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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. Z- 537. 538.
in ehrendem Andenken, indes die Schmach, die Bourmont durch seinen Ver-rat und Grouchy durch seine zweideutige Haltung auf sich luden, durch keine !Schutzreden getilgt werden konnte. — Bleich und verwirrt ließ sich Napoleonvon Soult aus der Schlacht führen und eilte nach Paris. Mit dem Gluckschien auch die alte Spannkraft und die Gabe der raschen Erfindung von ihm .gewichen zu sein. Bald wurde die Flucht allgemein; alles Geschütz fiel in dieHände des Feindes; nur der vierte Teil der braven Armee vermochte sich zu Iretten. Groß war der Ruhm der Preußen und Engländer, durch deren todes- !mutigen Kampf das Schlachtfeld von Waterloo das Grab des französischenKaiserreichs geworden. .. i
Z. 537. Die Kammern in Paris, worin Fouch 6 ein frevelhaftes Spulvon Trug und Ränkesucht spielte, stellten nunmehr an den zurückgekehrten Kaiserdie Forderung, daß er dem Thron entsage. Nach einigem Widerstreben fügtesich der gebeugte Herrscher diesem Ansinnen; er legte die Regierung nieder zuGunsten seines Sohnes Napoleon II. und flüchtete sich dann, als der siegreicheFeind zum zweitenmal vor den Mauern von Paris erschien, nach Rochefort,um sich nach Amerika zu begeben. Da die Engländer den Hafen besetzt hielten,suchte er im Vertrauen auf die Großmut des britischen Volkes auf einem ihrerSchiffe (Bellerophon) Schutz. Aber die Staatsmänner, die damals das Ruderführten, hatten für die gefallene Größe kein Mitleid. An Englands Küste an-gelangt, erhielt Napoleon die Schreckensnachricht, daß er als Staatsgefangenersein Leben auf der Insel Sankt Helena zu beschließen habe. Alle Protesta- -tionen waren umsonst; am 18. Oktober landete er an dem Orte seiner Ver-bannung, mitten im großen stillen Weltmeer.
Hier lebte Napoleon, ein gefesselter Prometheus, getrennt von den Seinen, wngesundem Klima und unter der strengen Wache des unfreundlichen StatthaltersHudson Lome. Wenige Freunde, darunter General Bertrand mit seiner Familie,Gourgaud, Montholon, Las Cafes, teilten seine Verbannung. Gram überseinen Sturz, Mangel an gewohnter Thätigkeit und Ärger über die unwürdige Be-handlung brachen seinen starken stolzen Geist vor der Zeit. Nach sechs peinvollen !Jahren fand er im Grabe die Ruhe, die ihm im Leben fremd geblieben. Er starbam 5. Mai 1821. Seine Asche wurde später (1842) nach Paris gebracht und unJnvalidenhotel beigesetzt.
8. 538. Nach Napoleons Abdankung wurde eine provisorische Regie-rung unter FouchSs Leitung eingerichtet. Diese schloß mit Wellington undBlücher eine Übereinkunft, daß niemand seiner Thaten und Meinungen wegenbestraft werde, und übergab dann die Hauptstadt. Wenige Tage nachher zogen2 ; JE dix Bourbonen unter fremden Bajonetten abermals in die Tuilerien ein-DaS Volk war still und teilnahmlos. Die Armeeen wurden entlassen, duKammern aufgelöst und durch eine Reihe von Proskriptionen eine Anzahl ^Männer, die hisher die Geschicke Frankreichs und seiner Heere gelenkt hatten,teils ihrer Ämter beraubt, teils in die Verbannung gestoßen, teils Wie RkNund Labedoyöre, zum Tode verurteilt. Die verbündeten Monarchen ,schlugen abermals ihren Wohnsitz in Paris auf und waren den Bourbonen ve .
der Gründung der neuen Ordnung behilflich. Endlich, als die Restauration j
M. N°v. gesichert schien, kam der zweite Pariser Friede zustande, in welchen! FrankMwauf die Grenzen von 1790 beschränkt ward, alle geraubten Schätze der KEund Wissenschaft den früheren Eigentümern zurückerstatten, 700 MlllwneFranken Kriegsentschädigung zahlen und in 17 Grenzfestungen ein Bundes hevon 150000 Mann unterhalten mußte. Drei Jahre lang blieben diesatzungstruppen in den französischen Festungen. ^
Labedoyöre und Ney wurden von dem Pairshof zum Tode verurteilt ur j