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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. 8- 552. 8- 5
und erschütterten das Vertrauen in die väterliche Gesinnung der Regierungen.Die Partei der Liberalen, die eine fortschreitende Entwickelung des Staats-wesens in demokratischer Richtung anstrebte und die Idee der deutschenEinheit lebendig erhielt, gewann täglich mehr Boden. Vor allem aber wardie deutsche Jugend, welche durch die neuromantische Dichtkunst (8- 556)mit Vorliebe für das Mittelalter erfüllt war, mit der Gegenwart unzufrieden.Sie schwärmte für das mittelalterliche Kaisertum, für Deutschlands frühereGröße und Einheit, und suchte die neuen Jdeeen von Volksherrschaft unter alt-deutschen Formen und Benennungen ins Leben einzuführen. Ohne Klarheitdes Ziels und ohne Kenntnis und Würdigung der Hindernisse trachteten dieJünglinge, die auf den deutschen Hochschulen den Bruderbund der „allgemei-nen Burschenschaft" geschlossen, nach einer idealen Welt- und Staats-schöpfung mit altdeutschem Wesen. Dieser Geist gab sich zuerst kund auf demWartburgsfeste. Am Tage der Leipziger Schlacht wurde als Einleitungzu dem dreihundertjährigen Reformationsfest, das in dem protestantischenDeutschland mit großer Begeisterung gefeiert ward, und zugleich zur Erinne-rung an den blutigen Befreiungskampf auf Leipzigs Ebenen von einer AnzahlStudenten und einigen jüngeren Professoren der Universität Jena auf derWartburg bei Eisenach eine Feier veranstaltet, wobei feurige Reden gehalten,begeisternde Lieder gesungen und nach Beendigung des Festes von den Jüng-lingen nach Luthers Beispiel mehrere ihren Ansichten widerstrebende Büchervon Kotzebue, Kamptz, Haller, Jarcke u. a. nebst einigen Zeichen einer veraltetenunfreien Zeit, als Zopf, Schnürbrust, Korporalstöck u. dgl., in jugendlichemÜbermute verbrannt wurden. Wurde schon dieser Begebenheit von den Regie-rungen eine unverdiente Wichtigkeit beigelegt, so war es nicht zu verwundern,daß die blutige That eines dieser Wartburggenossen, Karl Ludwig Sand, alsdas Werk einer großen politischen Verschwörung angesehen ward und eineReihe gerichtlicher Untersuchungen und Verfolgungen wegen demagogischer Um-sturzpläne herbeiführte. Sand von Wunsiedel nämlich, em frommer und vater-ländisch gesinnter Jüngling, aber von überspanntem Wesen und erfüllt vonSchwärmerei, faßte den verbrecherischen Vorsatz, den russischen StaatsratAugust v. Kotzebue, der im Verdacht stand, durch gehässige Berichte nachPetersburg Deutschlands Freiheit und politische Entwickelung zu gefährden,zu ermorden, um die deutsche Nation von den verderblichen Ratschlägen diesesss M«r, »russischen Spions", dieses „Verräters am Vaterlande" zu befreien. Er nahteIsis. sich dem Arglosen in Mannheim mit einem Briefe und durchbohrte ihn wäh-rend des Lesens mit Dolchstichen. Der Versuch, sich selbst zu töten, mißlang-Von seinen Wunden geheilt, endete Sand auf dem Blutgerüste in Mannheim-Diese That eines politischen Schwärmers wurde von der Reaktion unter derÄgide von Metternich zum Verderben der ganzen Partei der Liberalen benutzt§is. und ausgebeutet. Es erfolgten die Karlsbader Beschlüsse, welche die Frei-heit der Presse durch die Censur beschränkten, zur Unterdrückung der „dema-gogischen Umtriebe" ein Untersuchungsgericht (Central-Kommission) inMainz anordneten, die burschenschaftuchen Verbindungen mit ihren Turnan-stalten untersagten, die Universitäten unter die Aufsicht besonderer Regierungs-beamten stellten und endlich den Beschlüssen des Bundestages unbe-dingte Gültigkeit für alle Regierungen beilegten. Zugleich wurdenin der Wiener Schlußakte dem demokratischen Geist der süddeutschen Land-stände Schranken gesetzt. Preußen, solange die Hoffnung und Zuversicht allerdeutschen Patrioten, ging jetzt mit reaktionären und volksfeindlichen Maßregelnvoran. Männer, wie Arndt, Iahn u. a., deren Wort und Beispiel in denZeiten der Not von so großer Wirkung gewesen, wurden nun als Förderer derna-
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