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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. Z. 544. 545.
alten Zeit zurück. Adel und Klerus erlangten ihre Steuerfreiheit wieder; dieKlöster wurden hergestellt, die Jesuiten dürften einziehen, die Inquisitionkehrte zurück und mit ihr die Folter und alle Schrecknisse einer finstern Zeit-Eine fürchtbare Verfolgung erging nicht nur über alle Anhänger Frankreichs(Afrancesados), über alle, die unter Joseph ein Amt bekleidet oder ihm irgend-wie gedient hatten, sondern auch über die Häupter und Anhänger der Cortes,über die Bandensührer, die für König und Vaterland ihr Herzblut vergossenund nun als wohlverdienten Lohn Teilnahme am Staatswesen und bürgerlicheFreiheit ansprachen. Viele der heldenmütigen Kämpfer starben unter der Handdes Henkers, andere wanderten als Verbannte und Flüchtlinge ins Ausland;die Zurückgebliebenen verschlossen ihre Ansichten und ihren Groll in schwelg-samer Brust. Eine Anzahl Höflinge (Camarilla), bestehend aus selbstsüch-tigen Bevorrechteten, fanatischen Priestern, schmeichelnden Hofdienern undränkevollen Frauen, erlangte Ferdinands Vertrauen und trieb ihn zur grau-samsten Verfolgung aller Liberalen. Verwaltung und Rechtspflege befandensich im jammervollsten Zustande; die Staatskasse war trotz des Steuerdruckserschöpft, Handel und Wandel stockte, die süd- und mittelamerikanische"Kolonieen (Mexico, Neu-Granada, Rio de la Plata, Peru, Chile, Venezuelau. a.) sagten sich von Spanien los und führten einen Kampf, der mit der Un-abhängigkeit der einzelnen Staaten und der Gründung mehrerer Republikenendigte. Der Befreiungskampf in Südamerika ist vorzugsweise an den Namendes Kreolen Bolivar ('s 1830) geknüpft.
tz. 544. Da geschah es, daß am Neujahrstage 1820 unter den in Cadizversammelten und zur Einschiffung nach Südamerika bestimmten Regimenterneine Militärverschwörung ausbrach. Die Fahne der Empörung wurde erhobenund die Konstitution der Cortes ausgerufen. Der Oberst Riego war die Seeledes Unternehmens; die Leitung des Ganzen übernahm der aus der Haft be-freite Quiroga. In kurzem verbreitete sich der Aufstand über alle Teile Spa-niens; überall verlangte man die Verfassung vom Jahre zwölf (Z.517), unddem König blieb nichts übrig, als den Forderungen nachzugeben, die Corteseinzuberufen und die Konstitution zu beschwören. Dieser Sieg der spanischenDemokraten feuerte ihre Meinungsgenossen in Portugal und Italien zur Nach'ahmung an. In Lissabon und Oporto entstanden Volksbewegungen, welchedie Entfernung des Lord Beresford, der im Namen des noch immer in Bra-silien weilenden Königs das Land verwaltete, die Einberufung der Stände2«, Jan. (Cortes) und die Einführung einer der spanischen nachgebildeten KonstitutionisÄ.' zur Folge hatten. Johann VI. kehrte nach Lissabon zurück und beschwor dwneue Verfassung für Portugal und Brasilien. — In Neapel erregten dieCarbonari eine Militärverschwörung, die bald solchen Fortgang hatte, daßKönig Ferdinand sich genötigt sah, in die Einführung der spanische"Ständeverfassung zu willigen. Triumphierend zogen Wilhelm Pepe undCarrascosa, die Häupter der Verschwörung, an der Spitze der aufständische"Truppen und der mit ihnen verbundenen Carbonari in Neapel ein. — Auch i"Piemont entstand eine revolutionäre Erhebung gegen das auf PriestertuMund Adelsaristokratie sich stützende unbeschränkte Königtum, infolge dere"M«r, Vrktor Emanuel zu Gunsten seines Bruders Karl Felix abdankte und duspanische Konstitution unter Begünstigung des mutmaßlichen ThronerbenKarl Albert von Carignan auch im Königreich Sardinien eingeführtWurde.
8- 545. Beunruhigt über den neuen revolutionären Geist, der auch dwdeutsche Jugend ergriffen zu haben schien, faßten die Häupter der hnlrgenAllianz auf Metternichs Vorstellung den Entschluß, die liberalen Bewegungen