17. Jan.» 799 .
W. Srpt.1792 .
s. N°».» 792 .
A. Olt.1792 .
342 Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. 8- 484.
(Marseillaise; tza ira), Revolutionsfeste, Freiheitsbäume u. dergl. m. in steterAufregung gehalten wurden, erlangte die Partei des Umsturzes bald die Ober-hand. — Der Prozeß des Königs „Ludwig Capet" war eine der ersten Hand-lungen des Nationalkonvents. In einer Wand der Tuilerien hatte man eineneisernen Schrank mit geheimen Briefen und Aktenstücken entdeckt, aus denenhervorging, daß der französische Hof nicht nur mit Österreich und den Emi-granten in Verbindung gestanden und mit ihnen Pläne zum Umsturz der vonLudwig beschworenen Verfassung entworfen, sondern daß er auch durch Jahr-gelder, Bestechung und andere Mittel einzelne Glieder der Nationalversamm-lung (z. B. Mirabeau) zu gewinnen gesucht. Darauf gründeten die Republi-kaner, die sich gern des Kömgs entledigen wollten, die Anklage auf Verrat undVerschwörung gegen Land und Volk. Unter dem Beistande zweier Rechtsan-wälte, denen sich aus freiem Antriebe der edle Malesherbes (Z. 460) an-schloß, erschien Ludwig zweimal vor dem Konvent (11. und 26. Dezember),aber trotz seiner würdevollen Haltung und Verteidigung und trotz der Be-mühungen der Girondistenparter, die das Urteil dem gesamten Volke anheim-gestellt wissen wollte, wurde Ludwig in einer stürmischen Sitzung mit der ge-ringsten Mehrheit zum Tode verurteilt. Die Partei des Bergs, wo derAdvokat Maximilian Robespierre, der ehemalige Marquis St. Just, derschreckliche Danton, der lahme Couthon und der Herzog von Orleans, derden Namen Bürger Egalits angenommen, die Leiter und Stimmführer wa-rm, hatte alle Mittel aufgeboten, um durch Schrecken dieses Resultat zu er-langen; aber sie wäre doch nicht zum Ziele gekommen, hätte sie nicht zuvor inder Versammlung den Beschluß durchgesetzt, daß zu einem Todesurteil nicht,wie bisher üblich, zwei Drittel der Stimmen erforderlich seien, sondern daßdie bloße Majorität genüge. So wurde die Ermordung in eine gerichtlicheForm gehüllt. Schon am 21. Januar bestieg der unglückliche König das Blut-gerüste auf dem Revolutionsplatz. Der Trommelwirbel der Nationalgardeübertönte seine letzten Worte, und „Robespierre's Weiber" begrüßten sein blu-tendes Haupt mit dem Ausruf: „Es lebe die Republik!" So wurden in jenenverhängnisvollen Tagen zwei große Verbrechen begangen, in Frankreich einKöniasmord, in Polen ein Volksmord.
8- 484. Dumouriez. Unterdessen waren die Preußen bereits über Loth-ringen in die Champagne eingerückt. Aber der Herzog von Braunschweig, andie langsame und bedächtige Kriegsweise des siebenjährigen Krieges gewöhnt,vergeudete die Zeit mit der Eroberung unbedeutender Festungen und betrat dieChampagne in der ungünstigsten Jahreszeit, als die Wege durch den Regen un-gangbar geworden und der Genuß ungesunder Nahrung und unreifer Früchtedas Heer schwächte und aufrieb. Nachdem Dumouriez den Argonner Waldbesetzt und Kellermann in der Kanonade bei Valmy mit Glück den An-griff der Feinde zurückgeschlagen, gab man daher im preußischen Heere den Planeines weiteren Vordringens auf. Nach sechstägigen fruchtlosen Verhandlungenmit Dumouriez traten die deutschen Truppen entmutigt und geschwächt denRückzug nach Verdun an, ohne von den Feinden verfolgt zu werden, und ver-ließen dann das französische Gebiet. Die Österreicher, die von den Nieder-landen aus vorgedrungen waren, hatten eben so wenig Glück. Nach der Schlachtvon Jemappes eroberte Dumouriez Belgien und Lüttich. deren Bewohnerdie Franzosen als Befreier von dem verhaßten Regimente Österreichs und desBischofs freudig aufnahmen, und rückte drohend an die Grenzen von Hollandvor, während der Husarengencral Custine sich der Städte am Rhein bemäch-tigte und die Festung Mainz, wo die Jdeeen von Freiheit und Gleichheit vieleAnhänger gefunden hatten, dem republikanischen Frankreich erwarb. Die Bür-