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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
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299
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8- 427.428. Der nordische Krieg. 29S

Seehäfen gefördert; die innere Betriebsamkeit, Gewerbe, Manufakturen,Bergbau erfreuten sich besonderer Begünstigung, ja selbst für Gelehrsamkeitund höhere Bildung wurde durch Gründung einer Akademie der Wissenschaf-ten gesorgt. Auch die Verwaltung und Polizei erhielt eine neue Gestaltnach Art der übrigen unumschränkten Staaten, so daß die Fürstenmacht ge-hoben, die Macht der Edelleute (Bojaren) gemindert wurde. Eine der fol-genreichsten Neuerungen Peters des Großen war die Aufhebung der Pa-triarcheuwürde und die Errichtung der heiligen Synode als oberster Kir-chenbehörde, welcher der Kaiser Verhaltungsbefehle erteilte.

Z. 427. Als Peter auf solche Weise sein Reich umgestaltet, bemerkte erMit Kummer, daß sein einziger Sohn Alexei den Neuerungen abhold sei, sichbloß mit Freunden des alten Zustandes umgab und den Vorsatz hegte, seineResidenz einst wieder nach Moskau zu verlegen. Umsonst suchte der Kaiser denstörrigen und trotzigen Geist des Sohnes zu beugen und ihn der europäischenKultur zu befreunden; Alexei blieb bei seinem Sinn und entwich endlich ausdem Reich. Da ließ ihn Peter, besorgt um den Fortbestand seiner Einrichtun-gen, verhaften, in die Heimat zurückbringen und zum Tode verurteilen. ObAlexei hingerichtet ward oder vor der Vollstreckung des Urteils starb, ist strei-tig. Ein Ukas gab alsdann die Bestimmung der Thronfolge dem Willen desregierenden Kaisers anheim. Nach Peters Tod folgte ihm seine Gemahlin Ka-tharina I. in der Regierung. Unter ihr und ihrem Nachfolger Peter II.übteMenschikow,der vom niedrigsten Stande zum Günstling des Kaisers undallmächtigen Minister emporgestiegen, den größten Einfluß auf die Regierung.Aber in dem Augenblicke, als er seine Tochter mit dem jungen Kaiser zu ver-mählen gedachte, wurde er gestürzt und endete seine Tage m sibirischer Ver-bannung. Peters II. Nachfolgerin Anna wendete ihr Vertrauen den beidenthatkräftigen Deutschen Ostermann und Münnich zu, von denen jener demKabinet vorstand, dieser das Kriegswesen leitete und umgestaltete. Allein so-wohl diese beiden als Annas Günstling Biron, dem nach ihrem Tode die Re-gentschaft zufallen sollte, wurden nach Sibirien verwiesen, als Peters des Gro-ßen jüngste Tochter Elisabeth durch eine Palastrevolution auf den Throngehoben ward. Der einjährige Iwan, den Anna zu ihrem Nachfolger ernannthatte, wurde in den Kerker geworfen, wo er in tierischer Art ohne allen Unter-richt heranwuchs. Elisabeth ergab sich einem wollüstigen, sittenlosen Lebenund überließ die Regierung ihren Günstlingen.

Z. 428. Unter Friedrich August dem Starken drang die in Dresdenherrschende Prachtliebe, Schwelgerei und Üppigkeit auch nach Polen und zer-störte daselbst die letzte sittliche Kraft des Adels. Zu den alten Lastern gesell-ten sich neue und wirkten um so nachteiliger, als der polnische Adel von dereuropäischen Kultur nur den äußeren Firniß annahm, und mit der Verfeine-rung innere Roheit und sinnliche Erregbarkeit gepaart war. Eitelkeit, Hof-fart und religiöse Engherzigkeit wurden jetzt mehr als früher in Polen einhei-misch. Den Jesuiten gelang es, durch einen außerordentlichen Reichstagden polnischen Dissidenten ihre kirchlichen und bürgerlichen Rechte zu ent-reißen, und als deshalb in der protestantischen Stadt Th orn sich bei Gelegen-heit einer Prozession der allgemeine Haß durch einen Volksaufstand gegen dasJesuiten-Kollegium Luft machte, wurde der Stadtvorsteher Rösner nebstneun der angesehensten Bürger hingerichtet, die Hauptkirche den Katholikenübergeben und die Stadt in ihren Rechten verkürzt. Nach Friedrich Augusts II.Tode entstand der polnische Erbfolgekrieg, indem Stanislaus Lesczinski,welcher, nach der Schlacht von Pultawa (Z. 423) aus Polen flüchtig, sichlange im Elsaß unter ärmlichen Umständen herumgetrieben hatte, bis er durch

1718 .

Kathari-na I.17251727 .Peter 11°17271730 .

Anna

1730

1740 .

Elisabeth

1741

1762 .

1717 .

1724 .

1733 .