240
z. 340. 341.
Deutsch-
kand.
Ungarn-
Böhmen.
Pfalz.
1SSS.
15SS.
1580.
1MI.
Die neue Zeit.
4. Zug der Reformation durch Europa,
a) Luthertum und Calvinismus.
8- 340. In Deutschland, wo die kirchliche Bewegung ihren Ursprung hatte,entstand infolge der Reformation die größte konfessionelle Spaltung. Lange rangdie lutherische Kirchensorm mit der katholischen um den Sieg. Nur der römisch-klerikalen Politik Kaiser Karls V. war es zuzuschreiben, daß sich der protestantischeGeist nicht der ganzen deutschen Nation und des gesamten Reichs bemächtigenkonnte. Der Passauer Vertrag und der Augsburger Religionssrieden schusen einkonfessionell gespaltenes Deutschland. Die lutherische Kirchensorm verbreitete sichvon Sachsen und Hessen aus allmählich über die benachbarten Länder, gelangteim nördlichen Deutschland zur Herrschaft, machte in Franken und Schwabensiegreiche Fortschritte, brach sich von Straßburg aus Bahn nach dem Elsaßund Lothringen. Frühe drangen Luthers Grundsätze an die Weichsel und dieKüsten der Ostsee, wo derHochmeisterdes Deuts chordens (Z. 227), Albrechtvon Brandenburg, gedrängt von den Polen und verlassen von Kaiser und Reich,der evangelischen Kirche beitrat, Preußen in ein Erbherzogtum verwandelte undPolens Oberlehnsherrlichkeit anerkannte. Dasselbe geschah in Kurland und ,Livland von dem Heermeister der Schwertritter. — Die katholische Kirchensormfand ihre eifrigsten Verfechter in den Herzogen von Bayern, in dem Herrscherhaus jÖsterreich und in den geistlichen Kurfürsten und Fürstbischöfen. Jngol-stadt war eine thätige Pflanzschule für den alten Glauben. Da jedoch die beidenKaiser Ferdinand I- und Maximilian H. in ihrer milden Gesinnung verschmäh-ten, dem Gewissen ihrer Unterthanen Gewalt anzuthun, so gewann auch in denösterreichischen Erbstaaten die evangelische Lehre bald zahlreiche Bekennen. ImErzherzogtum Österreich, in Kärnten und Steyermark erwarben sich die Pro-testanten Glaubensfreiheit und erbauten viele Kirchen. In Ungarn und Sie-benbürgen machte die Reformation solche Fortschritte, daß die Evangelischen derGegenpartei an Zahl überlegen waren und sich Religionsfreiheit und Rechts-gleichheit mit den Katholiken errangen. In Böhmen traten die alten Hussiten(Utraquisten) größtenteils der lutherischen Lehre bei. Aber wie viele Verträgeauch die Rechte der Protestanten in den österreichischen Landen sicherten, die späterenMachthaber setzten sich darüber weg und verliehen der katholischen Staatskirche dieHerrschaft. — Frühzeitig fand auch die reformierte Kirchensorm, die in derSchweiz ihre Entstehung nahm, in Deutschland Eingang. Zwar wurde dieZwinglische Lehre (8- 325 f.) nur von einigen süddeutschen Städten angenom-men und behauptet; als aber Calvin in Genf Zwinglis Grundsätze aufnahm undmit eigenen Ansichten verbunden zu einem abgeschlossenen Lehrgebäude zusammen-faßte, gewann die reformierte Kirche auch in Deutschland immer mehr Anhänger.Friedrich III. von der Pfalz führte dieselbe in seinem Lande ein und ließ durchUrsinus und Olevianus den Heidelberger Katechismus, eine weitverbreiteteBekenntnisschrift des Calvinismus, abfassen; auch in Hessen, Bremen undBrandenburg fand diese Lehre Eingang. Selbst Melanchthonund seine Schülerwaren im Herzen von der Wahrheit der calvinischen Auffassung überzeugt. Durch Kund-gebung dieser Ansicht verbitterte sich jener den Abend seines Lebens so sehr, daß erkummervoll und verleumdet ins Grab sank, und seine Anhänger, „Philippisten"und „Krhptocalvinisten" genannt, zogen sich in Sachsen Verfolgung und Kerkerzu. DieKonkordiensormel, eine im Jahr 1580 von 96 lutherischen Reichsständenunterzeichnete Bekenntnisschrift, sollte unter den deutschen Protestanten die Eintrachtherstellen, befestigte aber nur die Kluft zwischen Calvinisten und Lutheranernund nährte den unseligen Haß der einen Konfession gegen die andere. Der KanzlerCrell, der nochmals den Versuch machte, Sachsen dem Calvinismus zuzuführen,starb nach zehnjähriger Hast als Hochverräter unter dem Schwerte des Scharfrichters.