwierigen Verhältnissen der Zeit erlag und zu einem rohen, jähzor-Wgen, dem Trurike ergebenen Manne ausartete. Während der König inBöhmen seinem wüsten Jagdleben nachging, sich mit dem Adel und der Geist-uchkeit herumstritt, und durch das barbarische Verfahren gegen den General-Blkar Pomuk (Nepomuk), den er von der Präger Brücke in die MoldauWerfen ließ, sowie durch seine Grausamkeit sich verhaßt und verächtlich machte.

War das deutsche Reich mit seinen Kämpfen und Nöten sich selbst überlassen.

Ae Städte in Schwaben, in Frankenund am Rhein schlössen denschwä-Uchen Städtcbund zur Erhaltung des Landfriedens und zur Abwehr des-aaubadels. Die dadurch bedrohten Ritter, die vom Raub und Wegelagernsvom Stegreif) lebten, ahmten das Beispiel ihrer Feinde nach und stärkten sichuurck Ritterbündnisse (die Schlegler, der Löwen- und Hörnerbundu.). Beide Bundesgenossenschaften lagen in unaufhörlichen Kämpfen mitMander, bis endlich die Ermordung des Erzbischofs von Salzburg durch einenMerischm Herzog den großen S'tädtekrieg herbeiführte, der das südlicheTatsch land mit schwerer Not heimsuchte. In Bayern waren die Bürger sieg-^lch, in Franken hielt die Tapferkeit der Nürnberger das Krieasglück schwan-^d; aber in Schwaben, wo der tapfere Städtefeind Eberhard derseiner von Württemberg an der Spitze des Adels stand, erlitten die BürgerDöfsinqen großen Schaden, und bei Worms und Frankfurt erlagen sie," stahlfesten Rechen der Ritter aus Hessen und Pfalz. Desto siegreicher kämpftemn dieselbe Zeit der Schweizerbund gegen den süddeutschen Herrenstand.§Mog Leopold von Österreich überzog mit einem Heer gewappneter'-dien, die ihn als die Blume der Ritterschaft ehrten, die freiheitsliebenden Eid -

Wenzel

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