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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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363
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8- 507. Napoleon Bonapartes Machthcrrfchaft (Austerlitz. Preßburg). 36A

hatte, darum beugte man sich williger unter ihn; und wie sehr auch die harteKonskription, die strenge Handelssperre und die hohe Besteuerung aufdas Volk drückten, man trug die Lasten leichter, weil manche Errungenschaftender Revolution, Gleichheit vor dem Gesetze, Eigentumsrecht des Bauern an Grundund Boden, Religionsfreiheit und andere Güter unangetastet blieben. Die In-dustrie machte große Fortschritte, bürgerliche Künste und Gewerbe nahmeneinen gewaltigen Aufschwung; ein seltener Wohlstand machte sich allenthalbenbemerkbar. Großartige Straßen, wie die über die Alpen, Kanäle, Brücken undAnlagen aller Art sind noch heut zu Tage sprechende Denkmale von der rast-losen Thätigkeit dieses merkwürdigen Mannes. In Paris erhoben sich glän-zende Paläste, majestätische Brücken und Prachtvolle Straßm. Im Louvre waralles vereinigt, was die Kunst irgendwo Großes und Herrliches geschaffen hatte,,die französische Hauptstadt prangte in nie gesehener Pracht. Die Universitätwurde auf großartigstem Fuße eingerichtet und zur obersten Aufsichts- undStudienbehörde über das ganze Unterrichts-und Schulwesen aufgestellt. DerRuhm, der von dem Kaiser der Nation verliehen wurde, machte dieser jedesJoch leicht; sie vergaß, daß unter dem Geräusche der Waffen und unter demSchall der Trompeten die Sprache der Freiheit verhallte, daß der hochtra-bende Ton der Schlachtberichte (Bulletins) wie die Prunkreden des Senats-Und des gesetzgebenden Körpers Wahrheit und Aufrichtigkeit vertilgten.

2. Austerlitz. Preßburg. Rheinbund.

8- 507. Die Engländer benutzten den Wiederausbruch des Krieges mitFrankreich, um holländische und französische Schiffe unerwartet wegzunehmen,und suchten dann Rußland und Österreich zu einem neuen Kriegsbund (Koa-lition) zu bewegen. Napoleon dagegen ließ ferne Truppen an die Weser rücken,um das dem englischen Könige zugehörige Kurfürstentum Hannover zu be-setzen. Das hannöversche Volk und Heer war entschlossen, Gut und Blut andie Verteidigung des Vaterlandes zu setzen, aber der selbstsüchtige Adel und dieBeamten zogen eine schmachvolle Kapitulation, die das ganze Land bis an dieElbe den Franzosen preisgab, einem ehrenvollen Kampfe vor. Knirschend mußtesich die tapfere Armee zuerst über die Elbe zurückziehen und sich dann auflösen.Waffen, Kriegsvorräte und treffliche Pferde kamen in die Hände der Franzo-sen, die nunmehr das Land mit ihren Truppen beseht hielten und durchSteuern und Lieferungen aussagen. Viele vaterländisch gesinnte Männer derhannöverschen Armee traten in englische Kriegsdienste, wo sie in den Reihenderdeutschen Legion" ihre angestammte Tapferkeit m manchen Gefechten fernbon der Heimat bewährten. Die drohende Haltung, die Napoleon von Han-nover aus gegen den ganzen Norden annahm, so wie sein eigenmächtiges Ver-fahren in Holland, Italien und andern Ländern flößte den andern MächtenBesorgnisse ein. In Italien wurde nicht nur die italienisch e Repub lrk m einKönigreich Italien umgewandelt und als Stellvertreter des Kaisers sein Stief-sohn Eugen Beauharnäis zum Vicekönig gesetzt, sondern Napoleon vergrößertedasselbe auch durch Beifügung von Parma und verlieh Lucca seiner an denKorsenBacciochi vermählten'SchwesterElisa. Auch in Spanien und Deutsch-land handelte Napoleon willkürlich und eigenmächtig. Aus diesen und andernUrsachen verbanden sich Rußland, Österreich und Schweden mit England3sgen Frankreich und erneuerten den Krieg mit großer Anstrengung. Auch inPreußen war eine starke Partei, an deren Spitze die hochsinnige KöniginAnise und der tapfere, lebensfrohe und geniale Prinz Ludwig Ferdinandstanden, für den Anschluß an die verbündeten Mächte Wider Napoleon; aber diedrei französisch gesinnten, alles Vaterlandsgefühles ermangelnden Minister

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