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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. 8-

kratischen Munizipalitat übertragen, an deren Spitze Baillh als Maire

(Bürgermeister) stand. Besorgt über die zunehmende Gährung, beschloß oerHof zu seiner Sicherheit einige Regimenter deutscher und schweizer Truppennach Versailles zu ziehen. In diesem Vorhaben glaubten die Leiter der Bewe-gung den Plan eines Gewaltstreiches zu erkennen und benutzten den Vorgang awMittel zu neuen Aufreizungen. Da verbreitete sich die Nachricht in Parrs,Necker sei plötzlich mtlassen und des Landes verwiesen worden und ein Günst-ling der Königin an seine Stelle getreten. Dies wurde als erster Schritt desbeabsichtigten Staatsstreiches gedeutet und gab das Zeichen zu einer allgemei-nen Erhebung. Scharen rohen Gesindels zogen lärmend durch die Straßen-mit der neuerfundenen National-Kokarde (blau, weiß, rot) geschmückt;die Sturmglocken wurden geläutet, die Werkstätten der Waffenschmiede geplün-dert ; Tumult und Verwirrung herrschte überall. Am 14. Juli, nachdem dasVolk aus dem Jnvalidenhaus 30000 Gewehre und etliche Kanonen weggenom-men, erfolgte die Erstürmung der Bastille, einer alten Burg, die als Staats-gefängnis diente. Der Befehlshaber Delaunay und sieben Mann der Be-satzung fielen als Opfer der Volkswut; ihre Köpfe wurden auf Stangen durchdie Straßen der Stadt getragen; mehrere als Aristokraten gehaßte Mänmrwurden ermordet. Der verbannte Necker ward zurückgerufen, sein Einzug Mdie Städte und Dörfer Frankreichs glich dem Triumph eines sieggekröntenHelden. In dem freudigen Empfang des Ministers gab das Volk ferne Begei-sterung fiir die Freiheit und seinen Haß gegen Hof und Aristokraten kund-Lasayctte, der Kämpfer für Amerikas Freiheit, wurde zum Anführer dmNationalgarde ernannt, und während der König nach Paris reiste und Mauf dem Söller des Rathauses mit der Kokarde am Hute dem versammeltenVolk zeigte, verließen der Graf von Artois und mehrere Edelleute erstenRanges, wie Condü, Polignac, ihr Vaterland, im bangen Vorgefühl derkommenden Dinge. .

H. 477. Die neue Ordnung. Seit dem Bastillensturm waren Gesetze unoObrigkeit ohne Ansehen in Frankreich und die Macht lag in den Händen derMasse. Das Landvolk entrichtete nicht länger die der Kirche und dem Aderschuldigen Zehnten, Abgaben und Feudallasten, und rächte sich für den langeerduldeten Druck durch Verwüstung der grundherrlichen Schlösser mit Sengenund Brennen. Als sich die Kunde von diesen Vorgängen verbreitete, wurde mder Nationalversammlung der Antrag gestellt, die bevorzugten Stände solltendem Volke durch die That beweisen, daß man feine Lasten erleichtern wolle,und zu dem Ende aus eigenem Antrieb allen aus dem Mittelalter staMmenoen Feudalrechten entsagen. Dieser Vorschlag erregte einen Sturmvon Begeisterung und Selbstentsagung. Niemand wollte zurückbleiben. Starw-Städte, Landschaften wetteiferten um die Ehre, die größten Opfer dem ^ 'meinwohl zu bringen. Dies war der berühmte vierte August, an dem rn emeinzigen fieberhaft aufgeregten Sitzung alle Zehnten, Frondienste, grün -herrlichen Rechte, Zünfte u. dgl. m. abgeschafft, der Boden für frer erkläund die Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz und bei der Besteuerungausgesprochen wurde. Diese Beschlüsse und die zu ihrer Verwirklichung erwderlrchen Gesetze und Einrichtungen, zu denen man allmählich schritt,in kurzem die gänzliche Umgestaltung aller bestehenden Zustände herber,Kirche verlor rhr Vermögen und wurde der Staatsregierung untergeorone ,die Klöster und religiösen Orden wurden aufgehoben, die Geistlichen voStaat besoldet, die Bistümer neu eingerichtet, Religionsfreiheit gewährt. 2 -Priester sollten gleich den Staatsdienern die neue Verfassung beschwören; ^aber der Papst es untersagte, so verweigerte die Mehrzahl den Eid; dabu