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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Die neue Zeit.

Z. 379. 380.

Nov.

16 S 2 .

München. Eine Geldbuße und die Entführung von 140 verborgenen Kanonenwar die einzige Strafe, die der König den zitternden Bayern auferlegte.

8- 379. Mittlerweile hatte der Kaiser in seiner Bedrängnis wieder seineZuflucht zu Wallenstein genommen und ihn durch Bitten und große Zu-geständnisse vermocht, ein neues Heer zu werben und den Oberbefehl zu über-nehmen. Nach einem glücklichen Streifzug gegen die Sachsen in Böhmen rückteWallenstein, mit den Bayern verbunden, in Franken ein, wo die Schwedenunweit Nürnberg eine feste Stellung bezogen hatten. Hier lagen die feind-lichen Heere Monate lang einander gegenüber, ohne ein Treffen zu liefern, biszuletzt alles Land aus sieben Meilen in der Runde ausgezehrt und verwüstetwar und auch Nürnbergs reiche Vorräte zu schwinden anfingen. Da beschloßGustav Adolf einen Angriff auf Wallensteins festes Lager; aber vor den furcht-baren Feuerschlünden der weit um denBurgstall" ausgedehnten Festungs-linien erlagen die kühnen Stürmer. Nach schweren Verlusten mußte der Planaufgegeben werden, worauf sich die friedländischen Truppen nach Sachsen zogen-Bald folgten die Schweden nach und es ereignete sich nun an einem nebligenNovembertage die folgenreiche Schlacht bei Lützen, wo die Schweden sieg-ten, ihr König aber im Schlachtgetümmel den Heldentod fand. Auch der kühneReiterführer Pappenheim wurde tödlich verwundet von der Wahlstatt ge-tragen; Wallenstein sah sich genötigt, das Schlachtfeld dem Feinde zu über-lassen und sich mit seiner geschlagenen Armee nach Böhmen zu wenden.Die Schweden zogen den ausgeplünderten, durch viele Wunden und Pferde-tritte entstellten Leichnam ihres Heldenkönigs unter den Toten hervor undließen ihn in vaterländischer Erde bestatten. .

Z. 380. Nach Gustav Adolfs Tod übernahm der schwedischeKanzler Aptl

»ss».

den Heilbronner Bund zum treuen Ausharren an dem mit dem Schwedenköniggeschlossenen Vertrage bewogen. Ihm zur Seite standen als oberste HeerführerBernhard von Weimar und der schwedische General Horn. Frankreich gabHilssgelder. So wütete der heillose Krieg fort. Bayern wurde von denSchweden, die seit ihres Königs Tod in verheerender Kriegsweise den Gegnernnicht nachstanden, schwer heimgesucht, und in Schlesien hausten die frieolän-dischen Truppen auf eine Weise, die den Wohlstand des Landes auf lange ver-nichtete. Aber Wallensteins Laufbahn nahte dem Ende. Seine zögerndeKriegführung und sein unbegreifliches Verweilen in Böhmen wurde von seinenzahlreichen Gegnern und Neidern zu seinem Verderben benutzt. Er War sthoch gestiegen, daß man in Wien fürchtete, er möchte eigenmächtig mit F«e-densentwürfen vorgehen und die kaiserliche Politik durchkreuzen. Daher be-schuldigte man ihn, er gehe mit dem Plane um, sich mit den Schweden zu ver-binden und sich die böhmische Königskrone aufs Haupt zu setzen; deshalb habeer den gefangenen Grafen Thurn, Österreichs Erbfeind, inFreiheit gesetzt undder Vertrag, der unter Jllos Vermittelung zwischen Wallenstein und den All-führern der verschiedenen Truppenabteilungen zu gegenseitigem Beisamnren-bleiben abgeschlossen worden, ziele auf Abfall und Verrat. Der Kaiser, geleit»von Maximilians Freunden, von Mönchen und Jesuiten, die den Herzog wegenseines religiösen Freisinns haßten, und mit Mißtrauen erfüllt durch die ferNv^lichen Einflüsterungen einer Hofpartei, an ihrer Spitze die Grafen Slawam(8- 372) und Schlick, willigte m den Untergang des übermächtigen Heerführers-Um den angeblichen Verrat Wallensteins zu vereiteln, wurde Verrat gesponnenin seinem eigenen Lager. Nachdem man sich der einflußreichsten Anfuhr»'Gallas, Piccolomini und Aldringer, versichert, sprach Ferdinand Wm