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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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379
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8- 528. Der deutsche Befreiungskrieg und Napoleons Sturz. 379

Soldaten; über 30000 wehrlose Nachzügler folgten ohne Zucht, Ordnung undFührung den Spuren der Vorangegangenen, ein Bild des Jammers und Ent-setzens. Und doch begann das größte Elend erst hier, weil durch fehlerhafteAnordnung die erwartete Zufuhr von Waffen, Kleidern und LebensmittelnM in Smolensk nicht vorfand, und die Feinde in verstärkter Zahl den Ziehen-den den Weg verlegten. Der Held des Rückzugs, war Ney, der Führer dericachhut, derTapferste der Tapfern". Sein Übergang über den gefrornen,aber teilweise aufgetauten Dnepr zur Nachtzeit war eine der kühnsten Kriegs-shaten, deren die Weltgeschichte gedenkt. Am 25. Novbr. gelangte das Heer anden ewig denkwürdigen Fluß Beresina. Im Angesicht der feindlichen Armeewurden zwei Brücken geschlagen und der kleine Rest, der sich noch in Reih undMied bewegte, unter unzähligen Gefahren hinübergeführt, aber gegen 18000Nachzügler, die nicht zeitig genug ankamen, fielen in die Hände der Feinde.

Wie viele in den kalten Fluten des Flusses zwischen den Eisschollen ertranken,aber bei dem entsetzlichen Gedränge zertreten und zerdrückt wurden, konnte nie-^ ^ 2 »Wand berechnen. Nach dem Übergang über die Beresina hatte Napoleon noch Novbr.'v000 kampffähige Soldaten. Neh war der letzte Mann der Nachhut. HalbEuropa hatte zu trauern. Am 3. Dezember erließ Napoleon das berühmte29. Bülletin, das den harrenden Völkern, die feit Monaten ohne Nachrichtgeblieben waren, die Kunde brachte, daß der Kaiser gesund, die große Armeeaber vernichtet sei. Zwei Tage später übergab er den Oberbefehl an Muratund eilte nach Paris, um neue Rüstungen anzuordnen.

1812 .

v. Auflösung des französischen Kaiserreichs undBegründung neuer Zustande.

!. Der deutsche Befreiungskrieg imd Napoleons Sturz.

. H. 528. Tallcyrands angebliche Äußerung, daß der russische FeldzugderAnsang vom Ende" sei, erwies sich bald als wahr. Zwar ergänzte eine»rückende Konskription wieder die Lücken im französischen Heer, aber der Glaube?u Napoleons Unüberwindlichkeit war verschwunden und die frischen, ausjungen, ungeübten Leuten gebildeten Armeeen traten einem Feinde gegenüber,um teils der errungene Sieg, teils das neuerwachte Gefühl der VaterlandsliebeA Großthaten begeisterte. Schon am 30. Dezember hatte der preußische Ge-Ueral Hork, der unter Macdonald an der Ostseeküste stand, mit dem russischenMdherrn Diebitsch eine Übereinkunft geschlossen und war mit seinen Truppen»vrn weiteren Kampfe abgestanden. Diese That wurde zwar in Berlin öffent-M mißbilligt, aber des Königs Reise nach Breslau, wo sich viele vaterlän-Uche Männer um ihn sammelten, war der erste Schritt zu einem Bunde mitAußland, der unter Steins thätiger Mitwirkung schon im Februar zustandeDie grenzenlose Mißhandlung Preußens hatte in der Nation einen sol-MN Groll gegen die fremde Zwingherrschaft erzeugt, daß des KönigsAufruf n. Mär,"U mein Volk" zu freiwilliger Bewaffnung eine unglaubliche Kampflust her-MLrachte. Die Begeisterung ergriff alle Stände und Alter. Jünglinge undMänner entzogen sich den gewohnten Beschäftigungen und den Kreisen der Lie-, um der Befreiung des Vaterlandes ihre Kräfte zu widmen. StudentenAd Lehrer verließen die Hörsäle, Beamten ihre Stellen, junge Edelleute denUerlrchen Wohnsitz, sie ergriffen Flinte und Tornister und stellten sich als ge-»eine Krieger in eine Reihe mit dem Handwerker, der aus der Werkstätte aus-zogen, und mit dem Bauer, der die Pflugschar mit dem Schwerte vertauscht

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