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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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553. 554.

Griechenlands Freiheitskampf.

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Mischer Umtriebe vor Gericht gestellt, ihrer Ämter entsetzt, von der PolizeiÜberwacht. Von der Zeit an galt Deutschlands Einheit für einen Traum; werWunsch danach aussprach, machte sich demagogischer Bestrebungen ver-Achtig. Jeder einzelne Staat wurde als selbständiges Ganze angesehen undMert, ohne Rücksicht auf die Gesamtinteressen des Vaterlandes; und wennU Manche gute Einrichtung in Verwaltung, Rechtspflege, Kirchen- undSchulwesen getroffen ward, die Größe der Natron, die politische Macht und^hre waren rn den Augen der Regierungen wertlose Güter.

6. Griechenlands Freiheitskampf.

, 8- 553. Als die öffentliche Lebensthätigkeit der europäischen Völker von

Ar heiligen Allianz und der Metternichschen Politik in festen Banden gehaltenwurde, erzeugte die Kunde von Griechenlands Erhebung gegen die Türken eineMchtige Begeisterung und weckte in den erschlafften Völkern ein neues politi-sches Interesse. Alexander Apsilanti, ein in russischen Kriegsdiensten stehen-der Moldauischer Edelmann, trat in seinem Vaterlande zuerst als Befreier aufUnd erließ, mit Hinweisung auf russischen Schutz, an die Hellenen einen Auf-siel, das türkische Joch abzuschütteln. Ein weitverzweigter Bund, Hetäria,Assen geheimer Zweck Losreißung von der Türkei war, kam dem Beginnen zu-siatten. In kurzem standen Morea (Peloponnes), Livadien (Hellas), Thessa-"en und die griechischen Inseln unter den Waffen. Aber die erwartete HilfeRußlands blieb aus. So gerne auch Kaiser Alexander aus religiösem Mit-gefühl und aus politischem Interesse die Erhebung begünstigt hätte, der Ein-guß Metternichs, welcher auf dem Kongreß von Laibach den Aufstandder Hellenen in eine Linie stellte mit den gleichzeitigen demokratischen Be-wegungen in Italien und Spanien, verhinderte jede Unterstützung der Griechen.7" Die Türken schäumten vor Wut und nahmen blutige Rache. Der Patriarchdvn Konstantinopel, das Oberhaupt der griechischen Kirche, wurde am Oster-wg durch die christenfeindlichen Mohammedaner vom Hochaltar gerissen undN. dem Hauptthore seiner Kirche aufgehängt; ein gleiches Schicksal hatten dieAllchöfe von Ephesus, Nikomedien und Anchialus; viele altgriechische Be-wohner der Hauptstadt (Fanarioten) starben eines gewaltsamen Todes oderMußten als Bettler in die Verbannung wandern. Die heilige Schar derKriechen unter Ipsilantis Führung unterlag der türkischen Übermacht in derWalachei und wurde in dem Verzweiflungskampfe bei Dragatschan, wo sie idem Heldenmute eines Leonidas focht, gänzlich aufgerieben. ApsilantiAchtete sich nach Österreich, mußte aber jahrelang in einer ungarischen FestungHinachten. Der Fall der hochherzigen Streiter bewies, daß sie von einem an-vern Geiste beseelt seien, als die spanischen und italienischen Freiheitskämpfer.

. 8- 554. Ein furchtbarer Nationalkrieg brach jetzt in allen Gegenden desMechfschen Landes aus. In Morea waren die wilden, streitbaren MainotenAs Tahgetus aufgestanden unter der Anführung von Mauromichalis und^olokvtronis; bald folgten die übrigen Bewohner des Peloponnes, von^emetrius Apsilanti, Alexanders Bruder, zu planmäßiger Kriegführunggehalten. Zugleich stritten die Griechen in Livadien und aus den InselnM Ruhm und Erfolg; ihre Tapferkeit erinnerte an die Thaten der Vorfahren,A .Aenig hellenisches Blut auch in den Adern der Neugriechen fließen mag.Zunehmend blickten die europäischen Völker auf den Riesenkampf im Ostenund eilten, durch Philhellenen-Vereine Geldmittel und Streitkräfte zuwrnmeln, um den Mut der Kämpfer, die sich im Anfang des Jahres 1822 unter^Metrius Ipsilanti und Maurokordato zu einer republikanischen Staats-l rm geeinigt, aufrechtzuerhalten. Galt es doch, Kultur und Christentum