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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Die neue Zeit.

Z. 418. 419.

hie und da eigenmächtige Eingriffe in die Staatsverwaltung erlaubten, so er-starkte doch mehr und mehr das konstitutionelle Verfaffungsleben, und mit derFreiheit und der Herrschaft des Gesetzes nahm zugleich Handel, Gewerbsam-keit, Schiffahrt und Wohlstand einen mächtigen Aufschwung. Im Jahre 1769konstruierte der Schotte James Watt die Dampfmaschine, die durch dreAnwendung auf Schiffe und Lokomotiven in der Folge eine neue Periode desWeltverkehrs schuf; und um dieselbe Zeit erfand nach jahrelangem Nachsinnender Barbier Arkwright den Spinnstuhl und die Maschinenweberei fürWolle, Baumwolle und Flachs. Unter Georg I., der sein Vertrauen wiederundj>en Whigs zuwandte, versuchte Jakob (III.) Stuart mit Hilfe der mißver-gnügten Tories (Jakobiten) den englischen Thron wieder zu erlangen, abersein Unternehmen scheiterte und zog seinen Anhängern schwere VerfolgungenM. Ähnlich erging es einem zweiten Versuch, den Jakobs Sohn, KarlEduard, unter Georg II. wagte. Mit französischer Hilfe landete er inSchottland, wo er bei den tapfern Hochländern zahlreichen Anhang fand. Deranfängliche Erfolg ermutigte ihn zu einem Einfall in England. Bald jedochverließ ihn das Glück. Dre Schlacht von Culloden vernichtete für immerdie Hoffnung der Stuarts. Wie einst Karl II. (§. 394) wurde Karl Eduard,auf dessen Kopf die englische Regierung einen Preis gesetzt, von Freunden undAnhängern seines Hauses aus eine wunderbare und romanhafte Weise gerettet.Gegen seine Anhänger wurde furchtbar gewütet; Hinrichtungen und Güter-einziehungen nahmen kein Ende; von Edinburg bis London füllten sich dieGefängnisse mit Jakobiten.

2. Karl XII. von Schwede« und Peter der Große von Rußland imnordischen Krieg (17001718).

§.418. Schweden und Rußland. Im Anfang des achtzehnten Jahrhun-derts stand Schweden auf dem Höhepunkt seiner Macht. Durch die Klugheit undSparsamkeit Karls XI. war das Krongut vermehrt, die Staatskasse gefüllt wor-den ; Heer und Flotte befanden sich in gutem Zustand; die Küstenländer der Ostseemit den reichen Städten Wismar, Stralsund, Stettin, Riga und Revat,mit den Ausflüssen der Weser, Oder, Düna und Newa waren schwedisches Ge-biet, die Stelle, wo das heutige Petersburg steht, war eine sumpfige Niederungaus schwedischem Grund und Boden. An Tapferkeit und Kriegsmut standen dieSchweden keinem Volke nach. Aber ein mächtiger Nachbar entstand ihnen imiwwsAz Osten, seitdem die Russen unter dem Herrscherhaus Romanow sich geeinigt undR-g»,Kii-. gestärkt hatten und nun anfingen, ihre Grenzen nach allen Richtungen auszudehnen.Isis- Dies geschah besonders unter Alexei Romanow und seinen beiden Söhnen Feo-M^i bor und Peter. Alexei erwarb Smolensk und Severien, brachte die streitbaren,^8-°d°r' wohlberittenen Kosaken zur Anerkennung der russischen Oberhoheit und beförderteIS76-W. die Kultur und Betriebsamkeit des Landes; Feodor aber wurde der Schöpfer derunumschränkten Zareugewalt, indem er die Geschlechtsregister vernichtete,woraus die Adelsfamilien ihre Ansprüche gründeten.

8- 419. Peter der Große. Was seine Vorgänger begonnen, führte Peterder Große, angeregt und unterstützt von dem unternehmenden Hauptmann Le-^ fort aus Genf, zur Vollendung. Auf großen Reisen durch die europäischen Län-der machte sich Peter mit den Einrichtungen gebildeter Völker und mit den Vor-teilen eines geordneten Staatswesens bekannt; dadurch gewann er Liebe zur Kulturund richtete sein ganzes Bestreben dahin, das russische Reich aus einem asiatischen,wie es bisher gewesen, in einen europäischen Staat umzuwandeln. Zu dem Zweckbeförderte er die Einwanderung ausländischer Handwerker, Seeleute und-