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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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§- 514. Napoleon Bonapartes Machtherrschaft (Tilsit. Erfurt).

llche Mißkennung seiner Stellung und feiner Kräfte, daß fein Geist sich ineinem zerrütteten Zustande befand. Durchdrungen von der Heiligkeit der Königs-ivürde, versagte er dem Beherrscher Frankreichs den Kaisertitel und nannte ihnnur „General Bonaparte"; in religiöser Schwärmerei befangen, glaubte ersich von der Vorsehung berufen, dieBourbons wieder einzusetzen und das „Tierder Offenbarung" (Napoleon) zu stürzen. Er ging in seinem Haß gegen Napo-leon so weit, daß er Preußen und Rußland, weil sie mit dem Usurpator Frie-den geschlossen, durch Zurücksendung ihrer Orden und Verweisung ihrer Ge-sandten aus Stockholm tödlich beleidigte. Durch dieses wunderliche Betragenzog er über sich und sein Volk unsägliches Unglück herab. Die Franzosen er-oberten Stralsund und die Insel Rügen, indes die Russen mitHeeres-wacht in Finnland eindrangen und sich des Landes bemächtigten. Das Be-mühen des französischen Kaisers, durch die Kontinentalsperre den bri-tischen Handel zugrunde zu richten, machte den schwedischen Krieg für dieEngländer zu einer wichtigen Angelegenheit. Sie mußten fürchten, die Fran-zosen möchten an der Ostsee festen Fuß fassen und durch Sperrung des Sundesdie englischen Schiffe von dem Verkehr mit den dortigen Küstenländern aus-schließen. Sie stellten daher an Dänemark den Antrag, sich mit ihnen zuverbinden und seine stattliche Flotte ihnen in Verwahrsam zu geben. DieseZumutung wurde mit Entrüstung abgelehnt. Da erschien eine englische Kriegs- ^ ^ 5,statte im Sund, beschoß Kopenhagen, legte einen Teil der Stadt in Asche und S-pt.führte die ganze dänische Seemacht als Beute weg. Dieser Bruch des Völker-rechts erzeugte eine solche Erbitterung in Dänemark, daß sich der im Namenseines geisteskranken Vaters regierende Kronprinz Friedrich (8- 461) enge anFrankreich anschloß und den Engländern und ihrem Bundesgenossen, demSchwedenkönig, den Krieg erklärte. Um diese Zeit waren Alexander und Na-poleon im Bunde. Sie hielten die berühmte Zusammenkunft in Erfurt, wo ^1808.'der ganze Glanz europäischer Herrlichkeit entfaltet wurde und wo vier Königeund 34 Fürsten aus Deutschland sich einsanken, um dem Gewaltigen ihre Hul-digungen darzubringen. Hier versprachen die beiden Kaiser einander, sich inihren Eroberungsplänen keine Hindernisse zu bereiten, so daß Napoleon inSpanien (H. 515), Alexander in Finnland sowie in der Moldau undWalachei freie Hand haben sollte. Nun wurde das schwedische Reich vonollen Seiten bedroht. Die Russen näherten sich bereits der Hauptstadt, dieDänen und die unter Napoleon dienenden fpanifchenTrüppcn unterLa Romana standen auf der Grenze; das schwedische Heer und Kriegswesentvar im erbärmlichsten Zustande; die hohen Steuern konnten von dem erschöpf-ten Lande nicht aufgebracht werden; und dennoch wies der König alle Frie-densvorschläge starrsinnig zurück. Da bildete sich in der Hauptstadt und imHeer eine Verschwörung, infolge deren Gustav IV. im Schlosse gewaltsam ver-haftet, zur Thronentsagung gezwungen und dann auf ein altes Jnselschloß ge-bracht wurde. Hierauf erklärte der Reichstag GustavIV. undalleseineNachkommen des Thronsv erlustig, rief dessen Oheim als Karl XIII.zum König aus und beschränkte die monarchische Machtvollkommenheit. Dieserllmwälzung folgte ein Friede, worin Finnland und die Aalandsinseln denNüssen verblieben. Die bei dem kinderlosen Alter des Königs notwendige Wahleines Thronfolgers fiel anfangs auf einen holsteinischen Prinzen, und als dieserplötzlich starb, auf den Marschall Bernadotte (Ponte-Corvo), welcher sich impreußischen Kriege durch sein menschenfreundliches Benehmen gegen die schwe-dischen Truppen viele Freunde unter den Offizieren gewonnen. Bernadotte 21. m,g.PUrde, mit Napoleons ungern erteilter Bewilligung, zum schwedischen-Thronfolger erklärt und nach seinem Übertritt zur lutherischen Kirche von

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