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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. H. 503. 509.

« Okt,I8«S.

Haugwitz, Lucchesini und Lombard besaßen noch das ganze Vertrauendes unschlüssigen, friedliebenden Königs. So blieb Preußen zu seinem Ver-derben neutral.

8- 508. Während die Aufmerksamkeit von ganz Europa nach der WestküsteFrankreichs gerichtet war, wo Napoleon Schiffe aller Art mit großer Thätig-keit ausrüsten ließ und ein gewaltiges Heerlager in Boulogne sammelte, um,wie man glaubte, eine Landung an der englischen Küste zu unternehmen, trafer in aller Stille seine Anstalten zu dem denkwürdigen Feldzuge von 1805.Nie strahlte Napoleons Feldherrntalent und militärisches Genie m glänzende-rem Lichte, als bei der Entwerfung dieses Kriegsplans. Des Beistandes dermeisten süddeutschen Fürsten versichert, setzte er im Herbste mit sieben von denerfahrensten Feldherren, wie Neh, Lannes, Marmont, Soult, Muratu. a., befehligten Heerabteilungen über den Rhein und rückte in Schwaben ein,indes Bernadotte, ohne Rücksicht auf Preußens Neutralität, durch das Ge-biet der brandenburgischen Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth nach der Jsarvordrang. Diese Verletzung der neutralen Stellung beleidigte den König Fried-rich Wilhelm III. dermaßen, daß er sich jetzt den Verbündeten näherte und einedrohende Haltung gegen Napoleon annahm, ohne jedoch ausdrücklich den Kriegzu erklären. Dagegen verstärkten die Kurfürsten von Baden,Württembergund Bayern mit ihrenTruppen dieHeere des übermächtigen Feindes, von dessenGunst sie eben so viel zu hoffen als von seinem Zorn zu fürchten hatten. Ähn-liches thaten die Herzoge von Hessen, Nassau u.a. Nach dem glücklichenTreffen, das Ney bei Elchingen bestand, wurde der österreichische OberaeneralMack in Ulm eingeschlossen und von dem Hauptheer abgeschnitten. Ratlosund an aller Rettung verzweifelnd, knüpfte der unfähige Feldherr mit denro. O». Franzosen Unterhandlungen an, welche die schmachvolle Kapitulation Von UlMzur Folge hatten. Durch diesen Vertrag gerreten 23 000 Österreicher, darunter18 Generale, in Kriegsgefangenschaft. Beschämt zogen die tapfern Krieger anNapoleon vorüber, streckten das Gewehr vor dem Sieger, legten 40 Fahnenvor ihm nieder und überlieferten ihm 60 bespannte Kanonen. Zu spät sah manin Wien ein, daß Mack der hohen Stelle nicht gewachsen sei, und ließ ihn durchein Kriegsgericht seiner Ehren, Würden und Dienstvorteile berauben. Napo-leons Freude über das unerhörte Glück wurde jedoch gemindert durch den gleich-er- c>it. zeitigen Seesieg der Engländer bei Trafalgar, welcher die ganze französischeFlotte vernichtete, aber auch dem großen Seehelden Nelson den Tod brachte.

8- 509. In Preußen erlangte seit der Verletzung des neutralen Gebietesdurch Bernadotte die Kriegspartei die Oberhand. Der König erneuerte mit demempfindsamen Kaiser Alexander in der Garnisonskirche zu Potsdam überFriedrichs des Großen Sarg, in einer nächtlichen Stunde, den Bund ewigerFreundschaft, und schickte dann Haugwitz mit drohenden Forderungen anNapoleon. Der französische Kaiser zog unterdessen längs der Donau den öster-reichischen Staaten zu, nicht ohne viele blutige Kämpfe, von denen besondersii. N°v. Treffen von Dürrenftein und Stein Wider die Russen unter Kutusowund Bagration von Bedeutung war. Fandm die Franzosen bei dieser Ge-legenheit in den Russen tapfere und umsichtige Gegner, so hatten sie in Öster-»r. N°«. reich selbst um so leichteres Spiel. Murat bemächtigte sich der HauptstadtWien ohne alle Mühe, und der Fürst von Auersperg, der die befestigte und mitPulver gefüllte Donaubrücke verteidigen oder in die Lust sprengen sollte, ließsich durch die kecke List der französischen Befehlshaber und durch vorgespiegelteFriedensunterhandlungen dermaßen berücken, daß er die Brücke unversehrt undunverteidigt den Feinden überließ. Die Unschlüssigkeit des Kaisers Franz unddie Uneinigkeit der Österreicher und Russen erleichterte den Franzosen, die nun-

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