' 7 .
337
8 - 478 . 479 .
Die französische Revolution.
LklSr.
die französische Geistlichkeit in beeidigte undunbeeidigte Priestergefchreden; die letztem wurden ihrer Stellen beraubt und hatten Verfolgungenaller Art zu dulden, genossen aber das Vertrauen der Gläubigen im Volke;zu den ersteren gehörte Gregoire, Bischof von Blois, ein Streiter für Humani-rat und Menschenliebe. Der Adel büßte nicht nur seine Vorrechte und denMotzten Teil seiner Einkünfte ein, sondern er verlor auch die äußerliche Aus-zeichnung seines Standes durch Abschaffung aller Titel, Wappen, OrdenA dgl. Und damit die alten Zustände gründlich vernichtet würden, erhieltFrankreich eine neue geographische Einteilung in Kreise (Departe-ments) und Bezirke (Arrondissements), ein neues Gerichtswesen mitGeschworenen (Assisen), Gleichheit des Maßes, Gewichtes,-munzfußes u. dgl. und endlich eine konstitutionelle Verfassung,mann die Rechte des Königs über Gebühr beschränkt und die Gesetzgebung einereinzigen Kammer mit allgemeinem Wahlrecht zugeteilt wurde.
. 8.478. Der König und die Nationalversammlung nach PariS. Da
ver König zögerte, die einzelnen Beschlüsse der Versammlung als Gesetz bekanntzu Machen, so verbreitete man abermals das Gerücht von emem beabsichtigtenStaatsstreiche. Dieses Gerücht gewann an Stärke, als das Regiment Flan-vern nach Versailles berufen ward und bei einem Feste, welches die Leibgarde°su Neuangekommenen Offizieren bereitete, der König die Unvorsichtigkeit be-3mg, mit der Königin und dem Dauphin sich während des Mahls in den«Peisesaal zu verfügen und dadurch der vom Wem erhitzten Versammlung zuun-ttugen Reden, Trinksprücheu und Liedern Veranlassung zu geben. Diese Vorgängewurden durch geschäftige Zungen schnell in Paris bekannt und steigerten dieAufregung des Volkes, das schon ohnedies durch den herrschenden BrotmangelAtnzt war. Am 5. Oktober zogen daher unzählige Pöbelscharen, größtenteils ^ ^Ander, nach Versailles, um von dem König Abstellung des Brotmangels undZerlegung der Residenz nach Paris zu verlangen. Der König suchte sie zu?^uhigen; aber in der Nacht wurde ein Flügel des Schlosses gestürmt undme Königin zur Flucht aus ihm genötigt. Am andern Tage mußte derVMg einwilligen, mit seiner Familie unter dem Geleite dieser schrecklichen«waren nach Paris zu reisen und seinen Wohnsitz in dem seit vielen Jahrenunbewohnten Tuilerienschloß zu nehmen. Bald folgte auch die National-versammlung, für welche die in der Nähe des Schlosses gelegene Reitschulehergerichtet wurde. Nun kam die Herrschaft immer mehr in die Hände desunteren Volkes, das von zügellosen Zeitungsschreibern und Volksführernen steter Aufregung erhalten und zum Haß gegen den Hof und die „Aristokra-m vAufgestachelt wurde. Unter den demagogischen Blättern zeichnete sich „derAvlkssreund" des frechen Arztes Maral aus Neufchatel durch Heftigkeit aus.Auch tue demokratischen Vereine (Klubs), die mit jedem Tage an Bedeutung«A" umfang zunahmen, wirkten im Sinne der Revolution. Besonders hat der
nerklub, der in allen Städten Frankreichs Zweigvereine besaß, eine welt-Achwhtliche Bedeutung erlangt. Die Mitglieder, welche im folgenden Jahr die5 «^ Mütze der Galeerensträflinge als Kennzeichen annahmen, strebten nach einerMublrk mit Freiheit und Gleichheit aller „Bürger". Zu ihnen hieltLch auch der Klub der Cordelicrs, der die kühnsten Revolutionsmänner, wieKli ^ " und Camille Desmoulins, zu Führern hatte. Der konstitutionellemo der Feuillans dagegen, dem sich Lasayette anschloß, verlor mit jedembn Bedeutung. Ihre Namen trugen diese Vereine von den aufgehobenenmstern. wo sie ihre Zusammenkünfte hielten,st, 8- 479. Föderativsest. Flucht des KönigS. Am Jahrestag des Bastillen-ömAus wurde ein großartiges Verbrüderungs-(Föderativ-)Fest auf demumseid angeordnet. Es muß ein ergreifender Anblick gewesen sein, als
er. n. Weltgeschichte. 22