8- 516.517. Napoleon Bonapartes Machtherrschaft (Spanienu. Portugal). 371
Are durch Verbesserung des Gerichtswesens und der Verwaltung das spanischeAvlk für die neue Ordnung zu gewinnen. Aber der furchtbare Aufstand in ^M-uMadrid, wobei noch vor Beendigung des Ränkespiels in Bahonne gegen1200 französische Krieger erschlagen wurden, bewies, daß die Nation sich dersrerndenZwingherrschaft nicht so leicht fügen werde, wie das kraftloseKöniqshaus.
8.516. Noch ehe Joseph, nach Abtretung des Königreichs Nea-pel an seinen Schwager Murat, seinen feierlichen Einzug in MadridMlt, hatten sich in verschiedenen Städten Junten gebildet, die als proviso-Ache Regierung die Leitung der Dinge in die Hand nahmen und dem neuenKönig den Gehorsam versagten. Bewaffnete Scharen unter kühnen FührernAenten ihnen zum Schutz und begannen, begünstigt durch die Schluchten und-öerghöhen ihres Landes, den Bandenkrieg („Guerilla") Wider die fran-zösischen Truppen. Während die Gebildeten und Aufgeklärten der neuen Ord-nung, die ein freies Staatsleben gewährte, mehr zugethan waren, als der un-umschränkten Königsgewalt und Priesterherrschaft der alten Zeit, und darumms „Josephinos" angefeindet wurden, folgte die große Masse des Volksblindlings den Eingebungen der fanatischen Mönche und Geistlichen, denen diekirchenschanderischen Franzosen ein Greuel waren. Zwar besaßen NapoleonsHeere Macht genug, den König und seine Minister in Madrid zu halten, aberihre Gesetze galten nur so weit, als französische Waffen ihnen Nachdruck gaben.
Die entlegeneren Städte und Landschaften folgten teils den Junten, die inder Central-Junta vonSevilla ihren Mittelpunkt hatten, teils han-delten sie auf eigene Hand und erkannten gar keine Regierung an. Allein ge-rade die Anarchie rettete Spanien in diesen sturmvollen Jahren, weil bei demMangel einer einheitlichen Regierung jede einzelne Stadt und Landschaft be-sonders erobert werden mußte, was den Krieg ins Endlose verlängerte. Er-staunt blickte Europa auf den Kampf eines Volks, das für seine Nationalitätund Unabhängigkeit, für seine alten Sitten und Religionsgebräuche, für seinenAberglauben und seine gewohnten Einrichtungen mutig in den Tod ging. DieBandenführer mit ihren tapfern, aber zuchtlosen Scharen vermieden die offeneFeldschlacht; ihre Stärke bestand in unvermuteten Überfällen und im „kleinenKriege". Und während die Franzosen in diesen vereinzelten Kämpfen und beiben Belagerungen der wohlverteidigten Städte ihre Kraft zersplitterten, be-gannen die Engländer, unterstützt von den Eingeborenen in der pyrenäischenHalbinsel, den ersten erfolgreichen Landkrieg gegen Napoleon. — AnfangsAaren die französischen Waffen siegreich. Bessiöres schlug bei Rio Seccome ungeübten Truppen der Spanier zurück, und es schien, als ob auch dieSchilderhebung des spanischen Volks nur die Triumphe des kriegskundigenKaisers vermehren sollte; — da erscholl die Kunde von Duponts Kapitu- 22 . J«ulation bei Wahlen (in Andalusien), durch welche 20000 Franzosen inKriegsgefangenschaft gerieten und elendiglich umkamen. Dieser Sieg erfüllteAe Nation mit Begeisterung und Kampflust; Joseph verließ Madrid, die fran-zösischen Heere zogen sich über den Ebro zurück; und als bald darauf die Nach-Acht eintraf, daß auch in Portugal die Franzosen den Engländern unter Wel-le s l e y (Wellington), Moore und anderen Generalen hatten weichen müssen,
*chd ein ähnliches Schicksal wie Duponts Armee würden erfahren haben, wennAcht die Engländer durch die übereilte Kapitulation von Cintra denpuppen Junots freie Überfahrt nach Frankreich zugestanden hätten, da schienSache der Franzosen in der pyrenäischen Halbinsel verloren.
. 8- 517. Jetzt rückte Napoleon an der Spitze eines mächtigen Heeres selbst
A Spanien ein. Die ungeübten Truppen der Insurgenten, die ohne Kriegs-man dem größten Schlachtcngewinner entgegentraten, wurden in mehreren
24*
I«. JuU1808.
M. Aug.1808.