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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Zug der Reformation durch Europa.

Einige gerieten auf Grundsätze, die selbst von den Reformatoren als Irrlehrenverworfen wurden; so die beiden Italiener Socinus (Z.350) und derSpanierServet, der wegen unkirchlicher Ansichten über die Dreieinigkeit auf CalvinsAntrag in Genf verbrannt wurde. iöss.

Die Häupter und Führer der katholischen Kirche gaben den Gedanken an eineUnterdrückung der neuen Lehre nicht auf; wo es in ihrer Macht stand, suchten sie ihrZiel durch Verfolgung und Gewaltthat zu erreichen; und wo dies nicht anging, er-schwerten und hemmten sie die Verbreitung auf jede Weife. Fast alle Päpste, auchdiejenigen, welche wie Hadrian VI. und Paul III. von den herrschenden Miß- Hadria»bräuchen der Kirche überzeugt waren und mit Entwürfen zu deren Besserung um- 1522 -gingen, bewiesen große Härte gegen die Protestanten. So namentlich Paul IV.,ein achtzigjähriger finsterer Mönch, der durch seine Strenge das Volk dergestalt reizte,daß es an seinem Todestag feine Bildsäulen verstümmelte und das Haus der In- Paul 1 '?.quisition niederbrannte. Sein Nachfolger Pius IV. vollendete das zweimal unter-brochene Tridentiner Konzil, dessen dritte Periode mit dem Januar 1562 be-gonnen wurde. Die Beschlüsse dieses Konzils (in dem die Katholiken ihre Refor- isss.mation erblicken) bilden die Grundlage der katholischen Kirche. Die bishergültigen Glaubenssatzungcn wurden dann als unfehlbar anerkannt und inse^ffmmöglichst unbestimmte Ausdrücke gefaßt; eine gereinigte Sittenlehre wurde her-gestellt, die Kirchenzucht verbessert und die Beaufsichtigung des geistlichenStandes verschärft. Das Tridentiner Konzil, das allmählich in allen katholischenLändern angenommen wurde, brachte die römisch-katholische Kirche zum Abschluß,daher auch von derZeit an über drei Jahrhunderte keine allgemeinen Synoden mehrstattfanden. Auf diese Weise wurde jedem Streben nach Neuerung vorgebeugt undder Charakter der Stetigkeit (Stabilität) dem Katholicismus ausgedrückt, wo-gegen das Wesen des Protestantismus Fortbildung und freie Schriftsorschung ist.

- Gregor XIII., der dem in Verwirrung geratenen Kalender seine jetzige verbesserte GregorOrdnung verlieh, nachdem man vom 4. Okt. 1582 gleich zum 15. Okt. übergegangen, rs? 2 -ließ bei der Nachricht von der Bartholomäusnacht (Z. 363) ein Tedeum singenfür die Ausrottung der Feinde Christi. Der bedeutendste Kirchensürst des ganzenJahrhunderts war der von einem armen Hirtenjungen zum Franziskaner, Inquisitor,Kardinal und endlich zum Papst erhobene Sixtus V., ein Mann von einer gewal-Si^v.tigcn Herrschernatur, der mit unerbittlicher Strenge die Ordnung im Kirchenstaat iss».ausrecht erhielt, große Bauten aufführte, die Riesenwerke des Altertums aus ihrenTrümmern zog und dem päpstlichen Stuhl den alten Glanz zurückzugeben suchte.

tz. 352. Die Bestrebungen der Päpste, die Reformation zu unterdrückenoder doch in ihrer Verbreitung zu hemmen, fanden eine Hauptstütze an demJesuiten-Orden, den Jgnaz von Loyöla, ein spanischer Edelmann von erreg- roio.barer Phantasie und schwärmerischem Geiste stiftete. Durchdrungen von denHeiligengeschichten, die er während der Heilung einer Wunde las, entsagteJgnaz dem Soldatenstande, dem er bisher angehört hatte, und vollzog unterBeten und Kasteien eine mühevolle Pilgerfahrt nach dem heil. Grabe. Nachseiner Rückkehr erwarb er sich in Salamanca und Paris mit unglaublicherBeharrlichkeit die ihm mangelnde Bildung, und schwur dann mit sechs Genossenauf eine geweihte Hostie, nicht nur den drei Mönchsgelübden, Armut, Keusch-heit, Gehorsam, treu zu sein, sondern auch sich von dem Papste das Ziel ihrerWirksamkeit bestimmen zu lassen und demselben in unbedingter FolgsamkeitNachzukommen. Nach einiger Zeit warfen sie sich dem römischen KirchenfürstenSu Füßen und erlangten die Bestätigung des neuen Ordens, der den NamenGesellschaft Jesu annahm. Jgnatius wurde der erste Ordensgeneral,ober nicht ihm, sondern seinem klugen Nachfolger, dem Spanier L aynez, ver-dankt die Gesellschaft Jesu ihre sein berechnete Verfassung.

Die Verfassung war militärisch-monarchisch. Dem General in Rom waren