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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Z. 514.

Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.

Freund und Waffengenossen Alexander, der alsbald ein russisches Heer unterBennigsenund andern Führern nach Ostpreußen abschickte, um die Fran-zosen vorn Übergang über die Weichsel abzuhalten. Da erließ Napoleon, an-geblich in Kosciuszkos Namen, einen Aufruf an die Polen, worin diesesmißhandelte Volk aufgefordert ward, zum Kampf für Freiheit und Unab-hängigkeit auszuziehen. Bereitwillig brachten die Polen die größten Opferund verstärkten die Reihen der Franzosen mit ihren tapfern Kriegern, die Ge-neral Dombrowski in eigene Bataillone und Regimenter formierte. Unter»sU"' dem Jubel des Volks zog Napoleon in Warfchau ein, aber nur zu bald merk-ten die Polen, daß der fremde Gebieter mehr auf Befriedigung seines Ehrgeizesund seiner Herrschsucht, als auf Wiederbelebung ihres Reiches bedacht sei.Mörderische Schlachten wurden nunmehr an den Ufern der Weichsel geliefertund bei Pultusk undMohrungenStröme von Blut vergossen. Wer derHauptschlag geschah in der Schlacht von Preutzisch-Eylau, wo der Kriegsmutder Franzosen, Russen und Preußen einen Kampf erzeugte, der an Menschen-verlust den blutigsten Ereignissen der Weltgeschichte gleichkommt. Beide Teilesprachen den Sieg an, und die Anstrengung und Erschöpfung war so groß, daßder Krieg eine viermouatliche Unterbrechung erlitt. Während dieser Zeit wur-den neue Unterhandlungen eingeleitet; allein so sehr auch der mit seiner Fami-lie in Memel weilende König die Beendigung des Krieges wünschte, um seinVolk von den furchtbaren Bedrückungen der Franzosen zu befreien, so war er-och zu redlich, feine Sache von seinen Bundesgenossen zu trennen. Aber alsauch die schlesischen Festungen an der Oder, Glogau, Brieg, Schweidnitzund Breslau, durch die Feigheit der Befehlshaber in die Hände der Fran-25 Mai. zosen kamen, und selbst Danzrg von dem tapfern Kommandanten Kalkreuthdem Marschall Lefebvre übergeben werden mußte, da verlor der König allesVertrauen auf einen glücklichen Ausgang. Als nun nach Wiedereröffnung desKriegs die Franzosen, am Jahrestag von Marengo, über die Rüsten in deri«.Ju»i. Schlacht von Fricdland einen glänzenden Sieg erfochten und Königsberg be-setzten, da hielten es die verbündeten Monarchen für ratsam, nach einer persön-7. ris g. lichen Zusammenkunft mit Napoleon auf dem Niemen (Memel), in den Frie-Axli- den Von Tilsit zu willigen, so drückend auch dessen Bedingungen waren. Durchdiesen Frieden verlor Friedrich Wilhelm die Hälfte feiner Staaten; er mußtein die Abtretung aller Länder zwischen Rhein und Elbe, in die Gründung einesHerzogtums Warschau unter der Oberhoheit des Königs von Sachsenund m die Erhebung Danzigs zu einem Freistaat willigen, und die unerhörteSumme von 150 Millionen Thaler als Kriegsentschädigung genehmigen. Dievon Preußen abgetretenen Gebiete nebst Kurhessen, Braunschweig und Süd-Hannover vereinigte Napoleon zu einem neuen Königreich Westfalen mit derHauptstadt Kassel und setzte daselbst seinen jüngsten Bruder Hieronymus(Jerome) zum König ein, mit der Verpflichtung, als Genosse des Rheinbundesdem Kaiser westfälische Truppen zu stellen und ihm die Hälfte des Ertrags derKammergüter abzugeben.

Z. 514. Austerlitz und Jena hatten die Macht von Österreich undPreußen gebrochen, so daß jetzt die Geschicke Europas nur noch von Frank-reich, England und Rußland gelenkt wurden. Diese drei Großmächtewaren darin einig, daß sie nur das Recht achteten, dem die Kraft der Selbst-verteidigung beiwohnte, wie die Vorgänge in Schweden und Dänemark be-wiesen. König Gustav IV. von Schweden nämlich trat dem Frieden vonTilsit nicht bei, sondern fetzte, von England unterstützt, den Krieg allein gegenNapoleon fort. Erkannte man anfangs in seinem Benehmen Charakterstärkeund Großmut, so zeigte doch bald fein grenzenloser Eigensinn und die gänz?