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Die neue Zeit.
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1670 .
Wurde der König noch einigermaßen in den Schranken der Mäßigung undGesetzlichkeit gehalten; als jener aber in Ungnade fiel und als Landesflüchtigerseine alten Tage in der Fremde beschließen mußte, erlaubte sich Karl Gewalt-thätigkeiten, Willkür und Rechtsverletzungen aller Art. Ein aus talentvollen,aber grundsatztosen Staatsmännern gebildetes Ministerium, nach den Anfangs-buchstaben seiner Mitglieder von dem Volke bezeichnend Cabal-MinisteriuMgenannt, leitete jetzt die Regierung nach dem Wunsche des Königs ohne Rück-sicht auf Volksrechte und Ehre. Bestechung und Käuflichkeit verloren in denhöheren Kreisen alles Schmachvolle, da der König selbst von Ludwig XIV-Jahrgelder bezog, um die Franzosen in ihrem Kriege gegen Holland zu unter-stützen. Jetzt erhob sich ein neuer Kampf zwischen König und Parlament.Denn je offener jener nach Unumschränktheit strebte, desto mehr suchte diesesdie Volksrechte und die Landesreligion zu schützen. Aus Besorgnis, die englischeKirche möchte unter einem katholischen König Gefahr laufen, verlangte dasParlament die Ausschließung des Herzogs von Iork von der Thron-folge; und Karl sah sich wenigstens in so weit zur Nachgiebigkeit gezwungen,daß er seinen Bruder auf einige Zeit aus dem Lande schickte und ein neuesMinisterium bildete, worin der geistreiche Gras von Shaftcsbury, der ausdes Königs Rat zur Volkspartei übergegangen war, den Vorsitz führte. Unterseiner Verwaltung trat die Habeascorpus-Akte, das heilige Gesetz für diepersönliche Freiheit, ins Leben. Nach diesem Gesetz darf niemand in Haftgebracht werden, ohne daß ein schriftlicher Befehl der Behörde die Gründe derVerhaftung angiebt, und innerhalb drei Tagen soll der Gefangene vor den ordent-lichen Richter kommen. Unter diesen parlamentarischen Kämpfen bildeten sich diezwei politischen Parteien der Tones und Whigs, die noch heutzutage bestehen-Die Whigs (Liberalen) betrachteten die Staatsverfassung als einen gegenseitigenVertrag zwischen König und Nation und legten dieser, im Falle einer Verletzung,das Recht des thätigen Widerstandes bei; die Tories (Konservativen)dagegen verwarfen den Grundsatz, daß die königliche Gewalt vom Volke aus-gehe, und heischten von den Unterthanen einen leidenden Gehorsam. Wäh-rend der letzten Regierungsjahre Karls II. erlangten die Tories das Über-gewicht, indem der Hof eine von einigen nichtswürdigen Menschen angelegteVerschwörung gegen das Leben des Königs und seines Bruders benutzte, umdie Häupter der Whigs zu verderben. Lord Russell und Alqernon Srdney,zwei der edelsten und angesehensten Männer, bluteten auf dem Schaffst;Shaftesbury.floh nach Holland, der Herzog von Jork trat wieder in feineRechte und Ämter ein, und als Karl II. nach einigen Jahren ohne rechtmäßigeNachkommenschaft verstarb, erlangte jener als Jakob II. den englischen Thron.168»- 8 - 398 . Einige Wochen nach Jakobs II. Thronbesteigung versuchte Karls
1688. natürlicher Sohn Monmouth mit Hilfe der Whigs seinem Oheim die Kronezu entreißen. Der Aufstand mißlang. Monmouth starb auf dem Blutgerüste,und die furchtbare Grausamkeit, die Jakob gegen alle Anhänger und Billigerder Unternehmung bewies, tilgte den letzten Funken von Anhänglichkeit ausdem Herzen des Volks. Der Name des Oberrichters Jeffrehs, der mit demRichtbeil und mit einer Henkerschar die Grafschaften durchzog, ist mit blutigenZügen in die Jahrbücher der englischen Geschichte gezeichnet. Der leicht er-worbene Sieg und die Furcht des Volks erzeugte in dem König die Hoffnung,durch List und Strenge allmählich der katholischen Kirche wieder die Herr-schaft in England zu verschaffen. Er verlieh zu dem Zweck dem verhaßtenJeffrehs die Kanzlerwürde, vergab viele Ämter und Militärstellen an Katho-liken und an solche, die zur römischen Kirche übertraten (Convertiten), undbeabsichtigte durch Einführung eines Toleranzedikts die Bestimmungen der
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