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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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279
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8. 3S7.

England unter Karl II. und Jakob II.

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wacht siegte; das Parlament wurde aufgelöst und das alteRumpsparlament AAWieder einberufen, Richard Cromwell, weder Kriegsmann noch Beter,wußte abdanken und Schutz im Auslande suchen. Aber auch das Rumpf-parlament mußte nach einiger Zeit der Militärmacht weichen, worauf eineSichcrheits-Kommission unter Lamberts Vorsitz die Leitung der Dinge über-nahm. Unter diesen Verfassungskämpfen gewann allmählich die Ansicht Boden,daß nur durch Wiederherstellung der Monarchie und Rückführung oer Königs-familie eine dauernde Ordnung begründet werden könnte. Zu dem Ende tratGeneral Monk mit dem in den Niederlanden weilenden Karl Stuart in Ver-bindung, verbarg aber seine Gesinnung und seine Pläne aufs sorgfältigste.

Er bewirkte die Verhaftung Lamberts, die Auslösung des Sicher-heitsausschusses und die Einberufung eines neuen Parlaments.

Mit dieser größtenteils aus Royalisten bestehenden Versammlung betrieb nun-mehr Monk die Restauration der Stuarts mit aller Hast und Übereilung.Amnestie und Gewissensfreiheit waren die einzigen Zusagen, die Karlvor seinem feierlichen Einzüge in London, wo er von einem jubelnden Volkeempfangen wurde, zu leisten hatte. Aber selbst diese Bedingungen wurdennicht gehalten. Alle, die bei Karls I. Prozesse zu Gericht gesessen, wurden als»Königsmörder" mit der Todesstrafe belegt und zehn von ihnen wirklich hin-gerichtet. Der Triumph der Royalisten über den Untergang ihrer FeindeWurde jedoch sehr gemindert durch die Standhaftigkeit der Puritaner bei ihremletzten Gang. Cromwells Leiche wurde ausgegraben und an den Galgen ge-hängt. Die bischöfliche Kirche wurde wiederhergestellt und die presbhteriani-schen Geistlichen von neuem ihrer Stellen entsetzt.

«1 Die beiden letzten Stuarts (Karl II. 16801683 «nd Jakob H.

1685-1688).

Z. 397. Die Regierung des leichtsinnigen, charakterlosen und wollüstigenKarl II. war für England verhängnisvoll. Weder das Schicksal feines Vaters,

Noch die eigenen schweren Lebensgeschicke dienten ihm zur Lehre und Warnung.

Wie hart auch das Land durch ansteckende Krankheit und durch die furchtbareFeuersbrunst, die zwei Drittel von London verzehrte, heimgesucht wurde, amköniglichen Hofe lebte man herrlich und in Freuden; als die verschwende-rische Hofhaltung Schulden und Geldnot mehrte und das Parlament inseinen Bewilligungen nicht so freigebig war, wie der König wünschte, ver-kaufte Karl an Ludwig XIV. von Frankreich die Ehre und den Vorteil desLandes und den eigenen Glauben. Damals galt es nämlich in Frankreich fürAn Zeichen feiner Bildung, wenn man von der protestantischen zur katholischenKirche überging. Diese Sitte fand auch in England Nachahmung. Der Her-Log von Pork, des Königs Bruder, trat öffentlich der römischen Kirche beiund auch Karl war im Herzen Katholik, obschon er sich äußerlich zur englischenKirche hielt und erst bei seinem Tode seine wahre Überzeugung dadurch kundZab, daß er die katholischen Sterbesakramente nahm. Je mehr aber die Stuartsoie römische Kirche begünstigten, desto schroffer beharrte das Volk bei demGlauben der Väter. Es schrieb den Katholiken den Brand der Hauptstadt zuund verewigte diese Beschuldigung durch ein Denkmal; und um zu verhüten,oaß die öffentlichen Stellen als Lohn deS Religionswechsels gebraucht würden,

Hte das Parlament nach langen Kämpfen die Probe- uno Prüfungsakte(Testakte) durch, wonach nur Glieder der englischen Kirche und Bekenner des »or».protestantischen Lehrbegriffes zum Eintritt in das Parlament,sowiezuÄmternund Militärstellen befähigt sein sollten. So lange Clarendon, der Geschicht-schreiber der englischenRebellion", an der Spitze des Ministeriums stand,