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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. 8- 471. 472.
teils in der Weichsel ertränkt. Das Angstgeschrei der Verwundeten undG.mordeten schreckte die Bewohner der Hauptstadt und machte sie willigzur Ergebung. Am 9. November hielt Suwarow als Sieger seinen glän-zenden Einzug in Warschau. Stanislaus Poniatowski mußte die Kroneniederlegen; er lebte bis zu seinem Tod (1798) in Petersburg von einem Jahr-gehalt, der verdienten Verachtung preisgegeben. Einige Monate später er-klärten die drei Mächte, sie hätten aus Liebe zum Frieden und um der Wohl-fahrt ihrer Unterthanen willen beschlossen, die Republik ganz zu teilen. Dem-gemäß fiel der Süden mit Krakau an Österreich; das Land links der Weichselmit der Hauptstadt Warschau an Preußen; alles übrige riß Rußland alsseinen „Löwenteil" an sich. So schwand das einst ruhmreiche und mächtigePolen aus der Reihe der selbständigen Staaten, ein Opfer selbstverschuloeterSchwäche und fremder . Recht verachtender Gewaltthat. — Kosciuszko, vonKaiser Paul I. in Freiheit gesetzt, starb als Privatmann in der Schweiz(Okt. 1817). Sein Leichnam wurde nach Krakau gebracht und unter einemdurch freiwillige Arbeiten Polnischer Patrioten aufgeworfenen Erdhügelbeigesetzt.
L. Die französische Revolution.
1. Die letzten Zeiten -er unumschränkten Lönigsmacht.
§. 471. Ludwig XV. besaß anfangs die Liebe des Volks in solchemGrade, daß man ihn den Vielgeliebten nannte und daß, als ihn einst inMetz eine gefährliche Krankheit befiel, das ganze Land trauerte und seineWiedergenesung mit dem größten Jubel feierte. Aber diese Liebe verwandeltesich allmählich in Haß und Verachtung, als sich der König den schamlosestenAusschweifungen hingab, als er den Genossen seiner Lustschwelgereien undden Dienern seiner Wollust und Sinnlichkeit die Regierung des Landes, dieLeitung der Heere, die Bestimmung über Recht und Staatskunst überließ, undals Buhlerinnen (Mätressen) ohne Sitte und Scham Hof und Reich be-herrschten. Unter diesen hat keine größern und dauernderen Einfluß geübt alsdie Marquise von Pompadour (f 1764), die.zwanzig Jahre lang Frank-reichs ganzes Staatswesen lenkte, die wichtigsten Ämter mit ihren Günstlingenbesetzte, über Krieg und Frieden bestimmte und über die Staatsgelder wieüber ihre eigene Kasse verfügte, so daß sie nach einem in Glanz und Üppigkeitverbrachten Leben noch Millionen hinterließ. Sie und ihre Kreaturen nährtenLudwigs Sinnlichkeit und Genußsucht, damit er sich immer tiefer in den Pfuhldes Lasters stürze und die Leitung des Staats ihnen überlaste. Übrigens ge-brauchte die Pompadour ihre Stellung und ihren Einfluß noch mit einigerWürde, mit Takt und Umsicht; als aber die Gräfin Duo arrh, eine Frau ausder niedrigsten Volksklasse, an deren Stelle trat, verlor der Hof alles Ansehenund alle Ächüing.
8- 472. Diese Herrschaft der Lüste und der Verschwendung, verbundenmit den nutzlosen, kostspieligen Kriegen in Deutschland, erschöpfte die Staats-kasse und mehrte die Schuldenlast und die Steuern. Und da alle Steuernund Abgaben lediglich auf dem Bürger- und Bauernstand lasteten, indemder reiche Adel und die Geistlichkeit Steuerfreiheit genossen, so wurdendiese für den geringen Mann sehr drückend, zumal da die Regierung die Er-hebung mcht selbst besorgte, sondern durch Generalpächter und ihreblut-saugenden Unterbeamten betreiben ließ. Die Grund- und Vermögenssteuer,