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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.
schlössen wurde, fand heftigen Widerspruch im Lande. Die Presse erhob lautihre Stimme dagegen und nahm dabei einen feindseligen Ton gegen Napoleonan. Diese Angriffe reizten den ersten Konsul, der weder Tadel, noch Wider-spruch zu ertragen wußte; er antwortete durch die französische Staatszeitung(Moniteur) in gleicher Weise. Daraus ging eine gegenseitige Verstimmunghervor, die eine baldige Erneuerung des Kriegs erwarten ließ^ daher die Eng-länder mit der Räumung Maltas und der Ausführung der nachteiligen Frie-densbedingungen zögerten. Die Furcht vor Rußland war nun auch vorüber,seitdem Paul einen gewaltsamen Tod gefunden. Die Grausamkeit, die Will-kürmaßregeln und der finstere Argwohn dieses Kaisers hatten dergestalt zuge-nommen, daß an einer unheilbaren Zerrüttung seines Geistes mcht mehr zuzweifeln war. Es bildete sich daher in seiner Umgebung eine Verschwörung,deren Fäden der mächtige Graf Pahlen leitete. Infolge derselben wurdeKaiserPaul m seinemSchlafz'rmmer von Subow, Bennigsen u. a. überfallen und,als er die verlangte Thronentsagung weigerte, grausam erwürgt, und dann seinSohn Alexander zum Kaiser ausgerufen. Die Mörder trugen Lohn undEhre davon. „Die Krone, viel zu scheu, um zu strafen, wagte nicht einmal zuzürnen oder undankbar zu erscheinen." — Unter solchen Umständen war der^ Mai Friede von Amiens ohne Dauer. Nach Ablauf eines Jahres erklärten die Eng-länder von neuem Krieg, worauf Pitt wieder ins Ministerium trat. Kurzvorher hatte Napoleon auch die Schweiz in ein ähnliches Verhältnis der Un-KU* tergebenheit gebracht wie Holland und Italien. Durch die sogenannte Ver-mittlungsakte hatte er die Verfassung der helvetischen Republik dahinabgeändert, daß die Kantone wieder selbständig wurden, aber ein Landam-man und eine Tagsatzung den Bund als Gesämtstaat vertraten; es war so-mit um die Eidgenossenschaft ein bundesstaatlicher Verband geschlungen, „derzwischen Einheit und Besonderheit eine verständige Mitte hielt".
8- 504. Der neue Hos und das Konkordat. Bonaparte war anfangsbemüht, das Alte mit dem Neuen zu versöhnen, die Errungenschaft der Revo-lution mit den Sitten und Formen der königlichen Zeit zu verbinden. Sehrbald jedoch gab er seine Vorliebe für die alten Zustände durch die Wiederher-stellung aller früheren Einrichtungen und Gebräuche zu erkennen. Am Hofedes ersten Konsuls in den Tuilerien sah man bald wieder die ehemaligen Trach-ten und Moden, die Formen der alten Etikette, die Eleganz der königlichenZeit. Aristokratisches Wesen, vornehme Bildung und ferne Manieren galtenwieder als Vorzüge der guten Gesellschaft. Die geselligen Gaben seiner Ge-mahlin Josephine, die Schönheit und Liebenswürdigkeit seiner Stiefkinder(Eugen und Hortense Beauharnais) und seiner Schwestern kamen ihm dabeifördernd zu Hilfe *). Die Verminderung der Emigrantenlisten führte vieleRoyalisten in die Heimat zurück, und die Gunst, die ihnen erwiesen ward,machte sie willfährig und geschmeidig zum Dienst am neuen Hof. Frau vonStaSl (Neckers Tochter) versammelte wieder, wie in alter Zeit, einen Kreisgebildeter und berühmter Männer in ihrem Salon. Die Eitelkeit der Fran-zosen begünstigte Napoleons Streben; als er den Orden der Ehrenlegionerrichtete, müssen Republikaner und Royalisten begierig nach dem neuen Spiel-werk menschlicher Schwäche. — Eine der ersten Sorgen des Konsuls war dieWiederherstellung des christlichen Kultus in den französischen Kir-chen. Nachdem er dre republikanischen Feste (10. August; 21. Januar) abge-15. JE schafft und die Feier des Sonntags wieder eingeführt, wurden UnterhandlungenStaats- mit dem römischen Hof eingeleitet, die endlich den Abschluß des Konkordatsis^Avnl bewirkten. Durch dieses Konkordat verlor die französische Geistlichkeit ihre frü-1502- here unabhängige Stellung und wurde dem Oberhaupt der Kirche wie dem Be-