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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.

z. 486 .

reich von äußern und innern Feinden bedroht sei, die Volkskraft zu lähmenund die Republik zu Grunde zu richten, und als alle Angriffe an der siegendenBeredsamkeit der Girondisten zu schänden wurden, forderte Marat in seinemVolksfreund" die radikale Menge zum Aufstand gegen die Gemäßigten undLauen auf und bewirkte dadurch, daß alltägliche Volkserhebungen und Tumultedie Hauptstadt verwirrten, Leben und Eigentum gefährdeten. Alle rechtlichenund gemäßigten Leute schwebten in steter Gefahr. Umsonst setzten die Giron-disten durch, daß Marat vor Gericht gestellt ward; er wurde von den jakobr-

^vru nischen Geschwornen freigesprochen und von dem Pöbel im Triumph in denKonvent getragen; umsonst erwirkten die Girondisten die Ernennung einerKommission von Zwölfen, welche die Urheber der Tumulte erforschen undbestrafen sollten; als diese den Zeitungsschreiber Hebert, der in seinem ge-meinen, schmähsüchtigen Volksblatt pdro vuelmsuo die Masse zum Aufstandund Mord aufreizte, und einige seiner Genossen verhaften ließen, erzwäng der

- Mai tobende Pöbel ihre Freilassung, worauf der große Ausstand vom 31. Mar

- Jmu und 1. Juni veranstaltet wurde. Die Aufrührer machten den gebrandmarkten

Henriot, der früher Lakai, dann Schleichhändler und zuletzt 'Polizeispion ge-wesen war, zum Anführer der Nationalgarde. Unter seiner Führung umlager-ten dann die zahllosen Haufen derSansculotten" die Tuilerien, wo der Kon-vent seine Sitzungen hielt, und forderten laut und drohend die Aufhebung derKommission der Zwölfe (Decemvirn"), sowie die Ausschließung der Giron-disten und Gemäßigten. Vergebens boten diese die ganze Kraft ihrer Bered-samkeit auf, um die Versammlung zu bewegen, den Forderungen des Volkesnicht zu willfahren; der Pöbel drängte sich m den Saal und auf die Galerie,verlangte mit wildem Toben und Geschrei seine Opfer. Vergebens versuchtedie Mehrzahl der Versammlung, den mutigen Präsidenten Herault deSechelles an der Spitze, in Masse den Sitzungssaal zu verlassen, wo sie nichtmehr in Freiheit beraten könnten; von Henriot zurückgetrieben, blieb ihnennichts übrig, als in die Forderungen des Volkes und der Bergpartei zu willigenund die Herrschaft des Pöbels anzuerkennen. Vierunddreißig Girondisten wur-den sofort ausgeschlossen und in Haft gebracht; zwanzig von ihnen (darunterPätion, Guadet, Babaroux) entkamen und riefen die Bewohner der Bretagne,der Normandie und der Seestädte des Südens zu den Waffen gegen die Jako-

i. O». biner; die übrigen starben einige Zeit nachher auf der Guillotine. Die Ermor-

>- Suu j,ung Marats durch die edle, für wahre Freiheit begeisterte Charlotte Cor-day und ein areuelv oller Bürgerkrieg waren die nächsten Folgen dieser Ge-waltschritte. Auch die entflohenen Girondisten starben größtenteils einesgewaltsamen Todes durch eigene und fremde Hand. So Roland, Pätion,Barbaroux, Condorcet u. a. Auch Frau Roland blutete auf der Guillotine.Dreiundsiebzig Konventsglieder, die mit den Girondisten gestimmt hatten,wurden ebenfalls ausgestoßen, so daß jetzt die Demokraten des Bergs die Ver-sammlung gänzlich beherrschten.

8- 486. Die Schreckensherrschaft (Terrorismus). Durch die Ausschlie-ßung der Girondisten und Gemäßigten erlangte der Nationalkonvent größereEinheit, so daß er von da an eine furchtbare Kraft und Thätigkeit zu entfaltenvermochte. Um die vielseitigen Geschäfte leichter zu übersehen und zu leiten,teilte er sich in verschiedene Ausschüsse, unter denen der Wohlfahrtsausschußund der Sicherheitsausschutz durch die blutige Verfolgung aller Gegner derneuen Ordnung eine entsetzliche Berühmtheit erlangt haben. Ein aus zwölf