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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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H. 556o.

Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.

Turgsn- abspiegeln (Eugen Onegin"). In dem hochbegabten Iwan Turgenjew treten1 A 8 -W. die dunkeln Seiten des russischen Gesellschafts- und Volkslebens mit schneidenderSchärfe zu Tage (Vater und Söhne"), wie überhaupt durch die gesamte moderneLitteratur Rußlands ein scharfer satirischer Luftzug gegen das Bestehende geht.

Auch die magyarische Litteratur ist erst zu Anfang unseres Jahrhunderts ent-Petoefi standen und erreichte ihre höchste Blüte in Alexander Petoefi, der, ein Sänger und182S-4S. ^ ^ld zugleich, in der Schlacht bei Schäßburg 1849 gefallen ist; er ist der Dichterder ungarischen Revolution und Demokratie. Seine Trink- und Liebeslieder, seineBilder aus der Pußta sind die Frucht jahrelangen Wanderns unter Hirten undBauern, Zigeunern und Räubern. Ein sehr fruchtbarer und vielseitiger Roman-geb°i 828 . schriftsteller ist Maurus Iokai.

Die dänische Dichtkunst hatte sich früher ganz an Deutschland angeschlossen, s»" noch inBaggesen. Als Begründer einer national-dänischen Dichtung, die mit Vor-weg. liebe auf heimische altnordische Stoffe zurückgriff, kann Adam Oehlenschlägersthl«g-r gelten. Eine anziehende Erscheinung ist Andersen in seinen schalkhaften, gefühl- undpoesievollen Märchen. In neuester Zeit haben die beiden Norweger Ibsen undAndersen Björnson mit ihren Erzählungen und Dramen voll naturalistischer Kraft vielAnerkennung gefunden. Schweden verehrt in Esaias Tegnör seinen größten Dichter;Äjörnson ^bssen Romanzencyklus: die Fritjhofssage ist die Nationaldichtung des schwedischengeb. 1882 . Volks geworden.

H 556o. Die schönen Künste. Von großem Einfluß war die Romantik1846. auf den Entwickelungsgang der schönen Künste, besonders der Malerei. War es aucheine Verirrung, wenn die Häupter der Schule die Nachbildung der christlichen Kunstdes Mittelalters als den einzig richtigen Weg zur Kunstvollendung darstellten undstatt der Antiken die in Zeichnung und Formen so unvollkommene vorrafaelischrKunstzeit als Vorbild empfahlen, so bereicherte die Romantik anderseits das Kunst-gebiet mit neuen Elementen, legte den Jdeeen, dem inneren Sinne höhere Bedeutungbei, entfaltete ein tieferes Gemüts- und Seelenleben und verhinderte, daß über derformalen Vollendung der geistige Inhalt vernachlässigt ward. Eine Zeitlang kämpftendie beiden Schulen, dieklassische und die romantische, um die ausschließlicheHerrschaft, bis man sich dahin verständigte, daß Inhalt und Form gleich wichtigeund notwendige Grundbedingungen aller wahren Kunstdarstellung seien, daß die Ge-bilde des Geistes und Gemütes nur in Verbindung mit richtiger Zeichnung undgründlichen Studien der Körperwelt vollendete Kunstwerke werden könnten, ein Grund-satz, welcher endlich zur Versöhnung beider Richtungen auf dem Boden eines natur-Malerei. kräftigen Realismus führte. Die klassische Kunst, die, auf der Nach-ahmung der Antike beruhend, den Hauptwert auf Korrektheit in Zeichnung und Be-handlung legte, erlangte durch mehrere strebsame und talentvolle Männer zugleich in1728-^Deutschland und Frankreich ausschließliche Geltung. Dort trat zuerstRafael Mengsti77s. Sohn eines sächsischen Hofmalers, dem entarteten Kunstgeschmack seiner Zeit ent-gegen und weckte durch eine große Anzahl von Bildern in Öl und in Fresko (denParnaß" in der Villa Albani zu Rom) einen neuen Kunstsinn; und wenn auch deraller Genialität ermangelnde Meister den Zopfstil noch nicht ganz zu überwindenvermochte, so hat er doch den Weg gezeigt, auf welchem man zu einem würdigenKunstgeschmack gelangen könne. Allerdings hat diese Kunstrichtung ihre GefahrenE- und Abwege, die besonders in Frankreich durch I. L. David hervortraten, indem1825. man sich gänzlich an die Nachahmung der Antike, verbunden mit Studien nach derNatur, nach Modellen und nach dem Theater hielt, und der Einbildungskraft unddem schöpferischen Vermögen zu geringen Wert beilegte; allein durch den gesunden^ 1754 -^ Künstlersinn einiger deutschen Maler, besonders des jungen Schleswigers Carstens,1788. wurde diese mechanische Kunstrichtung von dem Irrweg abgelenkt. Mit einer frucht-baren und dichterischen Einbildungskraft begabt, gelangte Carstens durch ausmerk-