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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Das Mittelalter.

Z. 282b. 283.

sie suchten die Macht des Adels und der Geistlichkeit zu vermin-dern und dieKönrgsgewalt zu erhöhen. Zu diesem Zwecke verschafftesich Ferdinand von dem Papste die Großmeisterwürde der drei reichen casti-lischen Ritterorden und das Recht, die spanischen Bistümer zu besetzen. Dannentzog er dem Adel die Rechtspflege, um sie den königlichen Gerichtshöfen zuübertragen, und errichtete aus der städtischen Miliz die bewaffnete Herman-dad (Verbrüderung) zur Erhaltung des Landfriedens und Abstellung desRaub- und Fehdewesens. Das wichtigste Mittel aber zur Hebung der Königs-macht war das Jnquisitions-Gericht, bei welchem der König denGroß-Juquisitor und alle Richter zu ernennen hatte. Dieses königliche, mitgeistlichen Waffen ausgerüstete Glaubensgericht war nicht bloß der Schreckender Ketzer und heimlichen Mohammedaner und Juden, sondern hielt auch Adelund Klerus in Furcht und legte der freien Geistesthätigkeit schwere Fesseln an.Der leiseste Verdacht, das falsche Zeugnis eines Feindes konnten in die grauen-vollen Jnquisitionskerker und zu gerichtlichen Verhören führen, wo man durchdie furchtbarsten Folterqualen Geständnisse der Schuld zu erpressen und durchFallstricke, Verdrehungen, arglistige Fragen den Standhaften zu umgarnensuchte. Zahllose Schlachtopfer wurden unter Pomp und Gepränge (Auto daf6) dem Feuertode übergeben oder schmachteten zeitlebens in den moderigenKerkern, indes sich die Staatskasse mit ihren Gütern bereicherte. Nie warenThron und Altar in einem so gefährlichen Bunde gegen die Freiheit der Völ-ker, wie in Spanien seit der Begründung der Inquisition. In den späterenJahren ihrer Regierung waren Ferdinand und Jsabella in allen politischenund kirchlichen Bestrebungen von den Ratschlägen des staatsklugen, energischenund strenggläubigen Kardinals Limenez ('s 1517) unterstützt.

Portugal. Z. 282 b. Zur Zeit des ersten Kreuzzugs entriß Graf Heinrich von Bur-gund den Mauren durch glückliche Kämpfe das Land um Oporto (Porto Cale)und wurde der Begründer des Königreichs Portugal, das er anfangs alscastilische Statthalterschaft beherrschte. Sem Sohn und Nachfolgern»g. Alfons I. legte sich nach dem glänzenden Siege bei Ourique über die Araberund nach der Eroberung Algarbiens den Königstitel bei, machte das Landunabhängig von Castilien und verlieh ihm eine gute Gesetzgebung und Ver-fassung. Bald eroberte er mitHilfe niederdeutscher und flämischer Kreuzfahrer»» 7 . Lissabon und wählte es zur Hauptstadt und zum Herrschersitz. Gegen Ent-richtung eines Tributs an den päpstlichen Stuhl erlangte er von Alexander III.1179- die Anerkennung seiner Königswürde. Sein tapferer Sohn S anch o l., derdie arabische Sekte der Almohaden bei Santarem besiegte, erwarb sichist», h^rch die Sorgfalt, die er dem Ackerbau und der Gründung von Dörfern undOrtschaften zuwandte, den Beinamen des Bauernfreundes. Bis ins15. Jahrhundert, wo das Reich sich durch die Eroberung von Ceuta undTanger in Nordafrika ausdehnte und die kühnen Entdeckungsfahrten zurSee ihm eine größere Bedeutung verliehen, bilden die innern Kämpfe zwischenPedro der König und Adel, die Kriege mit den Mauren und Castilianern, die Strei-IrA"- tigkeiten mit dem Papste und dem übermächtigen Klerus den Hauptinhalt der> >«7. portugiesischen Geschichte. Unter den Königen rst Pedro der Strenge, derder"" furchtbare Rächer seiner schönen, auf Befehl seines Vaters von einigen Hof-un°^ teuten ermordeten Gemahlin Jnez de Castro, und sein SohnJohann deri, n. Unechte wegen seiner Eroberungen in Afrika am merkwürdigsten. Mit Jo-ii«","" haun II. und Emanuel dem Großen beginnt für Portugal eine neue,ruhmvolle Periode (H. 309).

8- 283. Zu den traurigsten Erscheinungen in der spanischen Geschichte"Ä7 gehört die Vertreibung der Mauren. Als das maurische Königreich Gra-