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Das neuburgundische Reich. Skandinavien.
Z. 294. Nach Karls Tode riß Ludwig XI. das eigentliche HerzogtumBurgund (Bourgogne) als erledigtes Lehn der französischen Krone an sichund trachtete auch nach dem Besitz der übrigen Länder. Da vermählte sichKarls Tochter Maria mit dem ritterlichen Maximilian von Österreich, derdie Franzosen besiegte und von ihrem Vorhaben abzustehen zwang. Bald dar-auf starb Maria durch einen Sturz ihres Pferdes auf der Falkenjagd. (KühneJagd war auch Maximilians Leidenschaft.) Nun erneuerte der französischeKönig sein falsches Ränkespiel, um die niederländischen Städte gegen Maximi-lian, der zum Vormund seines unmündigen Sohnes Philipp von Burgun-dien bestellt war, aufzustiften. Gent fiel von ihm ab; die Zünfte von Brügge "sc-hielten ihn eine Zeitlang gefangen, Brabant schwankte; aber dennoch brachteMaxi-milian durch seine Entschlossenheit und Tapferkeit die sämtlichen Niederlandezur Anerkennung seiner vormundschastlichen Rechte. Philipp, der Schöne ge-nannt, starb frühe in Spanien am Hofe seines Schwiegervaters. Sein SohnKarl (V.), den ihm die spanische Jnfantin Johanna gab, und der im Anfangdes Jahrhunderts zu Gent geboren ward, erbte alle Länder seiner Eltern undGroßeltern. Doch hing fern Herz an den reichen, gebildeten und regsamenNiederlanden, die er durch Erwerbung von Utrecht, Geldern u. a. O. zueinem Ganzen vereinigte und als burgundischen Kreis dem deutschenReiche beifügte.
6. Skandinavien.
tz. 295. Nachdem die verwegenen Seefahrten und Wanderungen der Nor-mannen und Dänen, die Wikinger- und Wäringerzüge (M. 204, 206)aufgehört hatten, gelang es einzelnen unternehmenden Fürsten, sich über dieandern Stammhäupter (Fylkenkönige) zu erheben und durch Vereinigungder verschiedenen Völkerschaften (Fhkken) ein Königtum zu gründen. InNorwegen geschah dies durch Harald Schönhaar; in Dänemark durch Gorm -Lv-u.den Alten und in Schweden durch die Anglinger. Aber nur mit Wider-streben beugten sich die streitbaren Normannenhäupter unter die Herrschafteines Oberkönigs, und viele Unzufriedene erneuerten die Wanderzüge zur ^ vrs.See und suchten in der Fremde eine neue Heimat. So Rollo (Robert) in derNormandie (Z. 205). Die Kämpfe der Könige Wider die Stammhäupterdauerten noch mehrere Jahrhunderte fort und hinderten die rasche und durch-greifende Einführung des Christentums in den skandinavischen Reichen.
Denn obschon bereits im 9. Jahrhundert durch den edeln und glaubensstarkenBischof Ansgar (Anscharius), „den Apostel des Nordens", das Evangeliumw den drei Staaten verkündet worden und auch einzelne Könige, wie HaraldBlauzahn in Dänemark und Olaf Schooßkönig in Schweden, sich schonnn 10. Jahrhundert demselben zuwandten, so rang doch der heidnische Odins-drenst noch über ein Jahrhundert mit dem Christentum um die Herrschaft.
In Dänemark verlieh Haralds Enkel Kanut (Knud) der Große (Z. 207), inNorwegen Olaf der Heilige der Lehre vom gekreuzigten Heiland den Sieg; 1 - ioss.nber in Schweden geschah dies erst in der Mitte des 12. Jahrhunderts untert-rich dem Heiligen und noch später bei den halbwilden Finnen. In denskandinavischen Reichen war das Christentum von den wohlthätigsten Wir-ruugen. Die Benediktinermönche legten nicht nur den Keim zur geistigenAusbildung, sondern sie veredelten auch die Lebensweise und machten das Volk«m den Vorteilen der Civilisation bekannt. Sie führten die SchreibkunstI? und verdrängten die rohe, mangelhafte Runenschrift durch das lateinischeAkchabet; sie beförderten den Ackerbau und pflanzten neue Getreidearten, sieauten Mühlen, legten Bergwerke an und gewöhnten das kriegerische Volk an