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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Die neue Zeit.

Z. 370.

land zeigte der große Astronom Nik. Copernicus aus Thorn, daß das ptole-i4?8- mäische Weltsystem, das anderthalb Jahrtausende unangefochten bestanden, un-richtig sei, daß die Sonne im Mittelpunkt des Planetensystems fest stehe, die Erdeaber, gleich den übrigen Planeten, außer der Achsendrehung auch noch eine regel-K-Pler mäßige Kreisbewegung um die Sonne habe; und Johannes Kepler, einer der größ-g. isso. ten Denker aller Zeiten, erforschte mit der Begeisterung eines Propheten und derSchöpfungskrast eines Dichters die Gesetze der ewigen Weltordnung in Platos Geiste.Aber verkannt und von religiösen Eiferern verfolgt, führte er ein trauriges Lebenunter drückenden Nahrungssorgen. Nicht besser erging es feinem großen ZeitgenossenEE Galilei aus Pisa, der, weil er die astronomischen Ansichten des Copernicus teilte,1842. von der Inquisition zur Verantwortung gezogen und gezwungen wurde, dieselbenknieend abzuschwören. Was Kepler und Galilei unbeendigt ließen, führte der Eng-A«-" länder Jsaak Newton, der Entdecker des Gesetzes von der allgemeinen Schwere1127 . (Gravitation), zur Vollendung. Im Reformationszeitalter blühte in den deutschenSachs Städten der Meistergesang, eine bürgerliche Dichtungsart, in der sich besonders"s?ss Haus Sachs, ein Schuster aus Nürnberg auszeichnete; in dem schwungreichen gefühl-vollen Volkslied und in scherzhaften Volksbüchern und Schwänken, wie TillBrandt Eulenspiegel, sprach sich die innere Gemütlichkeit und die heitere, mitunter derbe1458- Lebenslust des deutschen Volkes aus, während Sebastian Brandt von StraßburgJoh,' (das Narrenschiff"), Joh. Fischart aus Mainz (das glückhafte Schiff",das?isss! Jesuiterhütlein") und Thom. Murner (Narrenbeschwörung",Schelmenzunft")'die satirische Lehrpoesie im volkstümlichen Tone zu hoher Vollendung führten,/IdN hie Fehler und Gebrechen des Zeitalters bald mit Ernst strafend, bald mit WitzNua verspottend, und das alte Tierepos vom Reineke Fuchs in niederdeutscher Mund-urt ein anschauliches Gemälde von einem Hose giebt, wo Schmeichler und selbstsüch-^ tige Ränkeschmiede den Fürsten und das öffentliche Leben leiten, wo Klugheit undGewandtheit über Tugend, Recht und Verdienst den Sieg davon trägt. Lutherwurde durch seine Bibelübersetzung der Schöpfer der deutschen Prosasprache undGerhard durch seine geistlichen Dichtungen der Begründer des deutschen Kirchenlieds, wel-E«? ches in Paul Gerhard aus Sachsen zum volkstümlichen Ausdruck frommer Ge-M-irtin finnung und heitern Gottvertrauens wurde. Nachdem die neue Lehre durch denAs- Augsburger Religionsfrieden in Deutschland sicher gestellt war, nahm die DichtkunstPaus eine kirchlich-religiöse Richtung, die besonders im nördlichen Protestantischen Deutsch-Fleming land, Vor allem in Schlesien ihren Sitz hatte. Zu den bekanntesten Dichtern deri64o. schlesischen Schule gehörten Martin Opitz, der Bedründer der Knnstdichtungnach den Regeln der Alten, Paul Fleming und Andreas Gryphius, welcher1664. letzte neben der Lyrik und der Lehrdichtung sich auch im Drama versuchte.

2. In Italien dauerte die Blüte der Kunst und Litteratur, die im 15. Jahr-Machia- hundert begonnen, durch das ganze 16. Jahrhundert fort. In Florenz verfaßteoem? Machiavelli (Z. 289), einer der scharfsinnigsten Denker und klügsten Staats-männer, jene merkwürdigen Schriften (Reden über Titus Livius";Floren-tinische Geschichte";Der Fürst"), welche noch jetzt allgemeine Bewunderungerregen. In dem letzteren vielbesprochenen Buche stellte Machiavelli das Bild einesFürsten (Tyrannen) auf, der ohne Rücksicht aus Tugend, Sittlichkeit oder Religiondurch Klugheit und konsequentes Handeln seine Alleinherrschaft zu begründen undseinen Willen zum Gesetz zu machen weiß. Freiheit und Bürgerglück werden dabeiebensowenig berücksichtigt wie Treue und Recht, nur Klugheit findet Geltung undder Erfolg allein ist entscheidend. Daher wird die treulose Staatskunst, die, alleMenschlichkeit und bürgerliche Moral beiseite lassend, nur nach Herrschaft, Ge-winn und Vorteil strebt, Machiavellismus genannt. Das Ziel des floren-tinischen Patrioten scheint gewesen zu sein, die Mittel und Wege zu bezeichnen, wieman die Vielstaaterei und die Fremdherrschaft in Italien zu Falle bringen und dienationale Einheit begründen müsse, sei es auch vermittelst der Tyrannis. In Fer-