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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8- 539. 540.

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Der heilige Bund und die Parteistellung.

erschossen. Die Hinrichtung des ruhmgekrönten Marschalls von der Moskwa, der beiseiner Erschießung mit militärischem Geiste selbst kommandierte, galt für eine Ver-letzung der mit Wellington abgeschlossenen Übereinkunft und zog dem Pairshof großeSchmach zu. Auch Lavalette, der als Direktor der Posten für Napoleons Wieder-einsetzung gewirkt, wurde zum Tode verdammt, aber durch seine treue Gattin aus demKerker gerettet. Unter den Verbannten befanden sich alle Glieder der napoleonischenFamilie; die Feldherren und Staatsmänner, die sich während der hunderttägigenRegierung an Napoleon angeschlossen, wie Soult, Maret, Thibaudeau, Mouton u. a.,und endlich alleKönigsmörder", d. h. die Konventsglieder, die für Ludwigs XVI.Tod gestimmt; in dieser Zahl war auch Fouchä begriffen, der daher genötigt wurde,das ihm von den Bourbonen anfangs gelassene Amt eines Polizeiministers nieder-legen und sich ins Ausland zu begeben. Dasselbe thaten auch Carnot, Sieyes,«ambacörss u. a. Die meistm nahmen ihren Wohnsitz in Brüffel. Fauchnbegab sich anfangs als Gesandter nach Dresden und beschloß dann sein ereignis-volles Leben zu Trieft am 25. Dezember 1820. Carnot starb zu Magdeburg amAugust 1823. Berthier, welcher bei Napoleons Wiederkehr sich zu seinemSchwiegervater nach Bamberg begeben, war unter den heftigen Aufregungen underschütternden Wechselfällen in Geisteszerrüttung gefallen und hatte sich am 1. Juni1815 durch einm Sturz vom Balkon des Bamberger Schlosses selbst den Tod gegeben.

L. Europa unter dem Einfluß der MetternichschenErhaltungspolitik.

1. Der heilige Sund und die Parteistellung.

§ 539. Durch die Revolution und Napoleons Militärherrschaft war dieMNze eurnNHisckp bis in dip buchst?« Kibkiblen dilrrb borte Kckück-

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vewegung deutete auf das Walten einer höhern Macht hin, die jedes frevelhafte

pachten, jedes vermessene Selbstvertrauen zu Falle bringt. Religiöses Gefühlkehrte in die Herzen der Menschen zurück und bewirkte, daß in den höhernKreisen Frömmigkeit und christlicher Glaube die Oberhand erlangten. Durch-drungen von diesem Gefühle, schloffen die drei verbündeten Monarchen Alexan-der von Rußland, Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Franz vonÖsterreich vor ihrem Abgänge von Paris den heiligen Bund, dem dann alleeuropäischen Souveräne, mit Ausnahme des Papstes und des Königs von Eng-land, beitraten. In diesem ohne Rücksicht auf Konfessionsunterschiede gestiftetenHEgen Bunde gelobten die drei Herrscher,gemäß den Worten der heiligenSchrift, die allen Menschen befiehlt, sich als Brüder zu lieben, durch die BandeAr wahren und unauflöslichen Bruderliebe verbunden zu bleiben, sich stets^erstand und Hülfe zu leisten, ihre Unterthanen als Familienväter zu beherrschen.

^ der See schöne^Bund wurde bald das Werkzeug einer freiheitgefährdendenStaatskunst, die vermittelst der Religion das unumschränkte Fürstenrecht und

Staatskunst, die vermittelst der Religion das unumschränkte Fürstenrecht undAe Allgewalt der Regierung zu heben und die Lehre von der Volkssouveränitätiowle die darauf beruhenden demokratischen und konstitutionellen Verfassungen

^ Zerdrücken suchte. Indem somit die heilige Allianz sich des Christentums^ Agründung reaktionärer Maßregeln bediente, zog sie dem ganzen Werkeven Vorwurf der Heuchelei und den Haß der Völker zu.

540. Während die Fürsten und Regierungen im allgemeinen nach un-