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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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229
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8- 326. Zwinglis Reformation. 229

bürg, ein klassisch gebildeter, freisinniger Geistlicher von republikanischen Grund-sätzen, eiferte als Leutpriester von Zürich gegen den Ablaßvcrkauf des Frau- ^.5 j ^zrskaners Sanrson, gegen die kirchlichen Mißbräuche aller Art und gegen dieSitte der Schweizer, m fremde Kriegsdienste zu treten. Ein praktischer, ver-ständiger Mann, ohne den religiösen Tiefsinn und das Gemütsleben Luthers,machte Zwingli weniger die Reinigung der Lehre und des Glaubens zum Zielseines Wirkens, als die Verbesserung der Sitte und des Wandels. Auch ginger viel durchgreifender zu Werke, indem er die einfachsten Zustände des Ur-christentums wieder herzustellen suchte. Im Einvernehmen mit dem großenRat von Zürich nahm er eine vollständige Umwandlung der kirchlichen Lehrenund Gebräuche vor, ließ alle Bilder, Kreuze, Kerzen, Altäre und Orgeln ausden Kirchen entfernen und richtete das Abendmahl, in dem er nur ein Zeichen derErinnerung und Gemeinschaft erkannte, nach Art der urchristlichen Liebesmahleein, so daß den an langen Tafeln sitzenden Gläubigen Brot und Wein gereichtwurde. Dieses letztere verwickelte Zwingli in einen verhängnisvollen Streit mitLuther. Der deutsche Reformator wollte die Erklärung der Einsetzungswortedasrst mein Leib" durchdas bedeutet meinen Leib", wie sie Zwingli auffaßte, nichtgelten lassen und nahm eine leibliche Gegenwart Christi beim heil. Abendmahl,ledoch ohne Substanzverwandlung, an. Umsonst suchte Philipp von Hellendurch dieDisputationzuMärburgdie gefährliche Spaltung auszuglei-chen. Luther sah in seines Gegners Behauptung eine Verleugnung Christi undstieß mit den Worten:Ihr habt einen andern Geist in Euch!" die Bruder-hand zurück, die Zwingli mit Thränen darreichte. Auch widerriet er jede Ver-bindung mit den oberdeutschen Städten, die Zwinglis Ansicht angenommenhatten, weswegen diese ein eignes Glaubensbekenntnis auf dem AugsburgerReichstag einreichten.

> Z. 326. In der Schweiz folgte dem Auftreten Zwinglis eine ähnliche

> Aufregung, wie in Deutschland dem Auftreten Luthers. In Zürich, Basel,Bern, in Schaffhausen, im RheinthalundinanderenLandschaftenwurde

, die Kirche nach Zwinglis Grundsätzen reformiert; in Appenzell, Grau-bündten, St. Gallen, Glarus u. a. O. stritten sich die Anhänger der altenKirchenform mit den Neuerern, aber in den drei Waldstätten (Schwyz, Uri,Unterw alden), sowie in Luzern und Zug blieb der katholische Glaubeherrschend. Dazu trug außer dem Einfluß der Mönche und Geistlichen aufdie Hirten und Bauern dieser Urkantone auch der Umstand bei, daß hier dasbon den Reformierten bekämpfteReislaufen" in fremde Kriegsdienste .einenHauptnahrungszweig bildete. Die Fünforte schlössen einen Bund mit Öster-reich und unterdrückten gewaltsam jede Neuerung, wogegen Bern und Zürichauch ihrerseits mit Ungestüm und lieblosem Eifer in den Grenzorten der Re-formation Vorschub leisteten. Bei der aufgeregten Stimmung war ein Kampfunvermeidlich, zumal da Zwingli mit dem Plane umging, die Schweiz auchsn staatlicher Hinsicht so umzugestalten, daß die zwei mächtigsten KantoneBern und Zürich das Übergewicht bekämen. Gegenseitige Schmähungen dergeistlichen, die ungestraft blieben, erhöhten die Spannung und führten feind-u.che Reibungen herbei. Da sperrten Zürich und Bern die Handelswege undPuderten die Zufuhr von Waren und Lebensmitteln. Dies setzte die Fünfortew Wut. Sie rüsteten heimlich und sielen in das Gebiet von Zürich ein. DieZüricher, überrascht und unschlüssig und von den Bernern verlassen, zogen miteinem Fähnlein von 2000 Mann dem viermal stärkeren Feinde entgegen, er-utten aber in der Schlacht bei Kappe! eine blutige Niederlage. Neben demBanner der Stadt fiel der mutige Zwingli, der als Feldprediger mitgezogenwar, und mit ihm der Kern reformatorisch gesinnter Männer. Sein Leich-nam, an dem der wütende Haufe seinen Zorn ausließ, wurde zuletzt verbrannt