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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. Z. 501. 502
Mai
1800 .
v. Jmrt18 «».
6. Napoleon Gonapartes Machtherrschast.
I. Das Konsulat (1800-1804).
H. 501. Nach der Konsular-Verfassung war die Staatsgewalt auf fol"gende Art verteilt: 1. Dem aus achtzig Mitgliedern bestehenden Senat stand dieBefugnis zu, aus den Namenslisten, die von den Departementen eingesendet wurden,die Glieder der gesetzgebenden Macht und die obersten Beamten und Richter zu wäh-len. 2. Die gesetzgebende Gewalt zerfiel a) in das Tribunat, das hundertMitglieder zählte und die Vorschläge der Regierung zu prüfen und zu beraten hatte,und l>) in den gesetzgebenden Körper, der diese Vorschläge nur unbedingt an-nehmen oder verwerfen durfte. 3. Die Regierung bestand aus drei auf zehn Jahregewählten Konsuln, wovon der erste Konsul, Napoleon Bonaparte, dieeigentliche Regierungsgewalt ausübte, indes der zweite und dritte Konsul (Caw-bacörös und Lebrun) ihm nur als Ratgeber zur Seite standen. Als erster Kon-sul umgab sich Bonaparte mit einem Staatsrat und einem Ministerium, wozuer die talentvollsten und erfahrensten Männer ausersah. Talleyrand, der gewandteDiplomat, ward Minister des Äußeren; der erfahrene Fouchö besorgte die Polizei;Berthier leitete den Generalstab. Das französische Gesetzbuch, Code Napoleon^bei dessen Abfassung die hervorragendsten Rechtsgelehrten Frankreichs thätig waren,ist ein rühmlicher Beweis von den Einsichten des Staatsrats.
8.502. Marengo und Hohenlinden. Nach Einrichtung der neuen Ver-fassung schrieb Bonaparte eigenhändig an den König von England einen Bnes,worin er die Hand zum Frieden Lot; ebenso an den Kaiser. Aber der urMwöhnliche Schritt fand wenig Anklang; eine kalte, gemessene Antwort sprachvon Wiedereinsetzung der Bourbonen und von Rückkehr zu den alten Grenzen-Der Kontrast zwischen der scheinbaren Wärme, Offenheit und Großmut Na-poleons und der abweisenden Kälte der Kabinette von London und Wien er-zeugte bei den feurigen Franzosen hohe Begeisterung und Kampflust. Glück-licher war Napoleon in seinen Bemühungen, den russischen Zar auf seine Seitezu ziehen. Pauls Vorliebe für Soldaten und dessen Verstimmung über duÖsterreicher und Engländer, welche die gefangenen Rüsten nicht eintauschenwollten, wurden von Napoleon klug benutzt. Er schickte etliche Tausend dreierGefangenen, neu gekleidet und bewaffnet, ohne Lösegeld in dre Heimat zurück-Dadurch gewann er das Herz des bei aller Sonderbarkeit ritterlichen Kaisers,o daß dieser in freundschaftlichen Verkehr mit Bonaparte trat und sich voneinen früheren Bundesgenossen gänzlich lossagte. — Nun sammelte der ersteKonsul in aller Stille eine beträchtliche Truppenmasse in der Nähe des Genstr°eees und unternahm dann mit der Hauptarmes den kühnen Zug üb er>en großen St. Bernhard, indes andere Heerabteilungen über den Snn-plon. St. Gotthard und andere Pässe nach Italien drangen. Das kühne un-ternehmen mit seinen Beschwerden und Gefahren erinnerte an Hannibalsdenzeiten. Das Heer zog an dem zwischen Schnee- und Eisbergen gelegenHospiz vorüber in das Mußthal der Dora Baltea hinab, wo ihm das voden Österreichern besetzteFort Bard unüberwindliche Schwierigkeiten zu beretm schien. Allein Napoleons Geist fand Auswege. Auf einem Hirtensteig nver^schritten die Truppen die benachbarte Höhe, indes das Geschütz heimlich mList unter den Batterieen des Forts durchgeführt wurde. So kamen dü Franz -sen ganz unerwartet in Oberitalien an, in demselben Augenblick, da die Ostreicher auch noch Genua zur Ergebung gezwungen und somit imBeitzvganzen Landes waren. Aber die Lage der Dinge änderte sich bald. Fünf T önach Genuas Fall erlitten die Österreicher bei Montebello eine Nieder: g