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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8- 556 o.

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Die neuromantische Litteratur und Kunst.

sames Anschauen der Antiken und Versenken in dieselben zu solchem Totaleindruck,baß er ihre Formen aus dem Gedächtnis und der Einbildungskraft frei und selb-ständig wiederzugeben vermochte. Aber verkannt und wenig beachtet, fand er nicht dienötige Unterstützung zu großen Kompositionen in Öl oder Fresko. Von Armut undKrankheit niedergebeugt, starb er in jungen Jahren in Rom. Seine begeisterndeAnregung erweckte jedoch einen lebendigeren Sinn unter den deutschen Künstlern:

Tos. Anton Koch aus Tirol, Gottl. Schick aus Stuttgart (Apollo unter denHirten"), Eberh. Wächter u. a. m. schritten auf seiner Bahn fort. Der klassischenKunstrichtung traten zuerst eine Anzahl deutscher Künstler entgegen, die im AnfangUnseres Jahrhunderts sich in Rom zusammenfanden und ihre innere Übereinstimmungburch gemeinsame Studien und Ausführungen kund gaben. Ganz in die Idee derromantischen Schule eingehend, widmeten sie ihre Kunst ausschließlich christlich-religiösen Darstellungen nach dem Vorbilde altdeutscher und altitalienischer Gemälde.Mehrere von ihnen, wie Overbeck, Schadow, Veit, bezeichneten ihre Erweckungfür die neuromantische Kunstrichtung durch ihren Übertritt zur katholischen Kirche.

An ihrer Spitze stand Friedr. Overb eck von Lübeck, der in seinen zahlreichen ^°^<rÖlgemälden christlich-religiösen Inhalts (Der Bund der Kirche mit den Künsten" rsss.w Frankfurt a. M.) eine große Anmut und Holdseligkeit in der Bildung der Ge-stalten entwickelte; aber bei der herrschenden Übersinnlichkeit und Leblosigkeit seinerWilder ging die Kraft und der Sinn für das Große und Gewaltige verloren. Ähn-lich in Geist und Richtung ist Veits Frankfurter FreskogemäldeEinführung derKünste in Deutschland durch das Christentum". Wie in Overbeck die weiche, aus- w?r.schließlich religiöse Gefühlsrichtung ihren Vertreter fand, so die freiere, kräftigereStimme der Romantik in Peter Cornelius aus Düsseldorf. Nach seiner Rückkehrins Vaterland wirkte er als Direktor der Düsseldorfer Malerakademie anregendnuf viele jüngere Künstler und schmückte zugleich mehrere der Prachtgebäude, die derKunstsinn König Ludwigs von Bayern in München errichten ließ, wie dieLudwigs-strche und Pinakothek, mit großartigen Wand- und Deckengemälden in Fresko. Alss) im Jahre 1825 die Leitung der Münchner Kunstakademie übernahm, hatte er in .Düsseldorf zum Nachfolger Wilh. Schadow, der bald gleichfalls eine Reihe talent- Schadowvoller Schüler um sich sammelte, so daß dieDüsseldorfer Schule" derMünchner E-Schule" unter Cornelius und seinen Jüngern ebenbürtig zur Seite trat. Währendbie letztere vorzugsweise die Freskomalerei pflegte und zu hoher Vollendung führte,ündmete die Düsseldorfer Akademie ihre Kunstthätigkeit mehr der Historien- undLandschaftsmalerei in Öl. Beide Orte entfalteten einen rühmlichen Wetteifer, demNan die hohe Kunstblüte unserer Tage zu danken hat. In München wirkten neben^ornelius Heinr. H (Aller - Heiligen - Hofkapelle und Bonifaciuskirche), Joh.Schraudolph, dem in der Folge die Ausschmückung des Kaiserdoms in SpeierÜbertragen ward, der Schlachtenmaler Dietz, der talentvolle Schwind, der die^A^s^innern Räume der wiederhergestellten Wartburg bei Eisenach mit Bildern aus derthüringischen Geschichte und Sage zierte (Der Sängerkrieg") und zugleich durchbMe Reihe humoristischer Bilder (Ritter Curts Brautfahrt") und durch Bearbeitungdeutscher Märchen (Die sieben Naben" in Aquarell) sich ungeteilten Beifall er-warb, die trefflichen Landschaftsmaler Rottmann und E. Fries von Heidelbergünd viele andere. In Düsseldorf wetteiferten mit dem Direktor Schadow (Diethörichten und die klugen Jungfrauen" u. a.) Karl Schorn (Wiedertäufer vor Ge-^.cht"), Karl Fr. Lessing (Huß vor dem Konzil",Die Hussitenpredigt" u. a.), ^sAgme Landschaftsmaler Schirmer, Sohn, Achenbach u. a. Mehrere Zöglinge und isos-Meister dieser beiden Kunstschulen trugen ihre Talente und Erfahrungen in andere SHirm-rStädte, wo durch ihre anregende Thätigkeit sich bald gleichfalls ein reges Kunstlebenvntfaltete. So zogen Hübner (Leipziger Disputation") und Bendemann (Dietrauernden Juden") von Düsseldorf nach Dresden, wo sie neben dem aus München