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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8- 546. Verfassungskämpfe in der pyren. Halbinsel und in Italien.

zu unterdrücken. Auf dem Kongreß von Laibach, wo sich auch, von den 3 »"»°»Monarchen eingeladen, König Ferdinand von Neapel einfand, wurde beschlossen,me konstitutionelle Verfassung in diesem Land gewaltsam umzustürzen. Fer-dinand billigte das Vorhaben. Ein österreichisches Heer rückte ein; die mut- ZA">sen Truppen Pepes und Carrascosas wurden schnell überwältigt und teilsZersprengt, teils zur Ergebung gebracht, worauf der König die konstitutionelleVerfassung wieder aufhob. Von nun an verband sich die Priestermacht unddas auf Mietsoldaten und Polizeiwesen gestützte absolute Königtum zurUnterdrückung jeder freien Regung durch Geistesdruck und Furcht. DieserAusgang entschied das Schicksal der piemontesischen Konstitution. Zwar wider-standen die von Santa Rosa begeisterten Liberalen nicht ohne Ruhm bei No-vara den Gegnern; aber von ihrem geheimen Gönner, dem Prinzen von Carig-Uan, verleugnet, war ihre Stärke bald gebrochen. Turin und Alessandria wur-den von den Österreichern besetzt und die unbeschränkte Königsmacht in ihrerstrengsten Form und mit allen Folgen des Rückschrittsystems auch im König- UMreich Sardinien wieder hergestellt. Eine schwere Reaktion lagerte sich überOberitalien, und mancherpatriotische Mann, wie derMailänderPallavicino-Trivulzio und der Dichter Silvio Pellico mußten jahrelang als Staats-gefangene auf dem Spielberg schmachten.

ß. 546. Nicht viel glänzender war der Ausgang der spanischen Cortes.

Als die Liberalen ihren Sieg mißbrauchten, die' königliche Gewalt übermäßigbeschränkten und gegen die Klöster, die bevorzugten Stände, die altherkömm-lichen Einrichtungen und Gewohnheiten heftige Schläge führten, reizten diePriester und die Anhänger des absoluten Königtums das Volk zum Kampfeauf. Ein blutiger Bürgerkrieg drohte die unglückliche Nation aufs neue zuzerfleischen. Da stellten die Glieder der heiligen Allianz auf dem Kongreß vn-bervon Verona an die Cortes in Madrid die Forderung, ihre Verfassung abzu-ändern und dem Könige größere Gewalt einzuräumen. Trotzig wiesen diedemokratischen Stände diese Anmutung ab. Nun rückte ein französisches Heer Nru»,unter dem Herzog von Angoulßme über die Pyrenäen. Umsonst riefen die * 'Cortes das Volk unter die Waffen; die konstitutionelle Freiheit war für dievon Priestern und Mönchen geleitete Masse ein unverstandenes Wort und dieveue Ordnung ihren Gewohnheiten und Gefühlen zuwider; der Volkskrieg,die alte ruhmreiche Guerilla, auf welche die Cortes ihr Vertrauen gesetzt,kam nicht zustande, der Pöbel und die Kamarilla begrüßten die Franzosen alsRetter von der verhaßten Herrschaft der Freimaurer. Vergebens widerstandenEinzelne Führer, wie Mina in Barcelona, Quiroga in Leon, mit Mut undTapferkeit dem fremden Kriegsheer; die Soldaten zeigten wenig Kampflust undjuchten sich durch Kapitulationen beizeiten sicher zu stellen. Die Franzosenz°gen siegreich in Madrid ein und ernannten, da die Cortes sich mit dem Königvach dem Süden geflüchtet hatten, eine Regentschaft- Das feste Cadiz warder letzte Zufluchtsort der Verfassungsfreunde; vor diese Stadt rückten nun-mehr die Franzosen. Da entsank den Cortesmitgliedern der Mut; statt, wieste früher großsprecherisch geäußert, sich unter den Trümmern der Stadt zu be-graben, schloffen sie mit den Belagerern einen Vertrag, worin sie in ihre Auf- 15 . Aug.lösung willigten und den König in Freiheit setzten. Durch fremde Bajonettewurde Ferdinand VII. nunmehr wieder in seine Machtfülle eingeführt; dieBerfassung mit allen ihren Einrichtungen trat außer Wirksamkeit und dieapostolische Partei ließ alle Wut- und Rachegeister auf ihre Gegner los.

Rlego und viele feiner Meinungsgenoffen starben durch die Hand des Henkers; 7. sr°v.Tausende irrten als brot- und heimatlose Flüchtlinge und Verbannte in derfremde umher; eine gleich große Zahl mußte m den moderigen Kerkern das