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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Die neue Zeit.

Z. 422. 423.

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Schlüssel der Hauptstadt und bezahlte die aufgelegte Kriegssteuer; Krakaufiel in seine Hände und bald waren auch die fruchtbaren Weichselgegenden mitThorn, Elbmg und Danzig in der Gewalt der Schweden. Jetzt stellte Karlan die Polen die Forderung, ihren König Friedrich August abzusetzen undeine neue Wahl vorzunehmen; und wie sehr auch der Adel sich sträubte, derSchwedenkönig, unterstützt von der polnischen Parteisucht, erzwäng die ver-langte Absetzung und bewirkte, daß auf einer von schwedischen Soldaten um-stellten Wahlversammlung Karls Schützling, Stanislaus Lesczinski. Woi-wode von Posen, zum König ausgerufen ward.

Z. 422. Nach einigen beschwerlichen Feldzügen in den südlichen Land-schaften Polens, wo die Schweden trotz des morastigen Bodens und der Ar-mut der Gegend die an Zahl überlegenen Feinde zum Weichen gebracht, be-fchloß Karl, seinen Gegner Friedrich August in dessen eigenen Landen aufzu-suchen. Ohne bei dem Kaiser anzufragen, rückte er über Schlesien in dieLausitz ein und stand in kurzem in dem Herzen von Sachsen, oas trotz Karlsstrenger Mannszucht durch die feindliche Kriegsmacht schrecklich mitgenommenwurde. Die Einwohner des flachen Landes flüchteten sich in die Städte, dieKönigsfamilie suchte Schutz im Nachbarreiche. Um sein Land zu retten,^» 7 ««? Willigte August in den schimpflichen Frieden von Altranstädt, der ihnverpflichtete, für sich und seine Nachkommen der polnischen Krone zu entsagen,sein Bündnis mit dem Zar auszulösen und den Livländer Patkul ocmSchwedenkönig auszuliefern. Ohne seine Würde als russischer Gesandte zubeachten, ließ Karl denselben eines grausamen Todes auf dem Rade sterben.Trotz des abgeschlossenen Friedens blieb die feindliche Kriegsmacht noch einganzes Jahr in Sachsen zum großen Schaden des Landes, das neben der Ein-quartierung und Kriegssteuer auch noch durch die Verschwendung des Dres-dener Hofes schwer zu leiden hatte. Während die Stände mit Seufzen diehohen Steuern genehmigten und der verarmte Bauer fast verhungerte, veran-staltete der Kurfürst ein prachtvolles Hoffest nach dem andern und verwendeteungeheuere Summen auf Lustschlösser. Und was kostete erst die Unterhaltungund Versorgung der schönen Frauen und natürlichen Kinder des galantenFürsten! — Karl XII. bildete einen merkwürdigen Gegensatz zu dem genuß-süchtigen und leichtfertigen Kurfürsten. Jener besaß eine vollkommene Sol-oatennatur: seine Mäßigung ging soweit, daß er sich aller geistigen Getränkeenthielt und im Felde mit der geringen Kost des Heeres sich begnügte; Som-mer und Winter trug er dieselbe unzierliche Kleidung — einen langen, mitMessingknöpfen versehenen Soldatenrock und große Reiterstiefel; auf Märschenund im Kampf unterzog er sich den stärksten'Beschwerden, Entbehrungen undGefahren; weiblichen Umgang mied er; nur das Kriegsleben mit seinen Ge-fahren hatte für ihn Reiz, das Getöse der Schlacht, das Pfeifen der Kugeln,das Wiehern der Streitrosse ging ihm über Opern, Hoffeste und Konzerte.

§. 423. Während Karl XII. in Sachsen und Polen verweilte, traf Peterder Große Anstalten, die schwedischen Besitzungen an der Ostsee zu unterwerfenund dem russischen Reiche beizufügen. Er erbaute die Festungen Schlüssel-burg und Kronstadt, ließ die morastigen Niederungen an der Newa mitunsäglicher Mühe durch Leibeigene austrocknen und legte den Grund zu derneuen Residenzstadt Petersburg. Aus Moskau und andern Städten mußtenAdelige, Kaufleute und Handwerker mit ihren Familien dahin übersiedeln;auch Ausländer wurden zur Einwanderung aufgemuntert. Hätte Karl XII.,als er endlich Sachsen verließ, um seine Waffen gegen seinen letzten und mäch-tigsten Feind zu kehren, die Ostseeländer zum Kriegsschauplatz gewählt, sokonnten leicht Peters neue Schöpfungen und Pläne vernichtet werden, aber zu

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