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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. Z. S47. 548.
Streben büßen, dem Volke die Zustände und Einrichtungen zu rauben, an diees durch dreihundertjährigen Despotismus gewöhnt worden.
H. 547. Der klägliche Ausgang der spanischen Cortesverfassung feuerte inPortugal die Königm (Ferdinands VII. Schwester) und ihren zweiten SohnDom Miguel an, durch einen Gewaltstreich sich der verhaßten Konstitutiongleichfalls zu entledigen. Sie brachten den schwachen König Johann VI. da-hin, die Cortesverfassung aufzuheben und die Verfolgung der KonstitutionellenAprn und Freimaurer zu gestatten. Bald darauf erregte Dom Miguel gegen den10. März eigenen Vater einen Aufstand, um sich die Regentschaft zu verschaffen, zog sich18 LS. aber statt dessen eine Landesverweisung zu. Zwei Jahre nachher starb Jo-hann VI. Sein ältester Sohn Dom Pedro, der als konstitutionellerKaiser von Brasilien nicht zugleich König von Portugal sein konnte, über-trug die Regierung über das Mutterland seiner unmündigen Tochter DonnaMaria da Gloria und verlieh den Portugiesen eine freisinnige Verfassung(Charte). Zwar glückte es einige Zeit nachher seinem aus der Verbannung zu-rückgekehrten Bruder Dom Miguel, mit Hilfe der apostolischen Partei diesei8L8. Verfassung abermals umzustürzen. Er beraubte seine Nichte ihres Thronrechts,ließ sich zum unumschränkten König erklären und wütete mit Verbannung,Kerkerstrafe und Hinrichtung gegen die Freunde und Anhänger der konstitutio-nellen Ordnung. Allein seine Herrschaft war von kurzer Dauer. Dom Pedro,in Brasilien zur Übergabe der Krone an seinen unmündigen Sohn gezwungen,landete mit geworbenen Truppen in Portugal und trieb seinen tyrannischenBruder in einem zweijährigen Krieg (1832—1834) so sehr in die Enge, daßdieser zuletzt dem Thron entsagte und sich ins Ausland begab. Hierauf stelltel8»4.' Pedro die Cortesverfassung wieder her, die aber nach seinem baldigen Todunter der Regierung seiner Tochter Donna Maria viele Änderungen undAnfechtungen erfuhr.
4. Großbritannien.
H. 548. England war aus dem langen Kampfe mit Frankreich mächtigund siegreich hervorgegangen. Es hatte die Flotten der andern Völker ver-nichtet und seine eigene Marine in solchen Stand gesetzt, daß ihm die Herr-schaft zur See von niemand streitig gemacht werden konnte; es hatte seine Be-sitzungen in Westindien vergrößert, hatte Canada in die Höhe gebracht, hatteim Westen und Süden Afrikas Niederlassungen angelegt und hatte in Ost-indien nach Besiegung des mächtigen Sultans Tippo Sahib ein Reich ge-schaffen, das an Größe und Volkszahl das Mutterland weit übertraf, eineunerschöpfliche Quelle des Reichtums und des Handels wurde; ferne Inseln,durch kühne Seefahrer, wie Cook u. a., der staunenden Welt erschlossen, beug-ten sich unter das Scepter des meerbeherrschenden Jnsellandes. Der Besitzvon Gibraltar und Malta, die Schutzhoheit über die ionischen Inseln,die freie Durchfahrt durch die Dardanellen sicherten ihm nach dem PariserFrieden die Herrschaft des Mittelmeeres und den Verkehr mit der Levante-Durch seine festbegründete Verfassung mit Druck- und Redefreiheit, uritgenauer Begrenzung der Volks- und Königsrechte erregte England den Neid derandern Nationen. Aber bei dieser Macht und Blüte nach außen litt der Staatan unheilbaren Wunden. 1) Während ein kleiner Teil des Volks uner-V°r- rneßliche Reichtümer anhäufte, sank die große Masse zur drückend--rmung. Armut herab. Die kostspieligen Land- und Seekriege und die ungeheu-ren Hilfsgelder, die den Regierungen des Festlandes gewährt wurden, steigertendie Nationalschuld zu solcher Höhe, daß die Jahreszinsen gegen 34 MillionenPfd. St. betrugen. Diese Schuldenlast, verbunden mit einer verschwenderischen