Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
203
JPEG-Download
 

8 . 286 . 287 . 288 .

Italien.

203

Z. 286. Mailand kam allmählich unter die Herrschaft der reichen FamilieVisconti, die sich vom Kaiser die Herzogswürde verschaffte, durch Grau-samkeiten und Frevelthaten eine furchtbare Zwingherrschaft gründete, durchRottenführer und Söldnerheere (ß. 260) den größten Teil der Lombardeieroberte. Als um die Mitte des 15. Jahrhunderts mit Filippo Maria, derdurch den tapfern Feldherrn Carmagnöla seine Macht sehr erweiterte, aberim innern grausam und treulos regierte und seine eigene Gemahlin aus Eifer-sucht unter Martern sterben ließ, der Mannsstamm der Visconti erlosch, über-trugen die Mailänder dem fähigsten dieser Rottenführer, Franz Sforza, dieHerrschaft über das schöne Land, nach welchem indessen bald die Franzosenund Spanier Gelüste trugen. Streitigkeiten in Sforzas Familie erleichter-ten dem französischen König Ludwig XII., der als Abkömmling einer Tochteraus dem Hause Visconti Erbansprüche erhob, die Eroberung des Landes. Erführte den Herzog Ludwig Moro, den die helvetischen Reisläufer verlassen „so.und verraten hatten, gefangen weg und ließ ihn zehn Jahre lang in einem un-terirdischen Kerker schmachten. Auch der große Künstler Leonardo da Vinciverließ damals Mailand, wo er das „Abendmahl" und andere bedeutendeWerke geschaffen hatte. Zwar wurden die Franzosen nach einigen Jahren wie-der aus Italien vertrieben und der Sohn des gefangenen Moro zum Herzogvon Mailand eingesetzt; aber die erste Waffenthat des ritterlichen KönigsFranz I. war die „Riesenschlacht" von Marignanv, worin der Herzog undseine Schweizer besiegt und Mailand abermals mit Frankreich verbundenwurde. Zehn Jahre später geriet das Herzogtum in die Gewalt der Spanier,die dann beinahe zwei Jahrhunderte im Besitz desselben blieben.

H. 287. Die westlichen Staaten des oberen Italiens kamen größtenteilsan die Grafen von Savoyen, die ihr ursprünglich kleines Gebiet durch Klug-heit, Glück und Waffengewalt allmählich zu einem Herzogtum erweiterten,das sich nordwärts über die südliche Schweiz bis zum Jura (Genf, Waadt,Wallis) erstreckte und südwärts Piemont mit Turin, die Grafschaft Nizzaund andere Gebiete umfaßte. Als aber im Norden die kriegsgeübten Eidge-nossen, im Westen das zu einem starken Königreich vereinigte FrankreichSavoyens Grenznachbarn wurden, da schmälerte sich allmählich dessen Umfang.

Im burgundischen Krieg (Z. 293) ging das Waadtland verloren; in denReformationskämpfen machte sich Genf frei, und in den Kriegen, die Franz I.

Mit Karl V. um den Besitz von Mailand führte, büßte Herzog Karl III. vonSavoyen, des letztem Bundesgenosse, den besten Teil seiner Erbstaaten ein,die erst sein Sohn (Emanuel Philibert) mit einigen Verlusten im Friedenvon Ckateau-Cambresis zurückerhielt. Aber durch Benutzung günstigerUmstände ersetzten seine Nachkommen das Verlorene reichlich durch anderweitigeErwerbungen (Sardinien, Genua) und erlangten endlich die Königskrone.

>>) Mittel- und Unter-Jtalie«.

H. 288. In Toscana blühte zuerst die Handelsstadt Pisa. Als diese demNeide der Genuesen erlag, erhob sich Florenz über die andern Städte empor,und brachte zuletzt Pisa selbst unter seine Gewalt. In Florenz herrschteanfangs der Adel; als dieser aber durch die Parteikämpfe der Guelferr(„Schwarzen") und Ghibellinen („Weißen") sich schwächte, er-langte das in Zünfte geteilte Volk, das sowohl Fabrik-und Kaufherren,als Handwerker und Arbeiter, namentlich Wollarbeiter, umfaßte, das Regi-ment. Allein kaum war eine vollständige Demokratie in Florenz,begründet, so entstand zwischen den reichen Kaufherren und den niederenVolksklassen ein neuer Kampf um die Herrschaft, wodurch bald eine Geld-aristokratie, bald die demokratischen Zünfte die Leitung des Staats er-