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Das Mittelalter.
Z. 289. 290 .
langten. Unter diesen Kämpfen entwickelten sich indessen Freiheitsgefühl, Vater-landsliebe und Bildung, so daß Florenz mit dem alten Athen verglichen wer-den konnte. Endlich glückte es der reichen Familie derMcdiceer(Medici), dieGeringen durch Milde und Wohlwollen, die Vornehmen durch freundliches Ent-T°sm° gegenkommen so für sich zu gewinnen, daß Cosmo von Medici, ein Mann von"'iN- Hohem Geist und vaterländischer Gesinnung, ohne Rang und Titel, wie einst Pe-,4<i4. Gilles in Athen, den florentinischeu Staat fast unbeschränkt beherrschte und nachaußen durch glückliche Kriege, nach innen durch Beförderung der Künste undWissenschaften, durch Errichtung herrlicher Bauwerke mächtig und blühendmachte. Ihm gebührt mit Recht der Beiname „Vater des Vaterlandes".8- 289. Kosmos Enkel, Lorenzo der Prächtige, schritt auf der Bahn desPrächtig- Ahnherrn fort und erhob Florenz zum Sitz jeglicher Kunst und Wissenschafti4»s. und zur Pflanzschule für ganz Europa. Künstler, Dichter und Schriftstellerzierten seinen Hof; byzantinische Gelehrte, vor dem Schwert der Türken flie-hend, lehrten in Florenz griechische Sprache und Litteratur. Die Bildhauer-kunst,Malerei und Musik fingen an unter ihm ihre schönste Blüte zu ent-falten. Nach Lorenzos Tode bewirkten die begeisterten Reden des Dominika-ners Savonaröla, daß die Florentiner die Mediceer vertrieben, die Re-publik auf gemäßigt demokratischer Grundlage wieder herstellten und den„Eitelkeiten" der Welt in ihrer Lebensweise entsagten. Als aber der Papstden kühnen „Propheten von Florenz" mit dem Bannflüche belegte, und dreGeistlichkeit, gegen deren Reichtum und üppiges Leben er besonders eiferte, sichwiderihn erhob, gelang es seinen Feinden, ihn zu stürzen, worauf er als Kirchen-fltzrer und Volksverführer zum Tode verurteilt und mit zweien seiner getreuenAnhänger auf dem großen Platze erwürgt und verbrannt wurde. Bald kehrtendie Mediceer zurück, und als der demokratische Geist nach einiger Zeit noch-mals erwachte und eine abermalige Verbannung erfolgte, rückte Kaiser Karl V.,im Einverständnis mit dem mediceischen Papste Clemens VII., vor Flo-rsr«. r enz, zwang es nach harter Belagerung zur Ergebung und setzte den grau-samen Alexander von Medici als Herzog über die gedemütigte Republik.Zwar wurde Alexander nach siebenjähriger Tyrannei von dem Volke ermordet,aber das Haus Mcdici blieb doch im Besitze der Herrschaft. Unter den vielenKünstlern und Schriftstellern, die um diese Zeit in Florenz lebten, sind Michel-angelo Buonarotti, als Baumeister, Bildhauerund Maler gleich aus-gezeichnet, und der geistreiche Staatsmann Machiavelll, der Verfasser desBuches: „der Fürst", der „Geschichte von Florenz" und der „Gesprächeüber Titus Livius". die berühmtesten Namen (Z. 370. 2. 6).
tz. 290. Während des Aufenthaltes der Päpste in Avignon (Z. 255)herrschte im Kirchenstaat Rom Gewaltthat und Gesetzlosigkeit, herbeigeführtdurch die blutigen Familienfehden der Colonna und Orsini. Dies brachteden für das alte Rom begeisterten Cola Rienzi (Nikolaus Laurentius) auf denGedanken, durch Wiederherstellung der republikanischen Verfassung dem Staatdie Ruhe und die alte Größe zurückzugeben. Seine feurige Beredsamkeit rißdie Römer hin. Sie errichteten eine neue Republik Rom, erhoben den Volks-redner zum Trib un und trieben die Edelleute aus ihren Mauern. AberRienzisglänzende Rolle war bald ausgespielt. Hoffart und Eitelkeit bethörten ihn;Steuerdruck raubte ihm die Völksgunst; dadurch gelang es seinen Gegnern, ihnzu stürzen und zur Flucht zu zwingen. Zwar'kehrt'e er nach einigen Jahreni»z4. zurück, aber nur, um bald nachher bei einem Volkstumult seinen Untergang zufinden. — Nach Beilegung der kirchlichen Spaltung (Z. 263) waren einigeausgezeichnete Päpste bemüht, die Wunden des Staats und der Kirche zu heilen.Unter diesen sind besonders zu erwähnen Nikolaus V., der Begründer der