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Die neue Zeit.
ß. 353.
die Vorsteher der Provinzen, die Provinziale, unterworfen, und unter diesen stan-den wieder eine Menge Obere in verschiedenen Graden und Abstufungen. Gehor-sam und strenge Unterordnung war die Seele des Bundes. Die Glieder wur-den aufs sorgfältigste überwacht und mußten alle Bande, welche sie mit der Weltzusammenknüpften, zerreißen. Die Aufzunehmenden hatten eine lange Prüfungszeitzu bestehen, während welcher die Eigenschaften und Neigungen eines jeden genau er-forscht wurden, um ihm den geeignetsten Wirkungskreis anzuweisen. Den einen ge-stattete man ein frommes Klosterleben oder wissenschaftliche Muße, andere leitetenden Unterricht der Jugend, die Klügsten und Feinsten suchten eine einflußreicheWirksamkeit an Höfen und in Palästen, feurige Redner wirkten als Prediger der in-neren Mission und die Eiferer zogen als Heidenbekehrer in fremde Weltteile, nachChina und Japan, nach Afrika und Westindien, nach Brasilien und in diespanischen Kolonieen Südamerikas und Mexicos. Mit hohen Vorrechten aus-gerüstet, durch Schenkungen und Vermächtnisse bereichert, erlangten die Jesuitenbald eine großartige mannigfache Wirksamkeit. — Das Hauptziel des Ordenswar die Bekämpfung des Protestantismus und die Unterdrückung derdurch die Reformation geweckten Geistesfreiheit. Nach diesem Ziele strebten sieauf verschiedenen Wegen; durch Überredung und Verführung suchten sie die An-hänger des neuen Glaubens zur Rückkehr in die alte Kirche zu bringen; der Beicht-stuhl mußte ihnen dienen, um Fürsten und einflußreiche Personen zu Gegen-reformationen und zur Beschränkung der Glaubensfreiheit zu bewegen; durch denJugendunterricht, den sie in ihre Gewalt zu bringen wußten, suchten sie diejungen Geschlechter nach ihren Grundsätzen zu erziehen. Trotz seiner welthistorischenBedeutung ist der Jesuitenorden bald vom Fluch der Völker betroffen worden, weiler den religiösen Frieden in Haus und Gemeinde störte und durch feine SittenlchreTreue und Glauben untergrub. Der gewissenlose Grundsatz, daß der Zweck das Mittelheilige, welcher, wenn auch nicht dem vollen Wortlaute, so doch dem Sinne nachaufgestellt ward und die alle Treue und Ehrlichkeit untergrabende Lehre, daß ausge-sprochene Worte und Eide keine Gültigkeit hätten, wenn der Geist anders denke,wurde von den Jesuiten aus eine verderbliche Weise in Anwendung gebracht, „alleszur größeren Ehre Gottes".
5. Das Zeitalter Philipps II. (1556—1598) und Elisabeths (1558—1603).
tz. 353. Philipp II. Von Spanien war ein finsterer, menschenfeindlicherFürst, der sich drei Dinge als Ziel des Lebens setzte: Vergrößerung seinerMacht, Vertilgung des Protestantismus und Vernichtung allerFreiheiten und Volksrechte. Um dieses zu erreichen, opferte er das Glückder Nationen, den Wohlstand seines Reichs, die Liebe seines Volkes undseiner nächsten Verwandten. Sein ritterlicher Halbbruder Don Juan, der»n. die Türken in der Seeschlacht von Lepanto besiegte, wurde von dem miß-trauischen Könige mit einem Gewebe von Falschheit, Tücke und Späherei um-geben und in allen seinen Unternehmungen so sehr gelähmt, daß Verdruß undGram ihn frühe ins Grab stürzten (§. 358). Philipps Sohn, der ungestüme,leidenschaftliche Don Carlos, starb in den Kerkern der Inquisition, jenesmächtigen geistlichen Gerichtshofs, der unter diesem König der Schrecken unddas Entsetzen der Völker geworden ist. Durch die furchtbare Inquisition unddie Festgreuel der Autos da sä (ß. 282) gelang es ihm zwar, in Spanienund Neapel jede Spur von Ketzerei zu vertilgen und den Völkern alle Freiheitzu rauben, aber er vernichtete damit zugleich den Wohlstand, die Blüte unddie nationale Größe dieser Länder, und als er auch die Niederlande unter das-selbe Joch beugen wollte, entstand jener denkwürdige Kampf, aus dem dieFreiheit siegreich hervorging. Nach einer zweiundvierzigjährigen Regierung,die das Grab der spanischen Größe ward und das Land mit einer drückendenStaatsschuld belastete, erlag Philipp einer entsetzlichen Krankheit. In Herzog