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Die englische Thronumwälzung.
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Meinwesen erreicht werden konnte. Das neue Parlament gab alsbald einefeindselige Haltung gegen Hof und Regiemng kund. Statt, wie die königlicheEröffnungsrede verlangte, sogleich Geld zu bewilligen gegen die schottischen»Rebellen", trat vielmehr das Parlament heimlich mit diesen in Verbindungund bewirkte, daß sie in ihrer Stellung auf der Grenze verharrten. Dannrichtete es seine Angriffe gegen die WiÜkürmaßregeln m Kirche und Staat.Strafford, „der große Abtrünnige", und Erzbischof Laud wurden in An-klagestand versetzt. Umsonst willigte der König, um beide zu retten, in alleForderungen des Hauses; umsonst verteidigte sich Strafford siebenzchn Tagelang mit Würde und Besonnenheit und wies auf das überzeugendste nach, daßdie gegen ihn vorgebrachten Klagepunkte nicht als Hochverrat gedeutet werdenkönnten — das Unterhaus erklärte, daß er des Versuchs, die Freiheiten desLandes zu vernichten, als überwiesen zu betrachten sei, das Oberhaus trat derAnsicht bei und der König hatte die Schwäche, das Urteil zu bestätigen undseinen treuesten Diener der Volkswut zu opfern. „Verlasset euch nicht auf Für-sten," rief er aus, „denn bei ihnen ist keine Hilfe!" Mit großer Fassung starbStrafford auf dem Schaffst. Sein Leidensgefährte Laud blieb noch drei Jahrem Hast, bis auch sein Leben durch das Richtbeil geendigt wurde. Die Ab-schaffung der geistlichen Gerichtshöfe und die Ausschließung derBischöfe aus dem Oberhaus waren das Vorspiel des Falls der bischöflichenHochkirche.
tz. 391. Bald nachher erscholl die Kunde, daß protestantische An-siedler in Irland von den katholischen Einwohnern überfallen und ermordetkvorden. Dieses Ereignis wurde dem Hos und besonders der Königin zur Lastgelegt und als Beweis benutzt, daß Papisten, Bischöfe und Höflinge zur Ver-nichtung des Glaubens und der Freiheit eine Verschwörung gebildet hätten.
Bon nun an nahm der Kampf immer mehr einen religiösen Charakter an undva jetzt das Parlament in seinen Forderungen die Grenzen einer monarchischenBerfaffung überschritt, indem es in die Regierungsgewalt eingriff und ver-langte, daß die Ernennung der höhern Staatsbeamten und Heerführer, sowieme Einrichtung der Land- und Seemacht von seiner Zustimmung abhängen sollte,so traten die Parteien immer schroffer einander gegenüber. Die Anhänger desKönigs, meistens Edelleute und Offiziere, nannte das Voll Kavaliere, dieseaber belegten ihre Gegner mit dem Spottnamen Rundköpfe, von dem Schnittchrer Haare. Der Versuch des Königs, fünf der heftigsten Führer der Wider-standspartei während der Sitzung zu verhaften, mißlang. Sie entflohen, wür-ben aber am nächsten Tag vom Volke im Triumph in das ParlamentshausZurückgeführt. Heftig erzürnt, begab sich Karl nach Jork und beschloß Krieg.
Die Königin flüchtete sich nach Holland, um fremde Hilfe anzusprechen; daaber die ganze Streitmacht des Festlandes in dem dreißigjährigen Krieg ver-wendet war, so konnte keine Unterstützung erlangt werden. Der Krieg begann TMrge»lcht ungleichen Streitkräften. Denn während der König ohne Geld war und »«»N-stm Heer an allem Mangel litt, besaß das Parlament nichtnur alle öffentlichenAnnahmen, sondern ward auch durch Privatbeiträge reichlich unterstützt. Bei^ ersten Aufforderung brachten die Familien ihr Silbergerät, die WeiberMm Schmuck und alle'Steuern und Abgaben, die man dem König hartnäckigGestritten hatte, wurden dem Parlamente willig dargereicht. Dennoch warAarls kleines, aber geübtes Heer anfangs im Vorteil gegen die Truppen desParlaments, mit denen Gras Essex ins Feld zog. In zwei Treffen behielt die°on Karls Neffen Ruprecht von der Pfalz geführte königliche Reiterei dieOberhand. Auch das zweite Jahr begann für das Parlament mit Verlusten,unter denen der Fall des redlichen und tapfern Hampden der empfindlichste
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