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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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305
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8- 438. 439. 440.

Der siebenjährige Krieg.

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b) Der siebenjährige Krieg (1756-1763).

8- 438. Maria Theresia konnte den Verlust von Schlesien nicht verschmer-zen. Sie benutzte daher die acht Friedensjahre, die nach Beendigung des öster-reichischen Erbfolgekrieges eintraten, zu folgenreichen Bündniss en. RußlandsMtschwelgerische Beherrscherin Elisabeth (8-427), beleidigt durch Friedrichs«Pottreden und begierig, die preußischen Landschaften an der Ostsee für ihrEch zu gewinnen, wurde von ihrem Minister Bestuschew leicht zu einemVunde mit Maria Theresia bewogen, ebenso Augustlll. von Sachsen von demGrafen Brühl, der sich gleichfalls durch den Hohn, womit der große Königsemer stets gedachte, gekränkt fühlte. Aber ein Meisterstück schlauer Staats-urnst war es, daß Maria Theresia durch ihren klugen und gewandten Minister"aunitz den Hof von Versailles dahin brachte, daß er die alte Politik Frank-rerchs, die stets auf Schwächung der Habsburger gerichtet war, aufgab undsich mit Österreich gegen Preußen verband. Schon seit mehreren Jahren näm-flch hatte sich Ludwig XV. durch genußsüchtige und sittenlose Edelleute zukwem lasterhaften Leben verleiten lassen. Im Umgang mit ausschweifendenGünstlingen und schamlosen Buhlerinnen gab er sich, ganz seiner sinnlichenNatur hin und stürzte sich von Genüssen zu Genüssen. Über den Schwelgereien^er Tafel und den Freuden der Jagd und des Weins vergaß er das Reich unddes Volkes Wohlfahrt. Diese Umstände benutzte Maria Theresia zu ihremhortest. Die stolze, aus Sittlichkeit und Tugend haltende Kaiserin ließ sichw weit herab, daß sie die Marquise von Pompadour, Ludwigs XV. all-mächtige Mätresse, durch einen schmeichelhaften Bries in ihr Internst zu ziehensuchte. Unter Vermittelung der Pompadour und ihrer Kreaturen wurde so-?unn zwischen Frankreich und Österreich ein Bündnis geschlossen, dessen Zweck S-ptbr.?ar, den König von Preußen seiner Eroberungen zu berauben und wieder zudem Range eines Markgrafen von Brandenburg herabzudrücken.

- 8.439. (1756.) Friedrich, durch einen bestochenen Schreiber des GrafenM?ühl von allen gegen ihn gefaßten Anschlägen genau unterrichtet, beschloß,semen Feinden durch einen unerwarteten Angriff zuvorzukommen. Er fieluwtzlich in Sachsen ein, besetzte Leipzig, Wittenberg und das vom Hof verlassene AugustDresden und ordnete eine preußische Landesverwaltung an. Die Steuern

M alle öffentlichen Einkünfte wurden in Beschlag genommen, die Vorrats-häuser den preußischen Heeren geöffnet, Waffen und Geschütz nach Magdeburgtzoführt. Und um sein Verfahren zu rechtfertigen, veröffentlichte Friedrich dieM Dresden vorgefundenen Aktenstücke über die Pläne seiner Gegner. Die säch-lichen Truppen, die bei Pirna an der Elbe eine feste Stellung hatten, wurdenoon den Preußen eingeschlossen und durch Hunger zur Übergabe gezwungen. Ott-b-r.. 000 wackere Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft. Friedrich zwangso, in preußische Dienste zu treten; aber bei der ersten Gelegenheit entflohensb scharenweise nach Polen, wo sich während des ganzen Krieges der säch-liche Hof aufhielt. Friedrich verweilte in Dresden und zwang das eroberte^and zu schweren Lieferungen an Geld und Rekruten, dafür wurde ihm vomputschen Reich wegen Landfriedensbruchs der Krieg erklärt, und auch Schwe-ins aristokratische Regierung, die nur nach den Eingebungen Frankreichs han-in r - Eoß sich Preußens Feinden an. Nur England, das von FrankreichB fernen amerikanischen Besitzungen bedroht war und für Hannover in Be-wrgms swnd, und einige deutsche Staaten (Hannover, Braunschweig, Hessen-^orssel, Gotha) blieben auf Friedrichs Seite.

- . 8-, 440. (1757.) Im nächsten Frühjahr zog Friedrich mit der Hauptmacht'«ih Böhmen, während seine Bundestruppen den Franzosen, die zwrschen Rhein

Weber. n. Weltgeschichte.

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