Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
304
JPEG-Download
 

301

Die neue Zeit. 8- 436. 437.

schwerem Herzen, in den Frieden von Bresl au, worin beinahe ganz Ober-und Niederschlesien an Friedrich II. abgetreten wurde. In kur-zem war der größte Teil von Böhmen wieder in den Händen der Österreicher;die Hauptstadt, woBelleisle mit einer beträchtlichen Armee lag, wurde be-Dez-mi-r reits belagert. Da bewies der Marschall durch den kühnen Rückzug vonnach Eger mitten im Winter, daß der kriegerische Geist der Franzosennoch nicht entschwunden sei. Freilich war der Weg mit Toten und Erstarrtenbedeckt 'und selbst die Geretteten trugen den Keim des Todes in sich! Jwi7,s. folgenden Frühjahr wurde Maria Theresia in Prag gekrönt und zu gleicherZeit erlangte sie einen mächtigen Bundesgenossen an Georg II. von Hannoverund England. Nach der Schlacht von Dettingen, unweit Aschaffenburg, wodie englischen und österreichischen Truppen den Sieg davon trugen, zogen sichdie Franzosen über den Rhein zurück, und Sachsen trat auf Österreichs Seiteund nahm englische Hilfsgelder.

§. 436. Das Kriegsglück der Österreicher machte Friedrich II. um den*i7,s7 Besitz von Schlesien besorgt und er begann daher den zweiten schlcsischen KriegWider Maria Theresia. Während er als Verbündeter des Kaisers mit einem? 744 ? starken Heerkaiserlicher Hilfsvölker" rasch in Böhmen einrückte, fand Karl VII-Gelegenheit, sein Erbland Bayern wieder zu gewinnen und in seine HauptstadtMünchen zurückzukehren, wo er bald nachher starb. Sein Sohn MaximilianArril. Josef entsagte im Vertrag von Füßen allen Ansprüchen auf das österrei-chische Erbe und gab bei der neuen Kaiserwahl dem Gemahl Maria Theresiasseine Stimme, worauf dieser als Franz I. in Frankfurt die Krönung empfing-i76s. Mittlerweile hatte Friedrich II. an den wackern österreichischen FeldmarschallTraun den größten Teil von Schlesien eingebüßt, aber sein glänzender Sieg^ 74 »"' bei Hohensriedberg verschaffte ihm wieder das Übergewicht. Der Kriegsruhmdes preußischen Monarchen und seiner Generale Zieten, Winterfeld u. a.so. Se»t. strahlte weit hin, und bei Sorr legte Prinz Ferdinand von Braunschweigdie ersten Proben seines Feldherrntalentes ab. Als nun noch mitten im Will-is. Dez. ter der alte Dessauer in der blutigen Schlacht von Kesselsdors die Sachscnbesiegte, und Friedrich in die von August III. verlaffene Hauptstadt Dresdeneinzog, da willigte Maria Theresia im Dresdener Frieden abermals in dieAbtretung von Schlesien, wogegen Friedrich ihren Gemahl als Kaiser (Franz I)anerkannte.

ß. 437. Der in Deutschland beendigte Krieg dauerte in den Nieder-landen noch einige Zeit fort. Hier erfochten die Franzosen unter der Führungdes eben so talentvollen und tapfern als sittenlosen und ausschweifenden Mar-schalls von Sachsen, eines natürlichen Sohnes von Friedrich August demStarken und der Gräfin Aurora v. Königsmark, eine Reihe glänzender Siege4 S? 47 . (in der Schlacht von Fontenoy, Raucoüx, Laffeld), wodurch die österrei-chischen Niederlande fast gänzlich in ihre Gewalt kamen. Auch in Holland, wodem Oranier Wilhelm IV., einem Seitenverwandten Wilhelms III., durch eng-»7"- lischen Einfluß die Statthalterwürde als erbliches Herrscheramt übertragenward, machte der französische Marschall Eroberungen. Da sich aber die er-schöpften Staaten alle nach Beilegung der Feindseligkeiten sehnten, so kamDWr endlich der Friede von Aachen zustande, worin die österreichischen Erblandeder Kaiserin Maria Theresia zuerkannt wurden, mit Ausnahme von Schle-sien, das bei Preußen verblieb, und einigen italienischen Besitzungen, die siean Sardimen und an den spanisch-bourbonischen Prinzen Philipp vonParma abtrat (ß. 416). Die übrigen Staaten kehrten in ihre früheren Ver-hältnisse zurück, und Frankreich trug aus dem kostspieligen Krieg keinen anderenGewinn davon als Waffenehre.