Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
265
JPEG-Download
 

8 - 374 . 375 .

Der dreißigjährige Krieg.

265

ß. 374. Nach der Unterwerfung von Böhmen rückte Tilly gegen dieRheinpfalz. Da wagten drei tapfere Männer für die Sache des geächteten Kur-fürsten und für den bedrohten Protestantismus ins Feld zu rücken, Christianvon Braunschweig, Verwalter des Bistums Halberstadt, ein rauher Kriegs-Aann, der sich zum Beschützer der Kurfürstin Elisabeth auswarf und mit einemgeworbenen Heerhaufen raubend durch Westfalen an den Main zog; Ernstvon Mansfeld, ein ritterlicher Abenteurer, der durch Plünderungen undBrandschatzungen seine Kriegsscharen erhielt, dabei die Bistümer und Stifteram Main und Rhein hart mitnahm, und der Markgraf Georg Friedrichvon Baden-Durlach. Die beiden letzten siegten vereint über Tilly bei sr. «puiWiesloch (Mingolsheim). Als sich aber die Sieger bald nachher trennten, " 22 .verlor Georg Friedrich schon im nächsten Monat die Schlacht bei Wimpscn ^ M-i.Und wäre selbst in die Hände der Feinde geraten, hätte nicht seine getreueGarde seinen Rückzug gedeckt. Daß einige hundert Pforzheimer Bürgerdiese Rettung mit Aufopferung ihres eigenen Lebens bewirkt, hat sich als un-begründete Sage erwiesen. Einige Wochen später erlag auch Christian vonBraunschweig bei Höchst Tillys kriegsgeübten Truppen und zog sich mit 20 . Juni.Mansfeld verbunden nach den Niederlanden, um von England Hilfe zu er-langen, während der ligistische Feldherr Heidelberg, Mannheim undFrankenthal erstürmte, die Heidelberger Bibliothek nach Rom schickte undalles mit Raub und Mord füllte. Im nächsten Jahr erlangte Maximilianvon Bayern auf dem Fürstentage zu Regensburg die pfälzische Kur-lvürde zum Lohne.

ß. 375. Nicht zufrieden mit der Besiegung seiner Feinde, wollte Ferdinandfeine Übermacht zur Wiederherstellung der katholischen Kirche und zur Unter-drückung des Protestantismus benutzen. Dies erregte Besorgnis und verschaffteden Feinden des Kaisers die Hilfe von England, Holland und Dänemark.

Mit Geld und Truppen ausgerüstet erschienen Mansfeld, Christian vonBraunschweig und der Markgraf von Baden aufs neue im Feld undfvurden noch unterstützt von König Christian IV. von Dänemark, denteils Religionseifer, teils die Hoffnung auf Ländererwerb unter die Waffenführte. Ein neuer Kriegssturm erhob sich. Da beschloß der Kaiser, dem dieAbhängigkeit von der Liga und das hohe Ansehen Maximilians bedenklichfvurde, ein eigenes Heer aufzustellen. Hierzu bot ihm Albrecht von Wallen-ftein (Waldstein), em böhmischer Edelmann, seine Dienste an. Im Besitz eines ''großen Vermögens, das er teils ererbt, teils erheiratet, und durch den AnkaufAngezogener Güter sehr vermehrt hatte, trat Wollenstem mit der Erklärungvor Ferdinand, er wolle ein Heer von 50000 Mann auf eigene Kosten unter-halten, wenn man ihm den unbeschränkten Oberbefehl geben und ihn einst durchEroberte Länder entschädigen wolle. Nach einigem Bedenken ging Ferdinandauf den Vorschlag des kühnen Abenteurers ein. Der Kaiser hatte ihm schonfrüher wegen seiner Verdienste im böhmischen Krieg die Herrschaft Frredlandan der Nordgrenze von Böhmen mit der Würde eines Herzogs verliehen, jetztUob er denselben in den deutschen Reichsfürstenstand. Nun zog sich derKrieg in das nördliche Deutschland. Als Wallenstein mit seinen wildenAcharen die Ufer der Elbe besetzte und mit Tilly in Verbindung trat, erlangtevle kaiserlich - ligistische Kriegsmacht bald die Oberhand. Mansfeld wurdebei der Dessauer Brücke durch die Friedländischen geschlagen, und als er AmAit dem Reste seines Heeres einen beschwerlichen Marsch durch Ungarn an dieNiederdonau machte, ereilte ihn der Tod in Bosnien. Im Kriegsgewande undvrit dem Schwerte umgürtet, erwartete er, auf zwei Offiziere gestützt, stehendfEin Ende. In demselben Jahr sank auch Christian von Braunschweig