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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Die neue Zeit.

8. 392. 393.

War. Als aLer Oliver Cromwell, ein puritanischer Eiferer, aus seinen gott-seligen Freunden eine entschlossene Reiterschar bildete, die für Gottes Sacheblind in den Kampf ging, nahmen die Dinge eine andere Wendung. In derAKn Schlacht von Marstenmoor verlor Pfalzgras Ruprecht durch sein Ungestümden Sieg an Cromwells finster blickende Schwadronen. Seitdem stand Crom-Wells Name im Heere oben an, und die Puritaner benutzten den günstigenZeitpunkt zur Entfernung des allgemeinen Gebetbuchs aus dem Gottes-dienst, zur , Verdrängung der bischöflichen Religionsform durch CalvinsKirchenordnung und Synodalverfassung. Bilder, Zierat, Orgeln u. dergl.verschwanden aus der Kirche, die gemalten Fenster wurden eingeschlagen, dieDenkmäler zerstört, die Feiertage verboten.

Z. 392. Bald brach jedoch im Heerlager der Sieger selbst Zwiespalt aus.Die Jndependenten, die kühnsten und thatkräftigsten unter den Puritanern,waren mit der presbhterianischen Synodalverfassung unzufrieden; sie verlang-ten vollständige Unabhängigkeit jeder Kirchengemeinde in religiösen Dingen,und wollten mcht die Beschlüsse der Synoden als allgemeingültige Gesetze an-erkennen. Es entstanden heftige Kämpfe zwischen den gemäßigten Purita-nern (Presbhterianern) und den Radikalen (Jndependenten). DieW»" letzteren setzten im Parlament die Sclbstentsagungsakte durch, nach welcherkein Mitglied der beiden Häuser eine Befehlshaberstelle oder ein Amt bekleidendürfe. Dadurch wurde Essex zur Niederlegung seiner Kriegswürde gezwungenund Fairfax. ein talentvoller, ganz von Cromwell geleiteter Feldherr, trat andie Spitze des Gesamtheers. Cromwell, das Haupt der Jndependenten, hattedie Selostentsagungsakte am eifrigsten betrieben. Er begab sich zum Heer, umsein Kommando in Fairfax' Hände niederzulegen. Dieser erklärte jedoch demParlament: Cromwell sei unentbehrlich; nur er könne die Reiterei führen;denn wo er mit seiner gläubigen Schar im Namen des Herrn kämpfte, da warstets der Sieg. Das Parlament willigte ein, und der Bürgerkrieg entbrannte" Jum mit doppelter Heftigkeit. Allein die Schlacht von Nasebh vernichtete Karlsletzte Hoffnung, er zog sich mit dem Reste seiner Armee nach Oxford. Als jedochCromwell und Fairfax sich anschickten, ihn daselbst zu belagern, faßte er einenverzweifelten Entschluß: als Diener verkleidet, entfloh er mit zwei Beglei-tern in das Lager der Schotten an der Nordgrenze, in der Hoffnung, bei fernenLandsleuten noch Treue und Anhänglichkeit zu finden. Aber in den durch harteGeistliche geleiteten Schotten war alles Gefühl für die gefallene Größe er-loschen. Sie hielten den König in strenger Aufsicht und nötigten ihn, den langenPredigten ihrer Geistlichen, deren gewöhnlicher Text seine und seiner VorfahrenMissethaten waren, anzuwohnen; und als er durch keine Mittel bewogen wer-den konnte, dem presbhterianischen Glauben beizutreten und den Covenant zuunterzeichnen, verkauften sie ihren König um schnöden Sold. Gegen eine Gelo-summe wurde Karl den Kommifsarien des Parlaments ausgeliefert, die ihn inein festes Schloß brachten.

, 8- 393. Nunmehr wurde der Zwiespalt zwischen den Presbhterianern,die im Parlament, und den Jndependenten, die bei der Armee das Überge-wicht hatten, immer größer. Cromwell war auf feiten der letzteren, wußteaber unter äußerer Scheinheiligkeit seine herrschsüchtigen Pläne klug zu ver-bergen. Während er die Rolle eines Vermittlers spielte, entführte ein purita-nischer Oberst mit einer Reiterschar den gefangenen König und brachte ihn in

Gewalt der Armee. Darauf rückte Cromwell vor die Hauptstadt, um auchim Parlament den Jndependenten das Übergewicht zu verschaffen. Unterdessenentkam Karl nach der Insel Wight, und eme zeitlang bemühten sich Presby-terianer wie Jndependenten, ihn auf ihre Seite zu bringen und gegen Zu-