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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Die neue Zeit.

Z. 363.

Dolchstichen durchbohrt, entseelt nieder. Diese entsetzliche That erfüllte dasHerz der Königin mit bitterm Groll gegen ihren Gemahl, von dessen Mitschuldfie trotz seines Leugnens überzeugt war. Sie entfernte sich immer mehr vonihm, ging mit dem Gedanken einer Scheidung um und wandte ihre Gunstdem Grafen Bothwell, einem schottischen Edelmann, zu. Erst als Darnleyvon einer Krankheit befallen wurde, schien sich ihr Groll zu legen. Sie pflegteseiner mit großer Sorgfalt in einem abgelegenen Gartenhaus. Aber in einerNacht, als Maria abwesend war, wurden die Bewohner Edinburgs durch ein !entsetzliches Getöse erweckt. Man fand das nahe Landhaus des Königs in dieLuft gesprengt und Darnletz als Leiche mit Spuren gewaltsamen Erstickens.

Die öffentliche Stimme bezeichnete Bothwell als den Thäter, und diesen sahman drei Monate nachher als Marias Gemahl. War es zu verwundern, daßman sie der Mitschuld an der Frevelthat anklagte? Empört über diese ver-brecherische Ehe, griff der schottische Adel zum Schwert. Bothwell floh vorder Schlacht, führte em Freibeuterleben auf den Hebriden, wurde aber von denDänen gefangen und endete im Kerker als Wahnsinniger. Maria wurde imTriumphe unter den Verwünschungen des Volks nach Edinburg geführt unddann in das einsame Jnselschloß Lochlevin eingeschlossen, wo sie der Kroneentsagen und ihrem Halbbruder Murray während der Minderjährigkeit ihresSohnes Jakob die Regentschaft übertragen mußte. Zwar entkam Maria,widerrief ihre Thronentsagung und fand Hilfe bei der mächtigen Familie»868. Hamilton, aber in einer Schlacht besiegt, wäre sie zum zweitenmal in dieHände ihrer Feinde geraten, hätte sie sich nicht in größter Eile nach Englandgeflüchtet, um Elisabeths Schutz anzuflehen.

H. 368. Die englische Kömgin lehnte jede Zusammenkunft mit Maria ab,so lange sich diese nicht von aller Mitschuld an dem Gattenmorde gereinigthätte; und da Maria als unabhängige Königin sich einem britischen Gerichts-höfe nicht unterwerfen wollte, so hielt man es für notwendig, sie in Englandzurückzuhalten. Aber ihre Gegenwart bedrohte bald Elisabeths Sicherheit. DerHerzog von Norfolk trachtete nach Mariens Hand, verlor jedoch darüber»sie. zuerst seine Freiheit und dann das Leben. In den nördlichen Landschaftenzählte die alte Kirche noch viele Anhänger; die Grafen von Northumberlandund Westmoreland erhoben die Fahne der Empörung, um Maria zu be-freien und die katholische Kirche wiederherzustellen. Ihr Unternehmen scheiterte.Northumberland, als Flüchtling von den Schotten ausgeliefert, starb auf dem »Blutgerüste. Maria stand im Äerdacht der Mitwissenschaft; man entfernte sieaus jener Gegend und überwachte sie schärfer. Alle Bemühungen auswärtigerHöfe, ihre Befreiung zu bewirken, waren erfolglos. Der aufgeregte ZustandSchottlands, wo die Parteiwut zu Meuchelmord und Bürgerkrieg führte, unddie Religionskämpfe des Festlandes schienen ihre fernere Haft notwendig zumachen. Da faßte Babington mit einigen Genossen den Plan, Elisabethzu ermorden und, von Spamen unterstützt, Maria auf Englands Thron zusetzen. Ihr Vorhaben wurde entdeckt; die Schuldigen starben auf dem Schaffst,und da aus der Untersuchung hervorging, daß Maria von der VerschwörungKunde gehabt, so sprachen die Gerichte auch das Schuldig über sie aus, worausElisabeth von dem Parlamente ersucht ward, zur Erhaltung der Religion undder Ruhe des Reichs und zur Sicherheit ihrer Person der Gerechtigkeit ihrenLauf zu lassen. Sie wünschte den Tod der Feindin, scheute aber die Folgen-Endlich war der Kampf überwunden. Elisabeth unterzeichnete das Todes-«sr. urteil; Burleigh ließ es eilig vollstrecken; am 8. Februar fiel Marias Hauptim 19. Jahre ihrer Gefangenschaft und im 45. ihres Lebens. Sie starb stand-haft und treu ihrem Glauben. Elisabeth aber klagte, daß ihre Minister gegen