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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Das Mittclalter.

> 292 . 293 .

PhilippÄer Kühne1363 —1404 .

Johannder Uner-schrockene1404 —1419 .Philippder Gute1419 -1467 .

Karl derKühne1467 -1477 .

14 76 .

1476 .

1477.

5. Das neuburguudische Neich.

Z. 292. Philipp der Kühne hatte von seinem Vater, König Johannvon Frankreich, das Herzogtum Burgund zu Lehn bekommen. Er verbanddamit durch Heirat und Erbschaft die früher dem deutschen Reiche zugehörigeburgundische Freigrafschaft (Franche-Comtä) und die reichen flandri-schen Lande nebst Artois, Mecheln, Antwerpen u.a.O. Sein Sohn Johannder Unerschrockene, der in die bürgerlichen Parteikriege Frankreichs tief ver-flochten war und darin seinen Untergang fand, und dessen Sohn Philipp derGute dehnten ihre Besitzungen noch über die übrigen niederländischenStaaten aus und gründeten, indem sie durch Erbschaft, Kauf oder Verträgedie Grafschaften Brabant, Holland, Limburg, Namur u. a. mit denälteren Stammlanden verbanden, ein Reich, das an Bildung, Kunstsinn, Ge-werbfleiß und Wohlstand mit Italien wetteifern konnte. Philipp der Gutewar einer der mächtigsten und reichsten Fürsten seiner Zeit und seine nieder-ländische Ritterschaft durch Glanz, Gewandtheit und feines Benehmen aus-gezeichnet. Die reichen Handels- und Fabrikstädte Gent, Brüssel, Ant-werpen, Brügge u. a. besaßen große Rechte und Freiheiten und eine streit-bare Bürgermacht. In Löwen wurde 1426 eine Universität errichtet und vierJahre später der Orden des goldenen Vließes gegründet.

ß. 293. Philipps Sohn Karl der Kühne erweiterte das Herzogtum undtrieb den Glanz des ritterlichen Hofes auf die Spitze. Er war ein Mann vonKraft, Tapferkeit und Kriegsmut, aber Herrschbegierde und Leidenschaftlichkeitmachten ihn unbesonnen, übermütig und hartnäckig. Sein Bestreben ging aufErweiterung seines Herzogtums zu einem gallisch-belgischen Königreich mitdem Rhein als Ostgreuze. Seine Unternehmungen wurden jedoch vereiteltdurch den arglistigen, treulosen König LudwigXI.vonFrankreich. Als näm-lich Karl der Kühne den Herzog von Lothringen, nach dessen Land und Haupt-stadt Nanch er Gelüsten trug, mitKrieg bedrängte, brachteLudwig ein Bünd-nis zwischen Lothringen und den Schweizern zustande. Auch die Habsbur-gische Landgrafschaft Elsaß, welche der Herzog Sigmund von Tirol in seinerGeldbedrängnis an den Burgunder verpfändet hatte, sowie die oberrheinischenStädte traten dem Kriegsblinde bei und ließen den übermütigen LandvogtPeter vonHagenbach mBreisach enthaupten. Da zog Karl unt einem statt-lichen, trefflich gerüsteten Heer von Reisigen über den Jura Wider die Schweizer,erlitt aber in der Schlacht von Granson eine solche Niederlage, daß die Über-lebenden sich in wilder Flucht zerstreuten und die treffliche Artillerie, sowie dasprächtige, mit kostbaren Stoffen, Gold, Silber und Edelsteinen gefüllte Lagerin die Hände der Feinde geriet, die den Wert nicht zu schätzen wußten. Wütendüber diese Schmach zog Karl nach einigen Monaten mit einem neuen Heergegen die Eidgenossen. Allein die Schlacht von Murten endete auf gleicheWeise; abermals bereicherten sich die Sieger mit unermeßlicher Beute; Bernentriß demmit Burgund verbündeten s avoyischen Regentenhause dasWaadt-laud und der Herzog Karl von Lothringen bemächtigte sich wieder seinesLandes, das der Burgunder in Besitz genommen hatte. Das Unglück verwirrteden Geist des kühnen Herzogs; in blinder Wut und nur auf Rache sinnendverwarf er jede Vermittelung und zog zum drittenmal gegen den kämpftgerüsteten Feind. Aber im Januar 1477 erlitt sein Heer auf'den eisigen Fel-dern vor Nanch die dritte schreckliche Niederlage, teils durch das tapfereSchwert der Schweizer, Elsässer und Lothringer, teils durch den Verrat seinesitalienischen Rottenführers. Er selbst wurde auf der Flucht in einem gefror-nen Sumpfe erschlagen.