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Das Mittelalter.
tz. 262. 263.
,»««. genossen. Aber in der Schlacht von Sempach, wo nach der Volksüber-lieferung der hochherzige Arnold von Winkelried aus Unterwalden den Hirtenund Bauern in die geharnischten Reihen der Ritter „eine Gasse bahnte", indemer eine Menge Lanzen erfaßte und sich in die Brust grub, erlag der stolze Her-zog mit 656 Edlen unter den Kolbenschlägen helvetischer Landleute. An diesemTage erloschen viele alte Häuser und der Glanz der fürstlichen Hoflager gingauf lange Jahre unter.
Z. 262. Das Unvermögen des Königs, der herrschenden Verwirrung AUn«v. steuern, bewog endlich die Kurfürsten, auf einer Versammlung in Lahnste i nWenzels Absetzung auszusprechen, weil er der Kirche nicht zum Frieden verhol-fen, dem reichen und klugen GaleazzoViscontiin Mailand den Herzogs-titel verkauft, den Landfrieden nicht gehandhabt und in Böhmen grausam undtyrannisch regiert habe. Statt seiner wurde Ruprecht von der Pfalz, derEnkel jenes Ruprecht, der im Jahre der Sempacher Schlacht dieUniversität» 38 «. Heidelberg gegründet hatte, zum König gewählt. Aber auch dieser war, trotzmancher guten Eigenschaften, den schwierigen Verhältnissen nicht gewachsen. Ermußte es geschehen lassen, daß eine Anzahl Fürsten und Städte Süddeutsch»lands hinter seinem Rücken zu Marbach einen Bund schlössen, „zu Schutzund Trutz mit gewaffneter Hand gegen jedermann, wer er wäre, der es wagenwürde, einen von ihnen oder ihren Leuten an ihren Freiheiten, Rechten, Landenoder Gut zu beschädigen". Damit war den Reichsständen das Recht zugestan-den, auch ohne weitere kaiserliche Erlaubnis Bündnisse zu schließen und denLandfrieden nach ihrer Art zu handhaben. Einen nicht minder kläglichen Aus-gang hatte Ruprechts Auftreten in der Lombardei. Als er Mailand wieder andas Reich bringen wollte, erlitt er von den italienischen Rottenführern(tz. 260), die eine neue kunstreichere Kampfweise (Taktik) begründethatten, eine Niederlage. Nicht glücklicher waren seine Bemühungen um Her-Eigts- stelluna des Kirchenfriedens, den erst sein Nachfolger SigisMUNÜ,Wenzels Bruder, mit unsäglicher Mühe zustande brachte. Dieser kluge undmächtige Kaiser widmete der Begründung der Einheit in Kirche und Staatseine ganze Lebenskraft. In letzterem Bestreben wurde er unterstützt von demeinsichtsvollen Friedrich von Hohenzollern, Burggrafen von Nürn-berg. Zum Lohne für die treuen Dienste'und für die Ergebenheit an dasr«li. kaiserliche Haus setzte ihn daher Sigismund zum erblichen Verweser undobersten Hauptmann in derMarkBrandenburg ein. belehnte ihn mitdem Land samt der Kurwürde und gab dieser Belehnung durch dieVerschiebung von 150 000 Goldgulden eine festere Garantie, indem darandie Bedingung geknüpft war, daß im Falle einer Rückforderung jene Summean den Burggrafen ausbezahlt werden mußte. Dadurch wurde der Grund zuder preußischen Königsmacht gelegt.
5. Die Kirchenspaltung und die Konzilien.
, 8- 263. Schon lange hatte man verlangt, daß der päpstliche Stuhl vonAvignon nach Rom zurückverlegt werde, aber die französisch gesinnten Kar-dinäle, die sich unter dem schönen, milden Himmel Südsrankreichs freier undwohler fühlten, als in dem von bürgerlichen Unruhen zerrissenen Italien,hintertrreben den Plan. Mehrere übersiedelunasverfuche wurden vereitelt. Dageschah es, daß in dem Kardmalskollegium sich zwei Parteien bildeten, wovonis78. jede eine eigenmächtige Papstwahl vornahm. Dadurch erhielt die Kirche zweiPäpste, einen in Avignon, den andern in Rom, von denen jeder sich für dasrechtmäßig gewählte Oberhaupt der Kirche erklärte und über den andern unddessen Anhänger den Bannfluch schleuderte. Das ganze christliche Abendland